Tiere

„Nach vier Stunden lugte die Schnauze aus der Erde“

Dackel Fox hatte sich in einem Dachsbau verirrt. Vier Stunden musste nach ihm gegraben werden

Ungewöhnlicher Einsatz für das Technische Hilfswerk: Weil ein Dackel am Sonntag in acht Meter Tiefe in einem Dachsbau verschwunden ist, hat die Gemeinde Schönefeld die Einsatzkräfte des THW um Amtshilfe gebeten. Mit zwei Bergungsteams samt Ausrüstung machten sich die Helfer an die Arbeit. Nach vier Stunden konnten sie den Hund freischaufeln. Die Besitzerin hatte zuvor ein Schreiben unterzeichnet, dass sie die Kosten des Einsatzes trägt.

Das Frauchen und sein Hund waren am Sonntagnachmittag in einem Wald in Großziethen unterwegs, als der Dackel plötzlich in einen Dachsbau kroch und nicht mehr auftauchte. Die Besitzerin alarmierte daraufhin die Feuerwehr, die mit zehn Einsatzkräften der freiwilligen Feuerwehr Großziethen anrückte. Mithilfe eines Sensors, den der Hund am Halsband trug, konnten die Retter zwar schnell feststellen, wo sich das Tier befand. Demnach hatte es sich etwa acht Meter unter der Erde verirrt. Es fehlte nach Angaben von Schönefelds Bürgermeister Udo Haase jedoch das erforderliche Werkzeug, um den Dackel zu befreien.

Da der Besitzerin die Rettung ihres Hundes sehr am Herzen lag und sie signalisierte, auch für eine aufwendige Rettungsaktion aufkommen zu wollen, entschieden sich die Einsatzkräfte unter Beratung mit dem Ordnungsamt dafür, das Technische Hilfswerk in Lübben um Hilfe zu bitten. „Mein Assistent hat das alles koordiniert“, sagte Haase am Montag. Die Besitzerin sicherte zu, die vollen Kosten zu übernehmen. Um 17.45 Uhr ging der Notruf beim THW ein. Insgesamt 13 Helfer fuhren daraufhin nach Großziethen. Der Zugführer verschaffte sich zunächst mithilfe der Angaben der Feuerwehr einen Überblick über die Situation, bevor er seinen Männern Anweisungen gab. Da sich der Hund so tief in der Erde befand, wurde auch kurzfristig über den Einsatz eines Baggers nachgedacht. „Das hielten wir jedoch für unverhältnismäßig“, sagte THW-Mitarbeiter Ronny Schulz, der den Einsatz von Lübben aus koordinierte.

Mit schweren Schaufeln fingen die Helfer jetzt an, nach dem Hund zu graben. „Damit sich der Hund nicht aus Angst noch mehr in eine Richtung zurückziehen konnte, haben wir an mehreren Stellen gleichzeitig gegraben“, so Schulz. Zwischenzeitlich war der Dachsbau an einigen Stellen eingestürzt, was die Arbeit der Einsatzkräfte erschwerte. Durch das Ortungsgerät der Besitzerin konnten sie jedoch die ganze Zeit den Aufenthaltsort des Hundes fixieren.

Hundebesitzerin zahlt Einsatz

„Nach vier Stunden lugte auf einmal die Schnauze des Hundes aus der Erde“, sagte Schulz am Montag. Zu dem Zeitpunkt habe sich der Hund nur noch einen Meter unter der Erde befunden. Offenbar hatte er sich selbst langsam nach oben gekämpft. Das Tier sei verängstigt, sonst aber wohlauf gewesen. Die THW-Mitarbeiter hätten den Hund der Besitzerin übergeben, die sehr erleichtert gewesen war. Bis seine Kollegen den Einsatzbericht geschrieben, getankt und die Fahrzeuge zurückgebracht hätten, sei es zwei Uhr gewesen. Was die Kosten des Einsatzes betrifft, wird sich das THW nach Angaben von Schulz an die Gemeinde Schönefeld wenden. Die wiederum wird das Geld von der Hundebesitzerin eintreiben. Es sei üblich, dass der Hundehalter in solchen Fällen die Kosten trage, sagt Bürgermeister Udo Haase. Schließlich sei die Rettung nicht die originäre Aufgabe der Feuerwehr. „Wir erheben regelmäßig solche Kosten, weil in unserer Region ständig Hunde und Katzen gerettet werden müssen“, so der Bürgermeister. Dass das THW in eine Tierrettung einbezogen wird, ist laut Ronny Schulz jedoch ein absoluter Ausnahmefall.

Wie teuer der Einsatz gewesen ist, ist noch unklar. Das könne man erst in ein paar Tagen berechnen, sagte Haase. „Wenn es um seinen Hund geht, spielt das auch keine Rolle“, findet der Bürgermeister. Im Vordergrund stehe zurzeit die Freude, dass der Hund gefunden wurde.

Billig dürfte der Einsatz nicht gewesen sein. Erst kürzlich hat die Berliner Innenverwaltung die Rechnung für eine ähnlich aufwendige Rettungsaktion mit dem Ergebnis überprüft, dass die Halter eines Terriers nun rund 14.000 Euro zahlen müssen. Die Feuerwehr hatte zunächst rechtliche Zweifel an der Höhe der Summe gehabt und die Rechnung deshalb an die Senatsverwaltung übersandt. Dort kamen die Juristen zu dem Schluss, dass es keinen Ermessensspielraum gebe und die Halter für die volle Summe aufkommen müssten.

Haftpflichtversicherung hilft nicht

In dem Fall vom November vergangenen Jahres hatte sich der Hund bei einem Waldspaziergang losgerissen und war samt Leine davongerannt. Noch bevor die Besitzer etwas unternehmen konnten, verschwand der Terrier im Tegeler Forst in einem nahe gelegenen Dachsbau und kam auch auf mehrfaches Rufen nicht wieder hervor.

Später stellte sich heraus, dass sich der Hund mit seiner Leine verfangen hatte und nicht selbstständig befreien konnte. Die Feuerwehr rückte zunächst mit einer Staffel an und begann, nach dem Hund zu graben. Im Gegensatz zum aktuellen Fall aus Brandenburg wussten die Einsatzkräfte jedoch nicht genau, wo unter der Erde sich der Hund befand. Nach einer Weile forderten die Retter Verstärkung an, weil das infrage kommende Gelände zu groß war. Insgesamt 20 Einsatzkräfte gruben daraufhin nach dem Terrier. Nach acht Stunden stießen sie auf das inzwischen ziemlich verängstigte Tier und übergaben es den Besitzern. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks schütteten den Dachsbau anschließend wieder zu.

Die Kosten von Feuerwehreinsätzen richten sich nach der offiziellen Feuerwehrbenutzungsgebührenordnung. Vor der Kostenübernahme aufwendiger Rettungsaktionen können sich Hundehalter übrigens außer durch Anleinen nicht schützen. Denn eine Hunde-Haftpflichtversicherung gilt nur für Schäden, die der Hund einem Dritten zufügt. Feuerwehreinsätze zur Rettung des Tieres sind dabei nicht inbegriffen.