Weltmeisterschaften

Starke Männer im Rock

In Fürstenwalde finden an diesem Wochenende die Highland Games statt. Bürgermeister Dorow stemmt selbst schwere Eisenkugeln

Es mutet schon etwas merkwürdig an, wenn sich gestandene Männer in Disziplinen wie Whiskyfass-Rollen oder Baumstammwerfen messen. Dass die muskelbepackten Wettkämpfer zu allem Überfluss auch noch Röcke tragen, macht die Sache auf den ersten Blick nicht unbedingt besser.

Was die Schotten schon seit Jahrhunderten fasziniert, findet weltweit immer mehr Freunde: Sie gründen sogenannte Clans, also Vereine, in denen starke Männer und auch Frauen dem keltischen Rasensport frönen. Und die treffen sich am Wochenende in Fürstenwalde, wo die bereits 5. Brandenburger Highland Games ausgetragen werden. Die in den USA ansässige internationale Highland-Games Vereinigung hat die Spreestadt als den ersten europäischen Austragungsort für ihre Weltmeisterschaften auserkoren. Erwartet werden Dutzende Athleten aus 13 Ländern. Am Sonntag messen sich dann die besten Sportler Deutschlands zum Auftakt einer Art „Bundesliga der Highland Games“, darunter auch Frauen.

Stilecht gibt es auf den Spreewiesen Dudelsack- und Pipe-Musikklänge sowie jede Menge Schottenröcke – traditionelle Wettkampfkleidung der Anhänger dieser sportlich-kraftvollen Leidenschaft, die auf keltische Traditionen des 11. Jahrhunderts zurückgeht. Damals trafen sich schottische Clans regelmäßig, um die Stärksten und Geschicktesten unter sich zu ermitteln. Heutzutage gibt es jährlich rund 100 Highland Games in Schottland.

Gekämpft wird auch an der Spree nach schottischem Regelwerk – mit Steinkugeln, Gewichten und Baumstämmen. „Fürstenwalde ist sozusagen in schottischer Hand“, erklärt Hans-Dieter Dorow schmunzelnd. Der Fürstenwalder Bauunternehmer ist Chef der „Stone Walker“, eines Vereins, deren halbes Dutzend aktive Mitglieder sich seit Jahren in den Disziplinen des schottischen Rasenkraftsports übt und die Highland Games vor fünf Jahren erstmals in die Spreestadt geholt hat. Wenn der 54-Jährige einen seiner vier Kilts (Schottenröcke) trägt, wagt niemand darüber zu lachen. Ist Dorow doch unschwer anzusehen, dass er in seiner Freizeit regelmäßig 60 Kilogramm schwere Baumstämme in die Höhe stemmt, schwere Steinkugeln meterweit weit stößt oder – seine Lieblingsdisziplin – Gewichte an Ketten in die Höhe schleudert. „Schottisches Hammerwerfen“ nennt sich das Ganze. Ein Eisengewicht wird rücklings über eine hohe Stange geschleudert, haarscharf vorbei am Hinterkopf des Athleten. Ebenfalls eine Herausforderung ist das „Stonelifting“. Dabei muss von dem Sportler eine mindestens 100 Kilogramm schwere Steinkugel auf ein 1,60 Meter hohes Podest gestemmt werden. „Es geht dabei um Schnelligkeit, Koordination und natürlich Kraft – ein Sport, der verbindet“, sagt Dorow, dem das Gewichtestemmen im Fitnessstudio vor sechs Jahren zu langweilig geworden war. Er fand eine traditionsreiche Alternative, die ihn anspornte. Denn der Leistungslevel der Highland Games sei sehr hoch, wenn man bei Europa- oder Weltmeisterschaften mithalten will. Vermutlich sind die hohen Ansprüche auch der Grund, warum es den „Stone Walkern“ nur schwer gelingt, neue Mitglieder zu gewinnen. „Dieser Sport ist tatsächlich kein reines Freizeitvergnügen, sondern ernsthafter Wettkampfsport“, sagt Dorows Sohn Daniel, der bei den Weltmeisterschaften am Sonnabend antreten will.

Der 24-Jährige konnte bei Highland Games im In- und Ausland bereits vordere Plätze erzielen und ist auf dem besten Wege, seinem Vater den Rang abzulaufen, der beim deutschen Wettkampf am Sonntag an den Start gehen wird. „Da treten nur Profis an, und es geht ans Eingemachte“, freut sich der 54-Jährige, seit 2009 Vizeweltmeister in seiner Altersklasse. Wer sich Profi nennen darf, muss dafür bestimmte Qualifizierungsnormen erfüllen. „Die Baumstämme werden länger und die Gewichte schwerer“, macht der oberste „Stone Walker“ deutlich. Vater und Sohn Dorow sind gut in Form, haben regelmäßig trainiert für die heimischen „Gesellschaftsspiele für Erwachsene“, wie Dorow-Senior die Highland Games gern bezeichnet. „Diese kraftvollen Wettkämpfe zu Live-Folk-Musik haben sich zu großen Publikumsmagneten entwickelt“, sagt Fürstenwaldes Stadtsprecherin Annegret Trilling. „Sie sind brandenburgweit einmalig und inzwischen ein Höhepunkt in unserem Veranstaltungskalender, sie haben echten Schauwert“, meint sie und verweist auf das abwechslungsreiche Rahmenprogramm mit Spielleuten, Gauklern, Axt- und Messerwerfern.