Gesundheit

Manfred Stolpe kämpft wieder gegen Krebs

Der ehemalige Ministerpräsident ist diszipliniert und zuversichtlich. Und er hat eine Botschaft: „Leute, kümmert euch“

– Der schwere Kampf um seine eigene Gesundheit ist ihm nicht genug. Manfred Stolpe will Vorbild sein und ein bisschen auch die Welt verändern. Sonst würde er Sätze wie diesen nicht sagen: „Ich habe mich bereits 25-mal unter die Strahlenkanone gelegt, Aber das ist längst nicht so schlimm wie die Chemotherapie.“

Woher nimmt der 77-Jährige die Kraft? Neun Jahre nach den ersten Anzeichen der Krankheit muss sich Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident wieder wegen Krebs behandeln lassen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, haben Ärzte bereits im Januar Metastasen in der Nebenniere festgestellt. Symptome seien bislang in Darm, Leber und Lunge aufgetaucht. Ob die Behandlung erfolgreich war, würden Untersuchungen im August zeigen, heißt es. Stolpe selbst hatte erzählt, dass sein Arzt ihm im Jahr 2008 eröffnet habe, dass er vielleicht nur noch fünf Jahre zu leben habe.

Noch auf dem Sommerfest der Brandenburger Regierung vergangene Woche war Stolpe souverän aufgetreten. Bei 35 Grad schüttelte er Hände und sprach mit Mitarbeitern und Weggefährten

„Ich gehe mit der Krankheit offen um, weil ich meine Leidensgenossen ermutigen will, den Kampf nicht aufzugeben“, sagt Stolpe. Bereits im Jahr 2004, damals war er noch Bundesminister für Verkehr, erkrankte er an Darmkrebs. Damals hielt er das noch geheim. Auch seine Frau, die pensionierte Ärztin Ingrid Stolpe, erkrankte im Jahr 2008 an Brustkrebs. Einige Zeit verbrachte das Paar, das seit 1961 verheiratet ist, gemeinsam in der Klinik. Sie entschieden sich anschließend dafür, offensiv über ihre Krankheit in der Öffentlichkeit zu sprechen. Und über ihre Hoffnung.

Er habe keine Angst vor dem Sterben, sagte Manfred Stolpe im Februar vor einem Jahr im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. „Wir sind alle in Gottes Hand, zappeln hilft da nicht.“ In einem gemeinsamen Fernsehauftritt erklärte das Ehepaar damals, sie hätten vor allem zwei Botschaften: „Nummer eins: Leute, kümmert euch, guckt nach, geht zur Vorsorgeuntersuchung.“ Die Nummer zwei: Sich nicht verrückt machen lassen. „Man sollte so normal und gelassen damit umgehen wie möglich.“

Stolpe ist für stoische Ruhe bekannt. Er kämpft gegen den Krebs in dem Stil, den er auch in seiner aktiven Zeit als Spitzenpolitiker der SPD pflegte: geduldig und mit einer gewissen Zuversicht. Und mit Disziplin, auch körperlicher. Stolpe geht regelmäßig schwimmen, bis vor einigen Jahren machte er jeden morgen Liegestütze und 50 Kniebeugen. In jüngeren Jahren war er begeisterter Bergsteiger.

Obwohl er Gefallen an gutem Tabak habe, ab und zu raucht er eine kubanische Zigarre, sei er kein regelmäßiger Raucher geworden.

Im Februar 2012 erhielt Manfred Stolpe den Europäischen Kulturpreis für sein langjähriges Engagement für die Aussöhnung mit den osteuropäischen Nachbarn, insbesondere Polen und Russland. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hielt wie schon zu seinem 75. Geburtstag die Laudatio auf den „pommerschen Dickkopf“.

Lob für Behandlung

Der Politiker verschweigt in Interviews kaum ein Detail über seine Krankheit. Wie sich seine Haut an den Händen löste nach der Chemotherapie. Dass 54 Zentimeter seines Darmes entfernt werden mussten. Er spricht über wöchentliche Infusionen, über taube Finger und Fußspitzen. Und doch lobt er immer wieder die modernen Behandlungen, die es inzwischen gebe. Er werde hervorragend versorgt im Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum.

Wie die „Bild“-Zeitung weiter berichtet, haben die Ärzte nun entschieden, Stolpe nicht erneut zu operieren. Sie setzen auf die Behandlung mit der Strahlenkanone. Das hat auch Nebenwirkungen. Die Bestrahlung mache müde, schwach und antriebslos. Man müsse sich zwingen, aktiv zu bleiben. Stolpe legt Wert darauf, alle Entscheidungen früh und selber zu treffen. Er hat bereits verfügt, in welcher Situation er keinesfalls an lebensverlängernden Geräte angeschlossen werden will.

Bereits im Januar 2012 war das Ehepaar aus seiner 220-Quadratmeter-Villa ausgezogen. Keine leichte Entscheidung: Sie hatten dort 40 Jahre lang gelebt. Das neue Zuhause: eine 95-Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung in der Johanniter- Seniorenresidenz an der Havel. Der Blick auf den Fluss sei fantastisch, sagte Stolpe. Ihre Tochter und die Enkel Felix (12) und Finn (6) sind oft zu Besuch, sie wohnen in der Nähe. Die Großeltern fahren nun auch mit ihren Enkeln in den Urlaub nach Rügen. Dort wollen sie auch die Störtebeker-Festspiele besuchen.

Vor zwei Jahren haben die Stolpes ein Buch über ihre gemeinsame Krankheit veröffentlicht. Der Titel: „Wir haben noch so viel vor.“