BER

„Der Ruf leidet“

Lufthansa-Finanzchefin Menne nennt den BER eine Enttäuschung für die gesamte Branche

Es wurde schon viel Schlechtes über den Flughafen Tegel geschrieben. Passagiere beklagen sich über liegen gebliebenes Gepäck, Piloten über die Enge auf dem Vorfeld und Mitarbeiter über die veralteten sanitären Anlagen. Trotz der offensichtlichen Schwachstellen ist der kleine innerstädtische Flughafen nicht nur bei den Berlinern beliebt. Auch Besucher aus dem Ausland loben regelmäßig die kurzen Wege und wie schnell man vom Taxi ans Gate gelangt.

Ganz anders klingt es, wenn über den neuen Flughafen BER gesprochen wird. Dort lässt sich laut Technikchef Horst Amann ja offenbar nicht einmal das Licht zuverlässig an- und ausschalten. Das Problem soll mittlerweile behoben sein und das Licht nur noch aus Sicherheitsgründen ständig brennen. Doch in der Öffentlichkeit haben solche Aussagen eine verheerende Wirkung.

Längst ist der BER kein regionales Problem mehr, das allenfalls Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in der Wählergunst sinken lässt. Der BER hat für ganz Deutschland zu einem Ansehensverlust geführt. Diesen Eindruck hat zumindest die Finanzchefin der Lufthansa, Simone Menne, gewonnen. Sie kritisierte am Dienstag mit ungewöhnlich deutlichen Worten die Vorgänge rund um den neuen Hauptstadt-Airport. „Ich denke, die Auswirkungen auf Deutschland, auf die Reputation der deutschen Luftfahrtbranche sowie der deutschen Industrie als Ganzem sind nicht gut“, sagte Menne. „Deswegen sind wir sehr enttäuscht.“

Schwierige Planung

Es könne nicht angehen, dass die Eröffnung des BER immer wieder kurzfristig verschoben werde, sagte Menne. „Wir brauchen Planungssicherheit.“ Die direkten finanziellen Folgen für die Lufthansa hielten sich allerdings in Grenzen, sagte die Finanzchefin. „Wir haben dort keine Basis wie Air Berlin.“ Konkurrent Air Berlin will den Standort zu einem Drehkreuz ausbauen, bei dem die Passagiere in Berlin landen und innerhalb kurzer Zeit in ein anderes Flugzeug steigen, um zu ihrem endgültigen Reiseziel zu kommen. Für solch einen Umsteigeverkehr ist Tegel nicht geeignet. Die Air Berlin ist daher wegen der verschobenen Eröffnung des BER vor eine besondere Herausforderung gestellt, da sie das Drehkreuz nun in Tegel aufbauen muss.

Doch auch mit ihren Direktverbindungen ist die Lufthansa in Berlin nicht so zufrieden, wie man sich erhofft hatte. Deutschlands größte Airline hatte das Streckenangebot für die geplante BER-Eröffnung im Juni 2012 stark ausgeweitet. Doch die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Die Airline nimmt daher zum Wechsel auf den Sommerflugplan am 31.März viele Strecken wieder aus dem Programm. Von den 15 in Tegel stationierten Flugzeugen werden zwei Flieger abgezogen. Mehrere Ziele wie etwa Manchester oder Lyon fallen weg. Auf anderen Strecken wie etwa nach Mailand oder Paris wird die Zahl der Flüge verringert.

Gestrichene Ziele

Für den BER hatte die Lufthansa im vergangenen Juni ihr Streckenangebot von zehn auf 39 Ziele erhöht. So einen großen Ausbau auf einen Schlag hatte es bei der Lufthansa zuvor noch nie gegeben. Nun fällt insgesamt etwa die Hälfte des Zuwachses wieder weg. Nur wenige der gestrichenen Ziele werden durch typische Urlaubsziele wie Ibiza und Menorca ersetzt. Offenbar läuft der touristische Reiseverkehr in Berlin besser als Geschäftsreisen.

Auch nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, leidet der Ruf der deutschen Flughäfen unter dem BER-Debakel. „Die deutschen Flughäfen sind im Ausland hoch angesehen. Die Umsteigezeiten sind kurz, der Service funktioniert zuverlässig“, so Beisel. Aus diesem Grund seien deutsche Flughafengesellschaften als Investor oder Berater „sehr gefragt“, wenn irgendwo auf der Welt ein neuer Flughafen gebaut werde. „Dieser hervorragende Ruf leidet unter den anhaltenden Problemen am BER“, sagte Beisel.

Die Kunden würden daher zunehmend kritische Fragen stellen und die Ursachen für die Bauverzögerung und den Kostenanstieg am BER wissen wollen, so der Verbandschef. Im Vergleich zu anderen Flughäfen im Ausland sei es zwar durchaus nicht ungewöhnlich, dass sich die Eröffnung verschiebt und der Bau teurer wird als geplant, so Beisel. Doch genau so etwas habe man eben beim neuen Hauptstadtflughafen nicht erwartet.