Sanierungspläne gefordert

Mieterverein fordert Aufklärung über Asbest in Wohnungen

Städtische Unternehmen sollen Sanierungspläne aufstellen

Der Berliner Mieterverein schätzt die Zahl der mit Asbest-Bodenplatten belasteten Wohnungen auf rund 70.000. Er zweifelt damit die Angaben der Wohnungsbauunternehmen im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses an. „Bei den jetzt genannten 48.000 handelt es sich ja nur um die städtischen. Doch auch in den Häusern der Privatwirtschaft wurde Asbest verbaut, vorwiegend in den 50er- bis 70er-Jahren“, sagte der Geschäftsführer des Mietervereins Reiner Wild.

Wild fordert, den „fahrlässigen Umgang mit asbestverseuchten Fußböden in Wohnungen endlich zu beenden“. Die Mieter seien „massiv verunsichert“ und zu Recht beunruhigt. Vermieter seien bislang nicht sorgsam genug mit dem Thema Asbest umgegangen. Seit Ende 1992 sei der Baustoff verboten. Die Mieter hätten längst darüber aufgeklärt werden müssen, ob in ihren Wohnungen solche Platten liegen, schon bei der Vermietung habe darauf hingewiesen werden müssen. „Die Vermieter der städtischen Wohnungen wissen doch ganz genau, wo die Platten drin sind. Das Problem wurde zu lange unter der Decke gehalten. Wir brauchen dringend einen Sanierungsplan“, so Wild weiter.

Der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen hatte in einer Anhörung im Abgeordnetenhaus vor einer Panikmache gewarnt. Unbeschädigte Bodenplatten würden für Mieter keine Gefährdung bedeuten. Das habe auch das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit in einem Merkblatt klargestellt. Deshalb bestehe für solche Platten auch kein gesetzliches Ausbaugebot. Der Mieterverein aber geht von einem grundsätzlichen Gesundheitsrisiko bei asbesthaltigen Fußbodenplatten aus. Durch Alterung und Nutzung würden Beschädigungen an den Platten wahrscheinlich, die zur Freisetzung von Asbestsporen führen könnten.

Rücklagen für Schadenersatz

Eine Faser, die in die Lunge komme, stelle bereits eine Gesundheitsgefahr dar, betont Wild. „Jetzt muss endlich Schluss gemacht werden mit Vertuschung und Ignorierung durch die Vermieter und Gebäudeeigentümer“, verlangt er. Der Berliner Senat müsse bei den städtischen Wohnungsunternehmen dafür sorgen, dass alle betroffenen Mieter umgehend persönlich mit einem Informationsblatt über die möglichen Risiken in ihrer Wohnung informiert würden, so Wild. Dabei seien die Mieter auf mögliche Schadenersatzansprüche hinzuweisen. Dafür sollten die Unternehmen Rücklagen bilden. Innerhalb von drei Monaten sollten alle städtischen Wohnungsunternehmen verbindliche Sanierungspläne aufstellen, die den Mietern mitgeteilt werden sollen. Bei den privaten Gebäudeeigentümern müssten die bezirklichen Aufsichtsämter tätig werden, sobald sie von Mietern über beschädigte Platten informiert würden. Falls der Vermieter die Platten nicht austauscht, sollten es die Ämter per Ersatzvornahme machen, fordert der Mieterverein.

Das Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf informierte am Freitag ebenfalls, dass der Vermieter Abhilfe schaffen muss, wenn gesundheitliche Risiken von beschädigten Baumaterialien in der Wohnung ausgehen. Diese Ansprüche müssten aber privatrechtlich zwischen Mieter und Vermieter geklärt werden, das Gesundheitsamt könne dabei nicht helfen.

Die Gefährdungsanalyse des Amtes ersetze auch kein Fachgutachten, wie es bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung erforderlich sei, teilte Gesundheitsstadtrat Carsten Engelmann (CDU) mit. „Asbest wurde im Bau als hitzebeständiges Baumaterial verwendet und besteht aus Mineralfasern. Werden diese Baumaterialien durch mechanische Beschädigung oder Feuchtigkeit porös, können Stäube, die kleinste Asbestfasern enthalten, freigesetzt werden. Die gesundheitliche Beeinträchtigung durch frei werdende Asbestfasern ist unbestritten“, so der Stadtrat weiter. Hätten Bürger den Verdacht auf ein Risiko durch Asbest, könnten sie sich durch ihr zuständiges Gesundheitsamt beraten lassen. In Charlottenburg-Wilmersdorf sei im Gesundheitsamt ein Ansprechpartner unter Tel. 90 29-160 47 erreichbar.