Werder

Und tatsächlich: die Bäume blühen

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An Tag zwei des Baumblütenfests scheint die Sonne – Tausende kommen nach Werder

Ute Reitz nimmt einen Bissen von ihrem mit Käse und Schinken gefülltem Handbrot, das sie an einem der Feststände gekauft hat. Um die 27-Jährige dröhnen Karussells, es riecht nach Zuckerwatte. Auf der Havel fahren Boote, Besucher strömen über die Brücke, die zum Riesenrad des 134. Baumblütenfestes führt. „Das hier unten in der Stadt gleicht schon einem Rummel, wie man ihn auch von anderswoher kennt“, sagt die Marketing-Managerin aus Berlin, die mit ihrem Freund das erste Mal eines der größten Volksfeste Ostdeutschlands besucht. „Wirklich schön sind aber die idyllischen Gärten oben auf dem Hügel“, sagt Reitz. Hier unten, sagt ihr Freund Steffen Fischer, gebe es auffällig viele Polizisten.

Am zweiten Tag des Baumblütenfestes in Werder zieht der Sonnenschein Tausende Besucher an die Havel und in die Gärten auf der Friedrichshöhe in Werder. Weil es in den vergangenen Jahren zunehmend zu Zwischenfällen wie Streitereien zwischen alkoholisierten Jugendlichen und zahlreichen Körperverletzungen kam, ist die Polizei mit mehren Hundert Beamten unterwegs. „An den Schwerpunkt-Tagen, also auch am Wochenende, sind wir hier mit 350 Beamten vor Ort“, sagt die Sprecherin des Polizeiabschnitts Werder-West, Jana Birnbaum, die vor dem Polizeirevier im Zentrum steht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben Sanitäter des DLRG ein Rettungszelt aufgebaut, Krankenwagen stehen für den Einsatz bereit. Am Nachmittag zählen die Beamten insgesamt 50 Straftaten seit Beginn des Festes am Sonnabend. „Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Anstieg. Damals hatten wir zu dieser Zeit 37“, sagt die Polizeisprecherin.

Im Stadtzentrum ziehen am frühen Abend Familien durch die Straßen, Pärchen schlendern am Wasser entlang, Gruppen von Jugendlichen trinken Wein aus Plastikflaschen. Schon seit 2011 sind Glasflaschen auf der Festmeile verboten.

Sehr viel beschaulicher geht es auf dem Hohen Weg zu, der hinaufführt zur Friedrichshöhe. Hier können Besucher einen Eindruck davon bekommen, wie das Fest vielleicht ausgesehen hat, als es von dem Obstzüchter Wilhelm Wills im Jahr 1879 das erste Mal veranstaltet wurde. Zumindest ein wenig: Den Weg säumen Gärten, auf einem Holzschild steht: „Willkommen bei Conny und Stefan“. Steffen Demuth steht in seinem Garten, den er für den besonderen Tag vollgestellt hat mit Bierbänken und Tischen. Die Gäste trinken die hausgemachten Obstweine und essen Kuchen. „Das hier oben ist die alte Festmeile. Wir öffnen unseren Garten schon im 14. Jahr“, sagt der 59-Jährige.

Ein paar Gärten weiter schmiert Marie-Delphine Fronk Stullen. Genauso wie Elisabeth Ränder trägt sie einen Blütenkranz auf dem Kopf. Im Obstgarten Reitz schenken sie Wein aus den traditionellen Glasballons aus. Die Gäste sitzen an den Tischen, blinzeln in die Sonne. Und tatsächlich, die Bäume blühen.