Hotel

Die Wohltäter von Schloss Hubertushöhe

Die Gebrüder Opolka haben mit Lampen ein Vermögen verdient. Nun machen sie aus dem Nobelhotel ein Haus für Kunst und Literatur

Rainer und Harald Opolka haben eine Affinität zu Literatur und Kunst, das merkt der aufmerksame Beobachter schnell. Ganz beiläufig haben die beiden neuen Besitzer des Storkower Schlosses Hubertushöhe ständig Zitate berühmter Dichter und Denker oder auch chinesische Sprichwörter oder philosophische Weisheiten parat. Die beiden gebürtigen Bottroper sind durch die Erfindung und den weltweiten Verkauf von LED-Taschenlampen zu Millionären geworden. Doch das Geld ist für die 58 Jahre alten Wahl-Brandenburger nur Mittel zum Zweck, versichern sie. „Wir wollten immer etwas in Sachen Kultur und Bildung machen, dafür braucht man eben viel Geld“, betont Harald Opolka.

Eine ganze Menge davon haben er und sein Bruder vor einem Jahr in den Erwerb des um 1900 erbauten Jagdschlosses Hubertushöhe investiert, malerisch auf einer Anhöhe am Ufer des Storkower Sees gelegen. Wie viel das Schloss genau gekostet hat, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir hatten es Jahre zuvor bei einem Urlaub mit unserem Segelboot kennen gelernt – wenn auch nur von Weitem“, erzählt der gelernte Elektriker. Damals hielten sie an den zum Schloss gehörenden Bootshäusern an, um im Schlossrestaurant zu speisen. „Man ließ uns aber gar nicht erst an Land. Wir sahen wohl nicht reich genug aus“, erinnert sich der Unternehmer.

In der Tat hatte zu Schloss Hubertushöhe nicht jedermann Zutritt. Von einem Berliner Industriellen im Jagdstil erbaut, logierten hier Prominente wie einst Kaiser Wilhelm oder, nach der Wende, der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie Stars aus Film und Fernsehen. Und jede Menge gutbetuchte Gäste, vor allem, nachdem das Schloss vor gut 20 Jahren zum Luxushotel umgebaut wurde und das Restaurant „Windspiel“ des Fünf-Sterne-Hauses unter Gourmets berühmt war. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei, spätestens, seit der letzte Besitzer im Herbst 2011 das Nobelhotel schließen musste.

Die Zeiten des Luxus sind vorbei

Die Luxus-Zeiten kommen für Schloss Hubertushöhe auch nicht wieder, wenn es nach den Brüdern Opolka geht. Zwar mussten sie erst einen Bankauszug an die Verkäufer schicken, bevor sie als Schlossinteressenten ernst genommen wurden. Doch seitdem setzen sie alles daran, ihre Vision eines offenes Hauses inklusive eines frei zugänglichen neun Hektar großen Literatur- und Kunstparks umzusetzen. Das Motto: Kultur ist für alle da. Dafür haben sie neben dem Schlossgelände noch weitere Flächen gekauft, um in dem riesigen Park rund 250 Stein- oder Holztafeln mit Aphorismen von Goethe über Voltaire bis Brecht aufzustellen. Außerdem sollen literaturthematische Pfade angelegt werden. Zudem sind eine 1200 Quadratmeter große Kunsthalle sowie Unterkünfte für Studenten geplant, die im Schloss Literatur- oder Kunstkurse besuchen.

Bevor sie zu Schlossbesitzern wurden, waren Harald und Rainer Opolka bereits in der Region heimisch geworden. Ganz in der Nähe, in Wendisch Rietz am Scharmützelsee, kauften sie vor sieben Jahren ein ehemaliges DDR-Kinderferienheim, das sie zu ihrem neuen Zuhause machten. Landschaftlich gefalle ihnen die wasserreiche Mark, auch die Menschen hier seien „nett und aufgeschlossen“, sagt Harald Opolka. Die Nähe zu Berlin und seinem Kulturangebot habe ebenfalls einen große Rolle gespielt. Den Großteil ihrer Taschenlampenfirma hätten sie verkauft, durch Patente und andere Geschäftsbeziehungen fließe das Geld noch immer reichlich, ohne dass sie etwas dafür tun müssten, wie der Schloss-Miteigentümer beschreibt.

Mit seinem Bruder gründete er die Zweibrüder Kunst und Kultur GmbH zur Umsetzung ihrer Storkow-Pläne: ein Schloss als besonderes Ambiente für ein bundesweit einmaliges Kulturprojekt. Schon jetzt schufen die Opolkas elf Arbeitsplätze, denn das Schloss wird für Hochzeiten und Tagungen oder auch als Filmkulisse vermietet. Die sogenannte Fischerkate direkt am Seeufer ist ein Imbiss für Spaziergänger und Wassersportler. Auch im Schloss selbst soll wieder ein Restaurant eröffnen, allerdings mit bodenständigen Gerichten zu moderaten Preisen. 30 bis 40 Jobs könnte die GmbH bieten, wenn ihre Vision vom Kunst- und Literaturpark Wirklichkeit geworden ist. „Es wird Filmfestivals geben, Liedermacher-Workshops, Maler-Pleinairs, Lesungen, Theatervorführungen“, beschreibt Harald Opolka, der hofft, in zwei Jahren so weit zu sein.

Trotz mancher Widerstände aus Behörden fühlen sich beide angekommen, vor allem in der Stadt Storkow, wo sie inzwischen Mitglieder im Mittelstandsverein sind. Rainer Opolka hat sogar ein Buch über die Kommune geschrieben, eine poetische Liebeserklärung. Er und sein Bruder sehen sich als „Kulturpiraten“, die Kunst und Literatur in ihrem Park vom kommerziellen Charakter befreien, von der Ansiedlung einer Künstlerkolonie ähnlich der im niedersächsischen Worpswede träumen. Die heute wohlhabenden Opolka-Brüder stammen aus einfachen Verhältnissen, der Vater war Bergmann, die Mutter Bäuerin. „Wir haben die Ideale unserer Kindheit und Jugend nicht verraten, die soziale Motivation“, sagt Harald Opolka.

Dass er und sein Bruder es ernst meinen, bewiesen sie zu Pfingsten, als sie Kinder der Region zu einem kostenlosen Festival einluden – mit Boots- und Kutschfahrten, Theater, Tiervorführungen, Bastelstraße und Schlossbesichtigungen. Wer wollte, konnte sich an einem Musikinstrument ausprobieren – für die kindliche Bildung unentbehrlich sagen die Opolkas, die selbst mehrere Instrumente spielen. Es kamen 3000 Besucher. Die Stadt Storkow begrüßt das Engagement der neuen Schlossbesitzer ausdrücklich. „Am schönsten finde ich, dass die Brüder Opolka den Zugang zu Schloss und Park nunmehr offen für alle Bürger machen“, sagt Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig.