Potsdamer Innenstadt

Die Planen fallen

Vom Landtagsneubau bis zum Start für die Garnisonkirche: Die Arbeiten an der Potsdamer Innenstadt kommen voran

– Das Bild der Potsdamer Innenstadt wandelt sich. Zum Frühjahr sollen zunächst am neuen Landtag die Planen fallen. Der prestigeträchtige Bau nach historischem Vorbild mit der Stadtschloss-Fassade am Alten Markt könnte noch in diesem Jahr fertig gestellt sein. Auch der Wiederaufbau der Garnisonkirche kann beginnen. Der Bauantrag der Stiftung unter Altbischof Wolfgang Huber liegt bereits bei der Stadtverwaltung. Auf dem Wohnungsmarkt geht es ebenfalls voran: Im Zentrum sind in den nächsten Jahren rund 3500 Wohnungen für rund 7000 Menschen geplant – sie entstehen in der Speicherstadt, am Brauhausberg und rund um die Heinrich-Mann-Allee. Die Berliner Morgenpost stellt die wichtigsten Projekte in der Potsdamer Innenstadt vor.

Landtagsneubau

Der neue Landtag mit der historischen Stadtschloss-Fassade am Alten Markt könnte womöglich noch in diesem Jahr bezugsfertig werden. Zumindest hält Finanzminister Helmuth Markov (Linke) dies für möglich. Eigentlich sollte das Gebäude bereits im Frühjahr bezugsfertig sein. Doch archäologische Grabungen und spätere Umplanungen verzögern die Fertigstellung. Der Generalunternehmer BAM brachte wegen der Streitigkeiten mit dem Land um Änderungswünsche und höhere Kosten Mai 2014 ins Gespräch. Der Landtag könnte bis zu 18,5 Millionen Euro teurer werden als geplant. 120 Millionen Euro waren vorgesehen, mehr als 20 Millionen Euro spendete der Software-Milliardär Hasso Plattner für historische Fassade und Kupferdach. Wann der DDR-Plattenbau abgerissen wird, steht noch nicht fest. Darin ist die Fachhochschule untergebracht.

Alte Fahrt

In diesem Jahr soll mit den Bauarbeiten an der Alten Fahrt begonnen werden. Nach den Beschlüssen der Stadtverordneten ist entlang der künftigen Humboldt- und Brauerstraße ein Leitbau vorgesehen: der Palast Barberini. Er soll an der Humboldtstraße mit dem fünfachsigen Mittelrisalit und seinen vierachsigen Flügelbauten möglichst originalgetreu aufgebaut werden. Insgesamt sind in der Potsdamer Mitte sieben Leitfassaden geplant, darunter der Palazzo Pompei, der Palazzo Chiericati und das Acht-Ecken-Haus an der Schwertfegerstraße. An der hinter dem Palast Barberini beginnenden Brauerstraße sind drei neue Gebäude vorgesehen, aber ohne historische Vorgaben. Baugenehmigungen werden so schnell wie möglich erteilt, verspricht die Stadtverwaltung. Bislang ist aber erst ein Antrag gestellt worden – für die Brauerstraße 3. Dort soll ein Vorderhaus und auf der Havelseite ein Gartenhaus in moderner Architektur mit Wohnen entstehen.

Garnisonkirche

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche könnte in diesem Jahr beginnen. Vorausgesetzt, Stiftung und Fördergesellschaft erhalten genügend Spenden für den ersten Bauabschnitt. „Der Start 2013 ist ein ehrgeiziges Ziel“, sagt Stiftungsvorstand Martin Vogel.

Läuft alles wie geplant, könnte der Turm mit der Kapelle im Sockelgeschoss 2017 fertig sein. Der Bauantrag für den ersten Bauabschnitt ist gestellt. Für knapp 40 Millionen Euro soll der fast 90 Meter hohe Turm mit den Seitenschiffen und einer Kapelle im Turm wieder aufgebaut werden. Besucher sollen von einer Aussichtsplattform Potsdam überblicken können. Die Gestaltung der Kapelle ist noch strittig. Die Stiftung bevorzugt den Entwurf des Planungsbüros Hilmer & Sattler und Albrecht mit einer 16 Meter hohen Kapelle. Viele Mitglieder der Fördergesellschaft sind für einen flacheren Raum.

Bildungsforum am Platz der Einheit

Das Gebäude am Platz der Einheit ist komplett entkernt worden. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten soll es voraussichtlich im August als Bildungsforum neu eröffnet werden. Stadt- und Landesbibliothek ziehen ein. Auch die Volkshochschule wird ab den Sommerferien hier einen neuen Platz finden. Die Arbeiten auf der Wissenschaftsetage im vierten Stock laufen noch. Dort sollen mit Unterstützung des Landes die wissenschaftlichen Einrichtungen präsentieren. Dazu gehören das Geoforschungszentrum, die Universität und die Fachhochschule. Das Projekt wurde zusammen mit dem Verein „Pro Wissen“ gestartet. Die Bauarbeiten hatten im August 2010 begonnen, Mitte 2012 wurden die Rohbau- und Fassadenarbeiten abgeschlossen. Gesamtkosten: 11,3 Millionen Euro, 6,5 Millionen Euro vom Land.

Brauhausberg

Im März werden die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs zur Gestaltung des Brauhausbergs unweit des Hauptbahnhofs vorgestellt. Auf dem Hügel sollen rund 150 bis 200 hochwertige Wohnungen entstehen. Die Anzahl der Häuser wird von den Ergebnissen des Wettbewerbs abhängen. Einer Bürgerumfrage zufolge will die Mehrheit der Potsdamer, dass ein neues Schwimmbad gebaut wird. Bis Herbst will die Stadt einen Generalplaner finden. Demnächst soll sich auch entscheiden, was mit dem bisherigen Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg passiert, nachdem das Parlament an den Alten Markt gezogen ist.

Die Speicherstadt

An der Havel in der historischen Speicherstadt ist gehobenes Wohnen geplant. Im mittleren Teil will die Groth-Gruppe ein exklusives Viertel mit 259 Eigentums- und Mietwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern von 60 bis 190 Quadratmetern entstehen lassen. Im August 2011 war Baubeginn, die ersten Wohnungen sollen im November 2013 fertig sein, die letzten im Juni 2014. Die historische Speicherstadt liegt in der Templiner Vorstadt am Fuße des Brauhausberges, zwischen der Leipziger Straße und dem südlichen Havelufer. Im südlichen Teil hat die Prinz von Preußen AG die historischen Speichergebäude denkmalgerecht hergerichtet – den Hampel-Schinkel-Speicher, ein ehemaliges Getreidemagazin aus dem Jahr 1834/35, sowie den Persiusspeicher. Die städtische Pro Potsdam will nun noch den nördlichen Teil verkaufen. Es stehen bereits interessierte Investoren bereit, sagt ein Sprecher.

Wohnquartier Nikolaigärten

Der Berliner Entwickler und Bauträger Artprojekt will im April mit dem Bau von 14 Stadthäusern und 36 Wohnungen mit Tiefgarage in der Innenstadt beginnen. Das exklusive Wohnquartier „Nikolaigärten“ soll zwischen Yorkstraße, Dortustraße, Charlottenstraße und Wilhelm-Staab-Straße entstehen, direkt hinter dem Nikolaisaal. „Eine grüne Lunge mitten in der Altstadt“, sagt Geschäftsführer Thomas Hölzel. Ende der Arbeiten voraussichtlich im Herbst 2014. Das Unternehmen hat dafür ein rund 6000 Quadratmeter großes Areal erworben. Die als moderne Townhäuser konzipierten Einfamilienhäuser mit sechs bis sieben Zimmern und gehobener Ausstattung werden über Wohnflächen zwischen 145 und 180 Quadratmeter verfügen. Die Eigentumswohnungen sollen zwei bis sechs Zimmer haben und zwischen 49 bis 188 Quadratmeter groß sein. Gedacht sind sie vor allem für Familien.