Fonds Heimerziehung

Heimkinder aus der DDR erhalten Entschädigungen

Prügelnde Eltern, Flucht von zu Hause, Leben auf der Straße, Kinderheim und Jugendwerkhof samt drakonischer Erziehungsmethoden.

– Diese Stationen aus dem Leben von Barbara Ost sind nicht das, was man sich unter einer glücklichen Kindheit und Jugend vorstellt. Fast 40 Jahre später hat die heute 54-Jährige zumindest für das Unrecht, was ihr in den staatlichen Heimen der DDR widerfahren ist, einen finanziellen Ausgleich bekommen. „Es gab 10.000 Euro. Das macht mich happy“, erzählt Barbara Ost.

Weil sie will, dass auch andere Betroffene Hilfe bekommen, berät Ost diese jetzt ehrenamtlich in der Berliner Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder. Die dortigen Mitarbeiter helfen Betroffenen aus Ost- und Westberlin dabei, Geld aus dem „Fonds Heimerziehung“ zu beantragen. Seit Januar 2012 können Betroffene aus Westdeutschland Hilfen beantragen. Für Ostdeutsche gilt die Regelung seit dem 1. Juli 2012. Insgesamt stehen 160 Millionen Euro zur Verfügung.

„Wir haben bislang 1913 Hilfesuchende registriert, darunter 1363 aus Ost-Berlin und 550 aus West-Berlin“, berichtet der Leiter der Beratungsstelle, Herbert Scherer. Rund 5,2 Millionen Euro seien bereits bewilligt worden – fast die Hälfte des Geldes als Rentenersatzleistungen für diejenigen, die arbeiten mussten, aber ohne Rentenansprüche blieben. Der andere Teil des Geldes ist für Möbel, Therapien, Arztbesuche, Reisen, Kuren oder auch Gebrauchtwagen gedacht – Dinge, die den Betroffenen das Leben erleichtern sollen. Viele von ihnen leiden noch heute unter psychischen und körperlichen Folgeschäden.

Die arbeitslose Barbara Ost hat ihr Geld unter anderem in ein Auto, einen Schlafzimmerschrank, einen Computer und einen neuen Teppich investiert. „Jeden einzelnen Kauf muss man aber genau nachweisen“, kritisiert sie. Bis die Betroffenen Geld ausgeben können, müssen sie nicht nur viel Papierkram erledigen, sondern auch Geduld haben: „Beratungstermine gibt es bei uns erst wieder ab Mitte 2014“, sagt Herbert Scherer.