Personalien

König, Kaiser, Pfarrer

Adlige in ganz Europa gehören zu seiner Verwandtschaft: Philip Kiril Prinz von Preußen arbeitet als neuer Pastor in Birkenwerder

Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers trinkt einen Schluck Tee aus seinem Becher. „Das ist mein Lieblingsbecher“, sagt der Pfarrer mit breitem Lächeln. Auf dem Becher steht: „Wir sind im Namen des Herrn unterwegs“.

Pfarrer Philip Kiril Prinz von Preußen ist ein Fan der „Blues Brothers“ und des gleichnamigen Kultfilms. Er möge einen lockeren und modernen Umgang mit der Kirche, so der Seelsorger. Die Äußerung verwundert. Pfarrer Philip Kiril Prinz von Preußen gilt als konservativer und strenger Mann. Zudem eckt der Ururenkel von Kaiser Wilhelm II. immer wieder an, weil er sich für die Rückkehr der Monarchie ausgesprochen hat. „Ich passe in keine Schublade“, sagt er. Manchen sei er zu konservativ, anderen zu modern. Für ihn zähle einzig der Glaube.

Vater von sechs Kindern

„Mein Leben ist ins Lot gekommen, als ich zu Gott fand“, sagt der Pastor, in dessen Stammbaum Kaiser und Könige stehen. Während sein Vetter Georg Friedrich Prinz von Preußen (36) als Chef der Hohenzollern-Dynastie vor knapp zwei Jahren zu seiner Hochzeit in Potsdam Vertreter aller europäischen Adelshäuser begrüßen konnte, lebt der 44-Jährige als Pfarrer in Brandenburg eher zurückgezogen. Anfang März hat der sechsfache Familienvater offiziell sein neues Amt als evangelischer Gemeindepfarrer von Birkenwerder (Oberhavel) angetreten.

Zu Ostern sind die Kirchenbänke wohl gut gefüllt – keine Selbstverständlichkeit in der Gemeinde mit rund 1250 Mitgliedern. Die Menschen im Speckgürtel Berlins müssen sich noch an den Neuen gewöhnen. „Hinter der Gemeinde liegt eine bewegte Zeit“, sagt Gemeindepädagogin Annegret Ortelt. Auf einen sehr liberalen Pastor folgt ein Adeliger, dem ein überaus konservativer Ruf vorauseilt. Mehr als zwei Dutzend Mitglieder möchten sich damit gar nicht erst auseinandersetzen – und haben die Gemeinde verlassen.

Smartphone in der Predigt

Ortelt ist seit mehr als elf Jahren in Birkenwerder tätig. Der Adlige ist der dritte Pastor in der Zeit. „Seine Herkunftsfamilie ist zweitrangig“, betont sie. Wichtig sei, was er in der Gemeinde erreiche. Dienstbesprechungen mit ihm seien konstruktiv, er sei teamfähig und verlässlich, beschreibt sie ihre Erfahrungen. Und: „Er weiß die Jugend zu packen.“ In einer Predigt habe er es verstanden, das Thema Smartphone einzubauen – und die Konfirmanden begeistert. Gottesdienste würde der 44-Jährige gerne mit Band-Musik statt Orgel oder jungen Komponisten gestalten. Auch Video-Interviews und Theaterstücke seien denkbar. Geht es um den Glauben, ist er kompromisslos: „Es gibt keinen Grund, zu meinen, man müsste ihn dem Zeitgeist anpassen“, sagt er. „Bei den Vermittlungswegen aber sollten wir mit der Zeit gehen.“

Der studierte Pädagoge und Theologe weiß, welche Wirkung sein Name hat. In der Kindheit hat er gelitten: „Die Lebenswirklichkeit passte nicht mit dem Klischee zusammen“, sagt von Preußen, und das Strahlen in seinen braunen Augen erlischt. Sein Vater Friedrich Wilhelm wurde enterbt, weil er eine Bürgerliche geheiratet hat. Deshalb ist heute Cousin Georg Friedrich Prinz von Preußen Chef des Hauses Hohenzollern.

Kontakt haben die beiden kaum, auch zur glanzvollen Hochzeit in Potsdam war der Pastor nicht eingeladen. Die Ausgrenzung durch die Familie schmerzt den bekennenden Monarchisten. In der Jugend litt er doppelt, weil die Ehe der Eltern in die Brüche ging. Die Kluft zwischen dem adligen Namen, den klischeehaften Vorstellungen von Reichtum und einem Leben im Schloss wurde umso größer. Auch seine Kinder – zwei Jungen und vier Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren – erleben diese Außenseiterrolle. „Erfreulicherweise aber ganz anders, als dies bei mir der Fall war“, berichtet von Preußen. Zudem glaubt er, die Kinder darauf vorbereitet zu haben. „Adel verpflichtet, heißt es. Wir sollten uns aber schon als Christen gut benehmen – und das andere kommt noch oben drauf.“ Seine Frau und er bemühen sich, die Kinder vor Ausgrenzung zu bewahren: Ein Sohn hat darum ein Kinderschlagzeug bekommen. „Das hat einen coolen Touch.“