Galerie

Kunst auf drei Quadratmetern

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Jeanette Bederke

In Falkenhagen hat Michael Pommerening ein ehemaliges Trafohäuschen zu Brandenburgs kleinster Galerie umgebaut

Wer zufällig durch den abgelegenen Falkenhagener Ortsteil Regenmantel in Ostbrandenburg kommt, vermutet eher ländliche Idylle statt professioneller Kunst. Doch genau die gibt es seit knapp einem Jahr in Brandenburgs wohl kleinster Galerie. Allerdings begnügt sie sich mit 3,27 Quadratmetern. In einem stillgelegten, acht Meter hohen Trafoturmhäuschen, gleich neben dem Dorfteich mit Froschquaken, wechseln auf weniger als zwei mal zwei Metern Grundfläche alle sechs Wochen die Ausstellungen.

„Trafo 1“ nennt Michael Pommerening sein Kunst-Projekt, das er zur 18. Brandenburger Landpartie im vergangenen Jahr eröffnet hat. Was von Außenstehenden spontan mit „niedlich“ oder „hübsch“ kommentiert wird, betrachtet der 60-jährige Berliner in seinem gut 50 Einwohner zählenden Zweitwohnsitz Regenmantel viel ernsthafter. „Es geht hier nicht um Hausfrauen-Keramik, sondern um wirkliche Kunst“, sagt er.

Eigenen Angaben nach kennt der Fernseh-Journalist durch seine langjährige Arbeit „jede Menge prominente Künstler“. Und die sind laut Pommerening im „Trafo 1“ willkommen. Der in Ostbrandenburg bekannte Maler Harald K. Schulze war der erste, gefolgt von der Berlinerin Andrea Weidmann. Aktuell sind vier Werke der in der Nähe beheimateten Künstlerin Erika Stürmer-Alex zu sehen. „Die war zuvor bei allen Ausstellungseröffnungen dabei. Nun präsentiert sie sich selbst im Trafohäuschen“, erzählt der Mini-Galerist, der das „Trafo 1“ durchaus ernsthaft betreibt. Stürmer-Alex war für ihn ein spannendes Experiment. „Bisher hatten wir nur figürliche Kunst, sie aber malt abstrakt, und ich wusste nicht, wie Besucher darauf reagieren.“ Für Pommerening erfreulich: Die Betrachter diskutieren, kommen miteinander ins Gespräch. Der bisherige Erfolg gibt ihm Zuversicht. Mittlerweile wird er von Künstlern angesprochen, weil sie im „Trafo 1“ ausstellen wollen. „Wir sind ausgebucht bis Sommer 2014“, sagt er stolz. Mehr als 2000 Passanten haben seinen Angaben nach bisher reingeschaut. „Das waren nicht nur Berliner und Brandenburger, sondern auch Touristen aus Österreich und Bayern“, erzählt er. So mancher sei auch gezielt wegen der kleinsten Galerie nach Regenmantel gekommen, erzählten sie dem Hobby-Galeristen. 365 Tage im Jahr quasi rund um die Uhr sind die ausgestellten Kunstwerke im „Trafo 1“ zu sehen. Pommerening hat ebenso einen Schlüssel wie Nachbar Ingo Cornelius. Der war von Anfang an überzeugt davon, dass das ungewöhnliche Kunstprojekt auch in der ländlichen Abgeschiedenheit funktionieren kann. „Die kleinste Galerie bietet Abwechslung am Wegesrand – vor allem für Radwanderer. Für große Museen fehlt ihnen die Zeit“, sagt der 58-Jährige, selbst passionierter Radler.

Was im „Trafo 1“ ausgestellt ist, erfasst der Besucher mit einem Blick – auch bei geschlossener Tür. Die hat ein Sichtfenster, darunter einen „Spendenschlitz“, zudem prangt an der in Terrakotta gestrichenen Außenmauer ein Schalter für Licht und Musik, so dass die Kunstwerke jederzeit betrachtet werden können.

Energiekonzern hat geholfen

Angetan von der Idee war auch der Energiekonzern Eon-edis, dem das Trafohäuschen noch bis vor Kurzem gehörte. „Eine ausgefallene Nutzung – wenn sie angenommen wird – und dass scheint ja so“, sagt Unternehmenssprecher Horst Jordan. Ursprünglich sollte die 1936 erbaute Turmstation mit der inzwischen veralteten Technik seinen Angaben nach abgerissen werden. Steht doch seit Jahresbeginn 2012 direkt daneben ein unscheinbarer, aber moderner Trafo-Beton-Block. Doch gerade die charakteristischen Turmstationen würden regelmäßig neuen Nutzungen vor allem im Bereich Tierschutz übergeben. „Normalerweise sind das bevorzugte Nistplätze für Schleiereulen“, sagt Jordan. Eon-edis stellte für die Umnutzung sogenannte Anschubfinanzierungen bereit. „1000 Euro gab es so auch für das Trafohäuschen“, sagt Pommerening, der vor gut zwei Jahren vom drohenden Abriss erfuhr. „Ich appellierte an die Gemeindevertreter, das nicht zuzulassen“, erinnert er sich. Die übernahmen das Turmhäuschen unter der Voraussetzung, dass ihnen daraus keine Kosten entstünden. „Ich will mit der Galerie kein Geld verdienen“, so Pommerening, der die Anschubfinanzierung dafür nutzte, die Außenhülle zu sanieren und im Inneren für Platz zu sorgen, indem abgebaut wurde, was nicht mehr benötigt wurde. Im oberen Teil des Turmes hängt die alte Technik noch. „Da könnte man ein Klangspiel an den Isolatoren installieren“, überlegt der Kleinst-Galerist.