Verkehr

Die Bahn und das Moor

Die Trasse Berlin–Cottbus wird wieder ausgebessert, weil sie an einer Stelle nicht stabil genug ist

Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, da hat die Deutsche Bahn die Verbindung Berlin–Cottbus für 130 Millionen Euro umfassend modernisieren lassen. Erklärtes Ziel: Mit Tempo 160 sollen die Züge deutlich schneller als zuvor von der Hauptstadt in Richtung Spreewald und Cottbus fahren. Doch immer wieder kommt es auf der etwa 115 Kilometer langen Bahnstrecke zu Verspätungen. Für Tempoverlust sorgt seit Ende März auch eine sogenannte Langsamfahrstelle bei Bestensee (Dahme-Spreewald). Statt mit 160 Kilometern pro Stunde dürfen die Züge nur mit Tempo 70 über einen 100 Meter langen Gleisabschnitt zwischen Halbe und Brand rollen. Dieses Tempolimit hat die Bahntochter DB Netz aus Sicherheitsgründen verhängt. Grund dafür sei ein „Fehler in der Gleislage“, so ein Bahnsprecher. Zu deutsch: Der Unterbau der Schienen ist nicht stabil genug.

Das Problem ist, dass die Gleise in diesem Bereich durch Sumpfgebiet führen. Die „Moorlinse“, die bis in eine Tiefe von 60 Metern reicht, war der Deutschen Bahn schon vor der Strecken-Modernisierung bekannt. Bereits 2007 versuchte das Unternehmen, den Bahndamm im sumpfigen Dahmetal zu stabilisieren. 11,7 Millionen Euro hat der Austausch von Boden und das Einbringen von Beton in den Untergrund gekostet. All das hat nicht gereicht. Bereits im September 2011, nur wenige Tage nach Freigabe der modernisierten Strecke, musste die Bahn die Höchstgeschwindigkeit in dem Bereich reduzieren. Für den 4. und 5. Mai plant DB-Netz nun erneut Gleisbauarbeiten.

Der Verkehrsverbund und die brandenburgische Landesregierung reagieren mit Kritik auf die neuerliche Panne bei einem großen Bahnprojekt. „Die Bahnstrecke nach Cottbus wurde gerade erst mit viel Steuergeld für eine höhere Geschwindigkeit modernisiert. Es ist unverständlich, dass es jetzt schon wieder Einschränkungen gibt“, sagte Jens-Uwe Schade, Sprecher von Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD). Auch Eike Arnold vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) kann die Baumängel nicht verstehen. Beide fordern deren schnelle Beseitigung.

Vorwürfe, sie habe aus Kostengründen zu wenig in die Stabilisierung des Bahndamms bei Bestensee investiert, weist die Deutsche Bahn entschieden zurück. Das Konzept für die Modernisierung der Strecke habe von Anfang an vorgesehen, dass die Gleise über dem Moor bis zu ihrer endgültigen Lage messtechnisch überwacht und dann bei Absenkungen korrigiert werden. Die Nachbesserungen am Schotterbett sollten nach Bahnangaben bereits im März erfolgen. Wegen des anhaltenden Winterwetters mit Schnee und Frost konnten die Arbeiten damals jedoch nicht erfolgen. Der Einsatz der Schotter-Stopfmaschine ist nun für den 4. und 5. Mai vorgesehen. Da die Arbeiten in der Nacht erfolgen, wird es keine Einschränkungen für den Zugverkehr geben, so der Bahnsprecher.

Hauptnutzer der Trasse ist die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg), die seit Dezember die Regionalexpress-Linie 2 (Wismar–Wittenberge–Berlin–Cottbus) betreibt. Seit Monaten gibt es Beschwerden der Reisenden über die mangelhafte Pünktlichkeit. Anfänglich soll gerade einmal jeder zweite Zug nach Fahrplan gefahren sein, im Frühjahr soll die Pünktlichkeitsquote knapp über 60 Prozent gelegen haben. Nach Angaben von Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann fahren inzwischen 80 Prozent seiner Züge ohne Verspätung. Die vom Verkehrsverbund geforderte Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent liegt indes noch in weiter Ferne. VBB-Sprecher Eike Arnold hält sich mit Schelte dennoch zurück. „Immerhin ist die Odeg in der Pünktlichkeit besser als der vorherige Betreiber“, sagte er. Bis Dezember 2012 fuhr die Bahn-Tochter DB Regio den RE2.

Die Moorlinse bei Bestensee bereitet der Odeg jedoch kaum Sorgen. Verspätungen würden die Züge vor allem auf dem Nordostabschnitt der RE2-Linie sowie auf der Stadtbahn einfahren, so Schuchmann. Aufgrund der hohen Belegung der innerstädtischen Trasse reichten kleinste Abweichungen aus, um den Fahrplan durcheinanderzubringen. Ein weiteres Nadelöhr ist der Bahnhof Spandau, durch den fast der gesamte Fernverkehr der Bahn in Ost-West-Richtung rollt. „Der Bahnhof ist für eine solch starke Belegung nicht gebaut worden“, sagt Schuchmann. Um die Situation zu entspannen, schlägt er Fahrplan-Änderungen vor. Spandau könnte entlastet werden, wenn der RE 6 (Wittenberge–Hennigsdorf–Berlin) weiter bis nach Berlin-Gesundbrunnen fährt. Auf der Stadtbahn sollte der Regionalverkehr „entzerrt“ werden.

Der RE6 war schon bis Dezember 2012 bis nach Gesundbrunnen gefahren, das Land Brandenburg hatte die Finanzierung jedoch eingestellt. Aus VBB-Kreisen hieß es jedoch, dass über eine Verlängerung des RE6 intensiv diskutiert werde. Um den Zugverkehr auf der Stadtbahn zu stabilisieren, kündigte VBB-Bereichsleiter Hans Leister Fahrplanänderungen im Raum Potsdam–Berlin an. Die Änderungen betreffen die Regionalbahnlinien 21 und 22, sollen allerdings erst zum Fahrplanwechsel im Dezember in Kraft treten.