Freizeit

Kopfüber ins Vergnügen

Der Mitmach-Park „Irrlandia“ hat sich in 15 Jahren zu einem der beliebtesten Ausflugsziele entwickelt

Caroline quietscht vor Vergnügen. In einer Plastikkiste saust die Sechsjährige immer wieder eine Rutsche hinab, die aus Dutzenden Plastikrollen besteht. Beim Hinunterfahren rattert die ganze Konstruktion eindrucksvoll, sehr zum Vergnügen des Berliner Mädchens. Für ihren zehnjährigen Bruder Martin ist das „Kinderkram“, wie er sagt. Den Jungen fasziniert viel mehr das Wahrzeichen des Mitmachparkes „Irrlandia“ im Gewerbegebiet von Storkow: Drei hölzerne Türme mit schiefen Spitzdächern, die an Zipfelmützen erinnern.

Die schon von Weitem zu sehenden bunten Bauwerke führen zu fünf unterschiedlich gestalteten Edelstahlrutschen – das Highlight mit einigen Herausforderungen, wie Parkchef Matthias Beier sagt. Bevor es auf speziellen Matten bis zu zwölf Meter tief wieder nach unten geht, müssen Besucher den Weg nach oben im Inneren der Türme über Podeste erklimmen. Durch Gitterröhren gelangen sie von einem Turm in den nächsten. „Da fahren nicht nur Kinder drauf ab, zumal der Aufstieg tatsächlich etwas für Sportliche ist“, sagt Beier, Projektleiter des Berliner Kinder- und Jugend-Vereins „Lollypop“, der „Irrlandia“ vor 15 Jahren erfunden hat.

60 Stationen zum Ausprobieren

Das sei das Markante, was das fünf Hektar große Areal von anderen Freizeitparks unterscheide, sagt er. „Hier sind Kinder und Eltern zum Mitmachen aufgefordert. Sich einfach irgendwo reinsetzen und kutschieren lassen, das gibt es bei uns nicht.“ Beim Mini-Riesenrad beispielsweise müssen Eltern in die Pedalen treten, damit sich die Konstruktion dreht. Laute Karussells und Achterbahnen sucht man hier vergeblich, ergänzt Storkows Tourismusmanager Werner Krummbein. „Wer etwas erleben will, muss an den 60 Stationen schon selbst kreativ werden und mitmachen – das ist das Erfolgsrezept“, sagt er.

Im vergangenen Jahr zählte „Irrlandia“ 67.000 Besucher, von Jahr zu Jahr werden es mehr. Viele Familien kommen aus Berlin und Brandenburg, aber zunehmend auch aus anderen Gegenden Deutschlands. Das sind meist Leute, die rings um den nicht weit entfernten Scharmützelsee Urlaub machen. So wie Familie Schönherr aus Leipzig. „Für Kinder ist es einfach ideal. Mich fasziniert, wie aus ganz simplen Kinderspielen so tolle Ideen entwickelt werden“, sagt Mutter Susann, während sie Sohn Niklas beim Fassreiten beobachtet: Ein Holzfass mit Pferdesattel ist an vier Ketten aufgehängt und schaukelt, sobald sich der „Reiter“ darauf bewegt. Kurze Zeit später erobert der Junge die hölzerne Ritterburg gleich nebenan. Das Mitmach-Prinzip funktioniert auch im Hochseilgarten, auf der Goldwaschanlage oder in einem der acht verschiedenen Labyrinthe, die „Irrlandia“ den Namen gaben: unter anderem ein Türenlabyrinth, verschlungene Plastikröhren zum Durchkriechen unter der Erde oder mit Hindernissen gespickte Irrwege.

Mit einem Labyrinth aus Maispflanzen und einem Strohfiguren-Festival als Urlaubsabwechslung für Ferien-Gäste hatte „Irrlandia“ einst begonnen, am Rande des Storkower Gewerbegebietes „Neu-Boston“. „Hier war nur wilder Acker. Von den Gewerbetreibenden wurden wir nur belächelt“, erinnert sich Beier, „heute lacht keiner mehr über uns.“ Inzwischen ist das Areal begrünt und bepflanzt, die Wiese wird von den Gästen gern für ein Picknick genutzt. Es gibt weder betonierte Wege noch laute Musikbeschallung. „Deswegen ist die sogenannte Verweildauer bei uns sehr hoch. Hier kann man sich für sechs Euro Eintritt einen ganzen Tag lang vergnügen.“ Auf der Beliebtheitsskala der 532 Familienpass-Angebote von Berlin und Brandenburg steht „Irrlandia“ seit Jahren auf Platz zwei, gleich hinter Tropical Island.

Jedes Jahr etwas Neues

Als Orientierungshilfe für Familien dient in diesem Jahr das Spaß-Scharmützel, ein Flyer, auf dem alle entsprechenden Angebote der Region aufgeführt sind: Neben dem „Irrlandia“ sind das beispielsweise die Sommerrodelbahn in Petersdorf bei Bad Saarow, der Eisenbahnpark in Wendisch Rietz oder „Didi’s Fahrradmuseum“, die Sammlung kurioser Rad-Konstruktionen von Velo-Künstler Dieter Senft in Nachbarschaft des Mitmachparkes. Deutschlandweit einmalig sind laut Beier im „Irrlandia“ das „Murmeldiphorium“ – eine Klangtreppe für Murmeln, die abschließend auf einen Teller mit einer großen Glocke scheppern. „Klar schauen wir uns auch anderswo um. Aber wir experimentieren vor allem viel – auf der Grundlage klassischer Kinderspiele“, sagt Beier, zu dessen „Irrlandia“-Team sieben feste Mitarbeiter gehören.

In jedem Jahr gibt es etwas Neues: 2011 waren es die Rutschentürme, im vergangenen Jahr die „Netzarena“ – zwischen Baumstämmen aufgehängte Netzkäfige mit Riesenbällen. Ebenfalls erst in zweiter Saison verfügbar ist „Rollandia“. Hier können Kinder in aufblasbaren Riesenrollen herumtollen. Neu in der 15. Saison ist der Wasserspiel-Spray-Platz für heiße Tage, mit Wasserdüsen und unterschiedlichen Spritzelementen ausgestattet. Zudem gibt es Wasserkanonen zum Kurbeln, Kippeimer, aus denen Wasser fließt, sowie zwei Wasserbottiche mit Schwämmen für eine zünftige „Schwammschlacht“. Während der Sommer-Ferien gibt es auch viele Thementage – beispielsweise das Ritter- und Räuberfest am 17. und 18. August. Der Freizeitpark Irrlandia ist bis zum 6. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt für Erwachsene und Kinder 6 Euro, für die Kleinen inklusive einer Freifahrt. Mehr Infos: www.irrlandia.de