Kriminalität

Strafanzeigen gegen Therapie-Heime

Staatsanwaltschaft Cottbus prüft Anfangsverdacht

Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft zwei eingegangene Strafanzeigen wegen Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in Heimen der Haasenburg GmbH in Brandenburg. „Wir werden danach entscheiden, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt“, sagte am Freitag der stellvertretende Behördensprecher Horst Nothbaum. „Falls ja, werden wir Ermittlungen einleiten.“

Eine der beiden Anzeigen beinhalte konkrete Vorwürfe, so der Sprecher. Sie richten sich gegen die Einrichtung in Jessern. Eingereicht habe sie ein früherer Bewohner des Heims. Zum Inhalt machte Nothbaum keine Angaben. Die andere Anzeige sei sehr allgemein gehalten und eher eine Aufforderung, in allen drei Einrichtungen zu ermitteln. Die private Haasenburg GmbH betreibt im Auftrag der Jugendämter auch je ein Therapieheim für schwierige Kinder und Jugendliche in Müncheberg (Märkisch-Oderland) sowie in Neuendorf und Jessern in Dahme-Spreewald.

Die Berliner Tageszeitung „taz“ hatte berichtet, dass in den Heimen Kinder und Jugendliche misshandelt worden seien. Bei kleinsten Verstößen seien sie drakonisch bestraft worden. Es habe sogar Knochenbrüche gegeben. Diese Darstellung weist der Betreiber zurück. Körperverletzungen und Menschenrechtsverletzungen gebe es in den Heimen nicht.

Die Staatsanwaltschaft habe die Zeitung gebeten, Unterlagen zur Verfügung zu stellen, sagte der Sprecher. „Dem ist sie bisher nicht nachgekommen.“ Man kenne keine Opfer, auch keine Tatzeit. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft jetzt Unterlagen des Landesjugendamts angefordert. Laut „taz“ liegen dem Jugendamt als Aufsichtsbehörde Protokolle der Betreuer vor, in denen von „Knochenfrakturen bei drei weiblichen Insassen“ die Rede ist. Der Betreiber bestätigt, dass Protokolle von Maßnahmen gegen Kinder und Jugendliche in eskalierenden Situationen dem Jugendamt als Kopie zugesandt werden.

Indessen gibt es Kritik an der Opfer-Hotline des Bildungsministeriums (0331–866 3701). Dort gingen bereits Anrufe ein. Die Grünen kritisieren aber, dass die Hotline „direkt zum Abteilungsleiter des Ministeriums führt“. Die jugendpolitische Sprecherin, Marie Luise von Halem, sagt: „Betroffene scheuen sich, anzurufen, weil ein Teil ihrer Vorwürfe auch gegen das Ministerium gerichtet ist.“ Die Hotline müsse losgelöst eingerichtet werden.