Bauprojekt

Bolfras-Haus wird wieder aufgebaut

Europäische Union beteiligt sich mit 3,7 Millionen Euro. Gemeinsames Projekt der Städte Slubice und Frankfurt

Was den Berlinern ihr historisches Stadtschloss und den Potsdamern ihre Garnisonkirche, ist den Frankfurtern das Bolfras-Haus. Alle drei Bauwerke wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, später abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Und für alle drei Bauten gibt es Wiederaufbaupläne.

Die Pläne für das ehemalige Frankfurter Wohn- und Geschäftshaus im einstigen Stadtzentrum sollen schon ab Februar umgesetzt werden. Die Europäische Union hat Anfang des Jahres rund 3,7 Millionen Euro Fördermittel bewilligt und trägt damit 85 Prozent der Baukosten. Im Erdgeschoss wollen die Partnerstädte Frankfurt und Slubice eine deutsch-polnische Tourismusinformation einrichten, einen repräsentativen Standort ihrer engen Zusammenarbeit. Zwar war das im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil umgebaute Bolfras-Haus nicht so prunkvoll wie etwa Stadtschloss oder Garnisonkirche, für Frankfurt aber war das Gebäude mit dem charakteristischen runden Erker und dem auffälligen Zwiebeltürmchen durchaus markant.

Repräsentative alte Bürgerhäuser finden sich nur noch auf alten Postkarten und historischen Fotos. Durch die erbitterten Kämpfe zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die steinerne Vergangenheit der ehemaligen Garnisonsstadt fast völlig ausgelöscht. In Schutt und Asche fiel während der Bombardierung am 22. April 1945 auch eines der auffälligsten Gebäude am Marktplatz der Oderstadt, in unmittelbarer Nähe von Rathaus und Marienkirche. Obwohl es schon so lange nicht mehr steht, weiß nahezu jeder Frankfurter, wie der nach seinem Schöpfer, dem Ratsherren Michael Bolfras, benannte Viergeschosser ausgesehen hat. Denn seit gut 14Jahren prangt das einst markante Eck-Bauwerk als detailgetreue Illusionsmalerei am historischen Standort, ziert den Giebel des heute dort stehenden Hauses aus den 50er-Jahren.

Zu verdanken ist diese visuelle Erinnerung dem Künstler Christoph Neubauer, der sich als gebürtiger Frankfurter einen Namen damit gemacht hat, die kriegszerstörte Vergangenheit in Bildern und 3D-Aufnahmen wieder aufleben zu lassen. Inzwischen ist er auch bundesweit bekannt – durch seine digitale Rekonstruktion der Berliner Reichskanzlei.

Neubauers täuschend echte Illusionsmalerei des Bolfras-Hauses hat nun allerdings ausgedient. Die letzten Mieter sind inzwischen aus dem 50er-Jahre-Wohnblock ausgezogen, der von diesem Monat an abgerissen werden soll. Einen Monat später werden laut Plan die alten, historischen Fundamente des Bolfras-Hauses freigelegt. „Mit dem Wiederaufbau beider Objekte gewinnen Frankfurt und Slubice an Attraktivität“, ist Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke überzeugt. Er hatte schon vor Jahren die Idee für das Projekt, als er noch nicht Stadtoberhaupt, sondern Chef des Investorcenters Ostbrandenburg war. Doch die Wiederaufbaupläne wurden zwischenzeitlich immer wieder auf Eis gelegt – zu gering erschienen die Aussichten auf Fördermittel, auf die die chronisch klamme Oderstadt dabei angewiesen ist. Vor gut zwei Jahren jedoch gab es schließlich Signale aus der Potsdamer Landesregierung, das Projekt über Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (Efre) unterstützen zu wollen.

Deutsch-polnisches Projekt

Das Projekt wäre kein deutsch-polnisches und ergo kein förderfähiges für die Europäische Union, wenn es nicht auf beiden Seiten der Oder stattfinden würde. Deswegen gehört dazu auch der Wiederaufbau des einstigen Kleist-Turmes, der auf einer Berghöhe nahe Frankfurts Dammvorstadt östlich des Flusses stand. Errichtet worden war der Aussichtsturm ab 1891 mit Spenden von Frankfurter Bürgern und zum Gedenken an die Schlacht von Kunersdorf in unmittelbarer Nachbarschaft, bei der der Dichter und preußische Offizier Ewald von Kleist tödlich verletzt worden war.

Im Frühjahr 1945 zerstörten deutsche Soldaten den Backstein-Turm bei ihrer Flucht vor der Roten Armee. Seine Trümmer liegen noch heute hinter dem Slubicer Stadion.

Nun scheint alles in trockenen Tüchern, wie Boris Töppe, Geschäftsführer der Frankfurter Wohnungswirtschaft, bestätigt. In ihrer Regie wird der Wiederaufbau ab dem Frühjahr laufen. Doch auch jetzt, unmittelbar vor dem Start, ernten die Stadtväter von Frankfurt und Slubice nicht nur Zustimmung. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird in der Bevölkerung infrage gestellt. Das Geld sollte lieber in dringendere „Baustellen“ wie die Infrastruktur investiert werden, meinen Kritiker. Und auch die Auslastung durch Vermietung zweifelt so mancher an. Glaubt man Frankfurts Baudezernent Markus Derling, so gibt es für 60 Prozent des Bolfras-Hauses bereits eine Nutzung. Neben der Tourismusinformation im Erdgeschoss soll ein Hansesaal entstehen, der an Frankfurts Mitgliedschaft in dem im Mittelalter begründeten Städtebund erinnern wird. Ferner sind Büros im Sinne der deutsch-polnischen Kooperation geplant. Wohnen können Frankfurter nicht wieder im repräsentativen neuen Bolfras-Haus – diese Nutzung würde den Förderzwecken widersprechen.