Expedition

Suche nach dem Nazi-Schatz

Schon die Stasi wollte das Gold im Stolpsee finden. Jetzt taucht ein Israeli

Der Stolpsee in Nordbrandenburg soll ein dunkles Geheimnis hüten. Auf dem Grund soll ein bedeutender Schatz liegen. Versenkt haben ihn angeblich die Nazis, kurz vor Kriegsende. Jetzt, fast 70 Jahre danach, soll er endlich gehoben werden. Er habe „Beweise“, dass im April 1945 schwere Kisten zum Stolpsee rund 90 Kilometer nördlich von Berlin geschafft worden seien, sagt Yaron Svoray. Der Israeli ist der Leiter der Expedition, die im Frühjahr mit einem internationalen Expertenteam am See aufkreuzte. Das Aufsehen war groß, als die Boote mit Sonden zu Wasser gelassen wurden.

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. Svoray und sein Team haben bislang nichts Konkretes gefunden. „Ein Schatz?“, sagt der Wirt eines Restaurants am Seeufer und winkt lachend ab. Alle Jahre wieder werde „so ein Gewese“ um den Stolpsee gemacht. Aber an der Legende sei nichts dran. Das einzig Wertvolle in dem See seien Fische.

Doch Expeditionsleiter Svoray lässt sich nicht beirren. „Wir haben eine dreidimensionale Karte erstellt“, sagt der 59 Jahre alte Sohn eines deutschen Juden. Darauf seien etliche Objekte verzeichnet. Nun würden diese mit einer Art Röntgenstrahlen durchleuchtet. Und wenn die Objekte tatsächlich etwas enthalten? Dann werde getaucht, sagt Svoray. Vor Herbstbeginn will das Team an den Stolpsee zurückkehren. Unterstützt wird es vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege/Archäologisches Landesmuseum.

Der Legende nach sollen im Frühjahr 1945 Kisten voller Gold und Platin im Stolpsee versenkt worden sein. Auftraggeber soll Hermann Göring gewesen sein. Auf Boote verladen und versenkt wurden die Kisten angeblich von Häftlingen aus dem nahe gelegenen Konzentrationslager Ravensbrück. Danach sollen sie noch am Ufer von SS-Leuten erschossen worden sein. Eine andere Theorie besagt, dass die Nazis im Stolpsee gar kein Gold versenkten, sondern Dokumente aus dem KZ Ravensbrück.

Svoray ist nicht der Erste, der nach den versunkenen Geheimnissen sucht. 1981 ließ die DDR-Staatssicherheit im Stolpsee tauchen. Die fand gar nichts, obwohl der Stolpsee nur 13 Meter tief ist. Auch danach gingen immer wieder Abenteurer auf Tauchstation, zuletzt wollten 2011 Briten die Nazi-Reichtümer heben. Erfolg hatte bislang keiner.

Jetzt soll alles anders werden. Es gebe „deutliche Anzeichen“, dass im Stolpsee in den letzten Kriegstagen etwas versteckt worden sei, sagt Thomas Kersting, Dezernatsleiter Archäologische Denkmalpflege beim Denkmalpflege-Landesamt. Das Amt hat die aktuelle Expedition genehmigt.