Brandschutz

Dauereinsatz bei Waldbrandstufe IV

104 Brände haben bereits 38,4 Hektar Wald zerstört. Die Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft

Die Bedrohung ist für Rolf Fuchs, Chef des Camping- und Ferienparks am Plauer See, allgegenwärtig. Er blickt auf dunkle Schwaden, die über die die Wipfel ziehen. „Ein Campingplatz, auf dem es einmal gebrannt hat, kann zumachen“, sagt Fuchs. Doch er hat Glück: Das Feuer ist auf der gegenüberliegenden Seite des Sees in der nahen Kiefernschonung ausgebrochen. Fuchs’ waldreiche Feriendomäne ist verschont geblieben. Bislang. Doch jede weggeworfene Zigarette, jeder Funke beim Grillen kann auf dem ausgedörrten Gras- und Sandboden in Sekunden zur Katastrophe führen. Das Infrastrukturministerium hat am vergangenen Wochenende für alle Landkreise in Brandenburg die höchste Waldbrandstufe IV ausgerufen.

Die Feuerwehr fährt teils Dauereinsätze. Auch Raimund Engel, Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter, findet kaum Zeit zum Durchatmen. Am Mittwoch ist Engel in Wünsdorf. In der Waldstadt brennt der Boden auf 2000 Quadratmetern. Die Feuerwehr rückt mit sechs Tanklöschwagen an. Nicht zum ersten Mal in diesen Tagen. Das Areal hat es in sich, ist eine Teilfläche eines ehemaligen Truppenübungsplatzes. Die Kriminalpolizei vermutet Brandstiftung und ermittelt. Bei Waldbrandstufe IV könnten Wälder gesperrt werden, sagt Engel. „Das wollen wir vermeiden.“

Von Wiesen- und Waldbränden betroffen sei vor allem der Süden des Landes, sagt Engel. Verstärkt die Landkreise Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Oder-Spree. „104 Brände mit 38,4 Hektar betroffener Waldfläche haben wir seit Anfang des Jahres gezählt“, sagt der 48-Jährige. „Wegen der extremen Trockenheit hat sich die Zahl seit voriger Woche verdoppelt.“

Die Vorhersagen fürs Wochenende versetzen den Waldschützer in große Sorge. Bis zu 35 Grad prognostizieren die Meteorologen, von Regen keine Spur. Außer im Westen Brandenburgs. Da kann es Unwetter geben. „Die bringen Wind. Fatal in der jetzigen Situation“, sagt Engel. „Ich befürchte das Schlimmste.“ Die Feuerwehr müsse sich bereithalten. Der Einsatz werde in Brandenburg zu 98 Prozent von Ehrenamtlern geleistet, das Engagement sei beispielhaft. Das Problem allerdings: Viele Feuerwehrleute sind berufstätig, arbeiten wochentags auswärts. Im Alarmfall fehle es schnell an Leuten. Oft auch an moderner Technik. Die Investitionen ins Früherkennungssystem „Fire Watch“ hätten sich längst ausgezahlt.

109 Kameras senden Fotomaterial

109 Kameras, pro Gerät rund 80.000 Euro teuer, nehmen von Sende- und Strommasten aus den 1,1 Millionen Hektar großen Brandenburger Wald ins Visier. Sie senden Fotomaterial, das in Sekundenschnelle in den sieben Waldbrandzentralen des Landes ausgewertet wird. Im Schnitt vergeht vom Erkennen des Brandes bis zum Eintreffen der Feuerwehr eine Viertelstunde. Vorbei die Zeiten, als Forstmitarbeiter bei Temperaturen von bis zu 50 Grad stundenlang auf Türmen Wache schieben mussten, um nach Augenmaß die Feuerwehr zu alarmieren. Durchschnittlich breiten sich von den Überwachungslinsen geortete Brände nur auf einer Fläche von 0,4 Hektar aus.

Trotz Spitzentechnik hält Brandenburg die Spitzenposition als Bundesland mit den meisten Waldbränden. Jeder dritte in Deutschland bricht in Brandenburg aus, sagt die Statistik. 235 hätten allein im vorigen Jahr eine Fläche von 76 Hektar Wald vernichtet. Sandböden, die nur schwer Wasser speichern, bedingen das schlechte Abschneiden. Und die Kiefern-Monokulturen – Bäume, die wegen ihres Harzes und ihrer ätherischen Öle schnell entflammbar sind. Was erschwerend hinzukommt: der mit Weltkriegsmunition kontaminierte Boden. „Rund die Hälfte der Waldfläche ist betroffen“, sagt Engel. Auf zahlreichen früheren Truppenübungsplätzen – vermehrt rund um Luckenwalde und Jüterbog – komme es immer wieder zu Selbstentzündungen. Erst am Sonnabend war ein Großfeuer auf einem ehemaligen Übungsgelände der Staatssicherheit bei Baruth (Teltow-Fläming) ausgebrochen. Bis zu 200 Feuerwehrleute kämpften dagegen an, erst am Dienstag wurden die Brandbekämpfer Herr der Lage. Die Munition im Erdreich, teils mit Phosphorköpfen bestückt, sorgte ständig für neue Glutnester. 17 Hektar Wald habe das Feuer zerstört, zieht Engel erste Bilanz.

Auch die Landwirte sind seit Tagen in Alarmbereitschaft. „Wir haben Warnungen an unsere Mitglieder verschickt“, bestätigt Kornelia Hurttig vom Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark. „Bislang blieben unsere Felder vom Feuer verschont.“ Aber: „Stoppelfelder sind schnell entzündet, wenn Landwirte ihre warm gelaufenen Maschinen sorglos auf dem Feld stehen lassen.“ Schlimmer sei die Achtlosigkeit von Touristen und Einheimischen. „Glas nach einem Picknick am Wald- oder Feldrand wird nicht entsorgt. Da genügt eine Scherbe, und schon brennt alles lichterloh.“ Der Hauptverursacher eines Brandes bleibt der Mensch, sagt Reinhard Jung, Geschäftsführer vom Bauernbund Brandenburg. Zudem werde in Brandenburg immer mal wieder gezündelt. In 763 Fällen von Brandstiftung hat die Polizei 2012 ermittel.