Kriminalität

Die Einbrecher kommen mitten am Tag

5228 Wohnungseinbrüche gab es im vergangenen Jahr in Brandenburg – 17 Prozent mehr als 2011

– Die schmucken Einfamilienhäuser in Kleinmachnow südwestlich von Berlin wie auch im havelländischen Falkensee ziehen Einbrecher wie magisch an. Die Täter kommen immer häufiger tagsüber, wenn die Besitzer außer Haus sind. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) sagte am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik: „Von den 5228 Diebstählen aus Wohnungen und Einfamilienhäusern wurden 1965 zwischen 6 und 21 Uhr begangen.“ Das sind 37 Prozent. Im Jahr 2011 machten die Tageswohnungseinbrüche noch 31 Prozent aus.

Auch die Gesamtzahl von 5228 Wohnungseinbrüchen im Land Brandenburg im Jahr 2012 ist ein Anstieg um 17 Prozent zum Vorjahr. Die Dunkelziffer liegt bei Null: Wohnungseinbrüche würden zu 100 Prozent angezeigt, sagte Innenminister Woidke – wegen der Versicherung. Allein in der Landeshauptstadt Potsdam registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 341 Einbrüche in Wohnungen und Häuser. Im Jahr davor waren es 310.

Der Innenminister kündigte an, dass die Polizei einen Schwerpunkt bei der Aufklärung setzen werde. Zahlen liegen vor. „15 Prozent der erwischten Täter kommen aus dem Ausland. Der überwiegende Teil der Einbrecher ist deutscher Nationalität“, sagte Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring. Dass ausschließlich ausländische Diebesbanden ihr Unwesen treiben würden, sei falsch.

Da Brandenburg nicht vom Berliner Trend abgekoppelt sei, hätten Polizeibehörden aus Berlin und Brandenburg vor neun Jahren eine Gemeinsame Ermittlungsgruppe (GEG) gebildet. „Bei Ermittlungsverfahren können Berliner Beamte so schnell über die Ländergrenze hinweg agieren“, erklärte GEG-Chef Michael Giehl.

Seine Einheit besteht aus 14 Beamten, die sich hauptsächlich der Aufklärung von Eigentumsdelikten verschrieben hat. Von 2005 bis 2011 hat die GEG rund 1860 Delikte aufgeklärt und 61 Täter hinter Schloss und Riegel gebracht. Auch ganzen Einbrecherbanden hat die GEG das Handwerk gelegt. Vor einem Jahr schnappte die Gruppe eine deutsch-osteuropäische Bande, die für 43 Einbrüche in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein verantwortlich gemacht wurde. Insgesamt soll die Bande einen Schaden von 182.000 Euro angerichtet haben. Drei Bandenmitglieder sitzen ein, drei sind noch auf der Flucht.

Der Schwerpunkt der gemeinsamen Ermittlungsgruppe im Jahr 2012 waren Einbrüche in Einfamilienhäuser. Sie ermittelten in 445 Fällen der banden- und gewerbsmäßigen Eigenkriminalität, was zu 23 Festnahmen und 24 Haftbefehlen führte. Dennoch sank die Aufklärungsquote bei den Wohnungs- und Hauseinbrüchen von 53,2 Prozent im Jahr 2004 auf 36,9 Prozent in den vergangenen beiden Jahren. Die Bundestagsabgeordnete und Potsdamer CDU-Vorsitzende Katherina Reiche sieht daher die Sicherheitslage im Umland und in Potsdam gefährdet. „Das Problem muss endlich ernst genommen werden“, sagte sie am Freitag. „Spätestens jetzt sind SPD und Linke angehalten, die Fehler beim Personalabbau der Polizei zu korrigieren“. Die Bürger hätten ein Recht auf den Schutz ihres Eigentums, so Reiche weiter. „Die Ignoranz muss endlich aufhören.“

Zurückgegangen ist die Zahl der Brandstiftungen um 266 Fälle auf 1591. Trotzdem sagt Polizeipräsident Feurig: „Brandenburg ist das Land der Brandstifter.“ Nirgendwo sonst im Bundesgebiet würden so viele Brände gelegt.

Insgesamt ist in der Kriminalstatistik 2012 ein Rückgang der Straftaten auf rund 195.000 Fälle registriert, 2518 Fälle weniger als 2011. Laut Ministerium ist dies der niedrigste Wert seit 1994. Die Aufklärungsquote im Land ist leicht auf 53,3 Prozent gestiegen, die Polizei ermittelte 68.497 Tatverdächtige.

In einigen Bereichen sind die Straftaten aber deutlich gestiegen. Die Zahl der Unterschlagungen (5176) hat laut Ministerium um 41,3 Prozent zugenommen, es gab 4,3 Prozent mehr Betrugsfälle (27.263). Seit 2004 ist eine Verdoppelung der Zahlen bei der Internetkriminalität festzustellen. 2012 wurden 10.907 Fälle registriert, 2011 waren es 9454.

Auch hat es in Brandenburg 2011 wieder mehr rechtsextremistische Gewalt gegeben. Die Polizei registrierte 58 Gewaltstraftaten der Szene – 22 Fälle mehr als 2011. Die rechte Szene fiel verstärkt durch Beleidigungen, Sachbeschädigungen oder Propagandadelikte auf. Woidke sagte, die Bekämpfung des Rechtsextremismus müsse ein Schwerpunkt bleiben.