Architektur

Sorgen unter der Kirchen-Kuppel

Problem mit der Statik führt zu Verzögerungen bei der Restaurierung von Kloster Neuzelle

Ihre besondere Schönheit offenbart die evangelische Pfarrkirche „Zum heiligen Kreuz“ der Klosteranlage Neuzelle erst im Inneren. Nach dem Vorbild der Jesuitenkirche in Rom ab 1728 erbaut, besticht sie vor allem durch die charakteristische Kuppel über dem Chorraum, die von innen mit einem dekorativen Fresko verziert ist. Der Erzengel Michael und die Apostel erstrahlen in neuem Glanz, nachdem fünf Restauratoren das Kunstwerk Ende vergangenen Jahres gereinigt, ausgebessert und neu konserviert haben. Wer den Kopf in den Nacken legt, kann diese Arbeit nun wieder in ihrer vollen Schönheit bestaunen.

Was der Besucher nicht sieht, sind die Sorgen, die gerade jene Kirchen-Kuppel den Mitarbeitern der Stiftung Stift Neuzelle und den restauratorischen Fachleuten gemacht hat. „Experten hatten angenommen, dass die Kuppel komplett gemauert ist und sich dadurch allein trägt“, sagt Stiftungsmitarbeiter Jan Battmer. Stattdessen seien bei der Erbauung Holzsparren dazwischen gesetzt worden, die im Laufe der Jahrhunderte marode wurden und zu einem statischen Problem der Kuppel führten. „Wenn wir sie nicht abgestützt hätten, wäre sie uns bei der Sanierung über dem Kopf zusammen gestürzt.“ Der zusätzliche Aufwand führte allerdings zu einem Zeitverlust auf der Großbaustelle. „Ursprünglich hatten wir alle Arbeiten im nächsten Jahr abschließen wollen, doch bei der historischen Bausubstanz ist so etwas nie genau kalkulierbar“, sagt Stifts-Geschäftsführer Norbert Kannowsky.

Das Kirchenlanghaus ist außen eingerüstet, hier haben die Sanierungen begonnen. Noch auf ihre Schönheitskur warten die Doppeltürme der evangelischen Pfarrkirche. Insgesamt fließen in die Rettung des Kuppel-Gotteshauses allein 3,5 Millionen Euro. Das historische, einst von Zisterziensermönchen begründete Kloster-Ensemble – auch als Barockwunder der Mark Brandenburg bezeichnet – ist seit zwei Jahren eine Großbaustelle. Mehr als 23 Millionen Euro Bundes-, Landes- und EU-Mittel fließen in vier Projekte. Seit 1993 wurden bereits 30 Millionen Euro in den Erhalt und die Sanierung von Brandenburgs einziger barocker Klosteranlage investiert. Was die Herrichtung des Stiftshofes und weiterer Außenanlagen betrifft stimme der Zeitplan, so Battmer. Auch die Restaurierung des ehemaligen dreiflügligen Klausurgebäudes kann 2014 abgeschlossen werden. „Für das private deutsch-polnische Gymnasium als Mieter und seine rund 500 Schüler sanieren wir das Haus in mehreren Bauabschnitten, angepasst an den laufenden Schulbetrieb“, sagt Kannowsky.

Ein unterirdisches Museum

Kopfzerbrechen bereitet den Bauleuten – neben der Kuppelkirche – der Neubau eines unterirdischen Museums mit 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Es entsteht quasi als Betonklotz mit acht Meter hohen Decken im früheren Scheibenberg. Der ist zur Hälfte abgetragen, die Hänge werden noch stabilisiert, bevor in zwei Wochen mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden kann. „Es kam immer wieder zu Hangrutschen, trotz der acht Meter langen Anker, die wir in den im Wesentlichen aus feinem Sand bestehenden Berg getrieben haben“, beschreibt der Stiftsmitarbeiter die Probleme. Am Steilhang wurden nunmehr doppellagige Stahlmatten angebracht und mit Beton ausgespritzt. In diese Verschalung wird der Stahlbetonkörper für das Museum gesetzt, das Ganze abschließend wieder verfüllt, sodass der Scheibenberg wieder aussieht, wie zuvor. Gezeigt werden sollen dort dann die Passionsdarstellungen vom „Heiligen Grab“. Dabei handelt es sich um ein monumentales, barockes Kulissentheater aus dem 18. Jahrhundert, das aus 242 bemalten Holz- und Leinwandteilen besteht. Die Szenen „Der Judaskuss“ und „Kreuztragung“ wurden inzwischen restauriert und sollen künftig in dem fensterlosen Museum im Spot von Scheinwerfern gezeigt werden. „Wir mussten diesen Kunstgriff des versteckten Museums anwenden, weil wir keine geeignet hohen Räume für die monumentalen Kulissen in der Klosteranlage selbst haben“, erläutert der Stifts-Geschäftsführer. Ursprünglich sollte der besondere Klosterschatz ab Ostern kommenden Jahres zu besichtigen sein. Aufgrund der Bauprobleme wird sich die Eröffnung wohl bis Jahresende 2014 verschieben.

Fast fertig sind dagegen die Räume für Pfarrwohnung und das evangelische Pfarramt am Ostgiebel. Auch die Wohnräume für Internatsschüler des Gymnasiums im Obergeschoss stehen kurz vor der Vollendung. „Die 25 Plätze sind bereits alle ausgebucht“, sagt Battmer. „Zum nächsten Schuljahr geht es los.“