Osterreiseverkehr

Nervenprobe Autobahn

ADAC warnt vor Staus im Osterreiseverkehr. Auf der A 12 sorgt eine kilometerlange neue Baustelle für Chaos

Für Tausende Autofahrer wird der Start in den Oster-Kurzurlaub an diesem Donnerstag im Stau beginnen. Der ADAC rechnet mit erheblichen Problemen auf den Autobahnen in Richtung Süden (A 9 und A 13) sowie den Strecken an die Nord- und Ostsee (A 11 und A 24). Eng wird es aber vor allem überall dort, wo Baustellen den Verkehr behindern. Am Dreieck Havelland, auf dem nördlichen Berliner Ring und am Dreieck Schwanebeck könnte es im Osterreiseverkehr nach Einschätzung der ADAC-Experten lange dauern. Dort sollten Autofahrer am Gründonnerstag mindestens 20 Minuten mehr Zeit einplanen. Wer kann, sollte möglichst auf die umliegenden Bundesstraßen ausweichen. Erneuten Staualarm wird der Rückreiseverkehr am Ostermontag und zum Ferienende am 6. und 7. April bringen, dann auf den Einfallstrecken nach Berlin.

Mitten im Osterverkehr sorgt nun auch noch ein neuer Engpass für Verdruss bei den Autofahrern in der Region. Betroffen ist die A 12 östlich von Berlin, ohnehin eine der nervenaufreibendsten Strecken Brandenburgs. Es sind nur 58 Kilometer, die das Autobahndreieck Spreeau und den Berliner Ring mit der polnischen Grenze verbinden. Doch die haben es in sich. Der Waren- und Reise-Verkehr hat seit dem EU-Beitritt Polens um ein Vielfaches zugenommen. Eng ist es fast täglich, und Baustellen verschlimmern die Situation zusätzlich. Seit dieser Woche ist die A 12 wieder so ein Hindernisparcours: In Vorbereitung des sogenannten grundhaften Ausbaus der stark befahrenen Transit-Trasse auf immerhin 17 Kilometern werden Tagesbaustellen auf dem rechten Fahrstreifen in Richtung Grenze eingerichtet. Das gilt auf dem Abschnitt zwischen dem Dreieck Spreeau und der Anschlussstelle Fürstenwalde. Dort gilt durchgehend Tempo 80.

Nach Polizeiangaben suchen in diesem Bereich noch bis Ostern Munitionsexperten das Gelände ab. Zwei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg wurden am Mittwoch nahe der Autobahn gesprengt. Dafür war die A 12 in beide Richtungen für etwa eine halbe Stunde zwischen den Abfahrten Friedersdorf und Storkow (Oder-Spree) gesperrt. Die Blindgänger waren nach Polizeiangaben nicht mehr transportfähig und mussten an Ort und Stelle gesprengt werden.

Behinderungen bis 2018

Durch Bombensuche und Bauvorbereitung steht stellenweise nur ein Fahrstreifen je Richtung zur Verfügung – ein Nadelöhr, durch das Lkw wie Pkw sich quetschen müssen. Schon am Dreieck Spreeau werden aus Richtung Potsdam und aus Richtung des östlichen Berliner Rings wohlweislich Stauwarnanlagen eingerichtet – die dort einige Jahre stehen werden. Denn bis 2018 wird gebaut. Die A 12 bekommt für rund 51 Millionen Euro allerdings nicht etwa eine dritte Fahrspur, sondern lediglich zusätzliche Standstreifen wie schon auf der übrigen Trasse, in die bisher insgesamt 160 Millionen Euro investiert wurden.

Eine tatsächliche Kapazitätserweiterung der Autobahn gibt es nicht. Seit Jahren fordern regionale Verkehrsverbände und Kommunalpolitiker vergeblich einen sechsspurigen Ausbau der Autobahn. Weil das dafür nötige Verkehrsaufkommen und damit der „vordringliche Bedarf“ aber bisher nicht erreicht sind, lehnt die Bundesregierung ab. Die Belastungsgrenze liegt bei 60.000 Fahrzeugen pro Tag.

Staus gehören zum Alltag

Spätestens nach dem Osterfest beginnt der Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen dann mit provisorischen Fahrbahnverbreiterungen, damit während der eigentlichen Bauphase weiterhin zwei – wenn auch verengte – Fahrspuren pro Fahrtrichtung zur Verfügung stehen. Der eigentliche Ausbau soll laut den Planungen des Landesbetriebes erst im nächsten Jahr beginnen. Geplant sind dann drei Bauabschnitte. Die lange Bauzeit bis 2018 begründet der Leiter der Bauüberwachung, Thomas Mattuschka, damit, dass alle Arbeiten bei laufendem Verkehr ausgeführt werden müssen. Deswegen gilt im Baustellenbereich dann durchweg eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Kilometern pro Stunde.

Im Zuge des grundhaften Ausbaus – der Unterbau der A 12 stammt in diesem Abschnitt noch aus den 30er-Jahren – werden auch die Anschlussstellen Storkow und Friedersdorf sowie vier Brücken komplett erneuert. Gebaut wird laut Mattuschka in jedem Jahr lediglich von April bis September. Im Winter sollen wegen der höheren Unfallgefahr freie Fahrbahnen zur Verfügung stehen. Ob diese Vorsichtsmaßnahme jedoch fruchten wird, bleibt abzuwarten. Denn aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens staut es sich auf der A 12 oft schon aus kleinen Anlässen: Ein Pannenauto blockiert die rechte Spur, ein Laster hat Ladung verloren, Personen irren am Fahrbahnrand herum. Schon geht binnen kürzester Zeit – zumindest in eine Fahrtrichtung – nichts mehr. Denn die rechte Spur gehört faktisch den Lastern, die oft Stoßstange an Stoßstange über die Autobahn rollen. Täglich fahren über die wichtigste Ost-West-Transit-Verbindung laut den installierten elektronischen Zählstellen mehr als 30.000 Fahrzeuge, davon rund 10.000 Transporter. Polizisten stöhnen, sie wüssten nicht mehr, wie sie den drastisch gestiegenen Verkehr und die damit verbundenen Gefahren bewältigen sollen. Im Brandenburger Innenministerium denkt man angeblich über ein generelles Tempolimit auf der A 12 nach.

Denn nach Prognosen des Potsdamer Ministeriums wird sich der Verkehr auf der Autobahn zwischen Berlin und Polen bis zum Jahr 2025 nochmals verdreifachen. Die zusätzlichen Standstreifen bieten zumindest drei Meter mehr Platz, damit Autos Hindernissen ausweichen können. Auch Rettungsfahrzeuge können im Ernstfall den Standstreifen nutzen.