Ausbildung

Nachwuchsmangel im Spreewald

Auf den Touristenkähnen arbeiten vor allem ältere Fährleute

Für die Bootsladungen von Touristen im Spreewald braucht man viel Kraft. Deshalb sind meist Männer die Chefs auf den Kähnen in dem verzweigten Biosphärenreservat zwischen Lübben, Lübbenau, Vetschau, Schlepzig und Burg. Ab und zu sind auch Frauen auf Kähnen zu sehen, noch seltener junge Leute. Die Branche hat Nachwuchssorgen.

„Unser hoher Altersdurchschnitt könnte in einigen Jahren ein Problem werden“, sagt Steffen Franke. Der 40-Jährige ist Chef der Kahnfährgenossenschaft Lübbenau und Umgebung. Von deren 115 aktiven Fährleuten verdient etwa die Hälfte als Kleinunternehmer ihr Geld im Tourismus. Die meisten von ihnen seien mehr als 40 Jahre alte Männer, sagt Franke. „Wir haben nur wenige Kahnfährfrauen.“ Einige der Frauen begleiten die Kahngäste auch in traditioneller Tracht mit Haube und besticktem Rock, so zur offiziellen Eröffnung der Tourismussaison Ende März in Lübbenau, Lübben oder Burg.

Die Kahnfährleute im Spreewald befördern auf den flachen Flussläufen heutzutage nur noch halb so viele Gäste wie zu DDR-Zeiten. „Allein im Lübbenauer Raum haben wir jährlich 400.000 Kahngäste für die Touren“, sagt Franke. Neben der Kahnfährgenossenschaft sind noch mehrere Hundert Kahnfährleute in Vereinen, Tourismusfirmen oder in Familienbetrieben tätig und konkurrieren um die Besucher.

Zu den größten privaten Anbietern von Kahntouren gehört Dirk Meier. Der 49-jährige Hafenmeister des Spreehafens im Kurort Burg (Spree-Neiße) und Inhaber einer Pension beschäftigt zehn Kahnfährleute im Alter von 23 bis 54 Jahren. „Fehlender Nachwuchs ist für uns schon jetzt ein Problem“, sagt Meier. „Es ist schwer, junge Leute zum Kahnfährmann auszubilden, weil viele nicht am Wochenende arbeiten wollen. Zudem kommen viele nicht zur Ausbildung nach Burg, weil hier kein Bus fährt.“ Meier bildet dennoch aus: „Wir wollen den jungen Leuten in der Region Burg eine Chance bieten.“

Mit der Ausbildung von Fährleuten beschäftigt sich auch Arwed Franke von der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft. „Wir brauchen mehr jüngere Kahnfährleute, aber es kommt niemand, weil sie bei Vereinen und Unternehmen mehr Geld verdienen“, so der 71-Jährige. „Unsere Mitglieder führen ein Drittel der Einnahmen an die Genossenschaft ab, weil wir noch einen Kredit für unser Hafengebäude abzahlen müssen.“