Sanierungsbedarf

Millionen für Preußische Schlösser

Der Bund, Berlin und Brandenburg stellen Sonderinvestitionen bereit

Auf dem Dachboden des Schlosses Charlottenburg gibt es sehr viele Türen ohne Raum. Türen, durch die einst Könige und Prinzessinnen schritten und die nun einfach so, ihrer Funktion beraubt, an die Wand gelehnt herumstehen. Sie sind nicht sicher genug. Mangelnder Brandschutz. Auch ein paar ausrangierte Heizungsrohre und völlig funktionslose Kabel liegen herum. Außerdem gibt es große Probleme mit der Luftfeuchtigkeit, die das Holz und die Scharniere beschädigt. Das soll nun anders werden.

„Guter und solider Sockel“

Das Schloss Charlottenburg gehört zu einem der Projekte, die vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg mit dem Sonderinvestitionsprogramm, kurz: Masterplan, vor dem Verfall geschützt werden soll. Dieser Masterplan sieht vor, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) Berlin-Brandenburg bis zum Jahr 2017 insgesamt rund 155 Millionen Euro in die Rettung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. „Das ist ein guter und solider Sockel, der uns in den nächsten Jahren die Arbeit enorm erleichtern wird“, sagte der Generaldirektor der SPSG, Hartmut Dorgerloh bei seiner Jahrespressekonferenz.

Zu den schützenswerten Kulturgütern gehören neben dem Schloss Charlottenburg unter anderem auch das Neue Palais in Potsdam, Schloss Babelsberg und das Schloss Rheinsberg. Der Bund steuert 77,5 Millionen Euro zu dem Masterplan bei, das sind rund 50 Prozent, das Land Brandenburg investiert 53 Millionen Euro und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro. Detlef Fuchs, Kustos für Architektur und Denkmalpflege der SPSG, sagte, dass die Restaurateure sich oft in einem Konflikt befänden – zwischen dem Bedürfnis, das historische Potenzial eines Gebäudes zu erhalten und es gleichzeitig energieeffizient und sicher zu erneuern. „Wir versuchen hier, auch vieles von der alten Technik zu bewahren, sofern sie einem konzeptionellen Konzept folgte.“ Es ginge nämlich nicht nur um eine Hüllensanierung, sondern auch um das Innere und die Seele eines Gebäudes. „Auch, wenn man das nicht gleich auf den ersten Blick sieht“, so Fuchs weiter.

Der Masterplan kann aber Weitem nicht alle Probleme der Berliner und Brandenburger Schlösser und Garten lösen. Der ungedeckte Sanierungsbedarf liege bei rund einer halben Milliarden Euro, räumt Generaldirektor Dorgerloh ein. „Aber wir werden uns um eine Anschlusslösung kümmern. Wie auch immer die aussehen wird“, fügt er hinzu.

Ob es eine Tourismusabgabe oder Parkeintritt für Sanssouci in Potsdam geben wird, ist momentan noch unklar. Ein konditionierter Beschluss des Stiftungsrates sieht vor, dass die Stadt Potsdam entweder bis zum 31. Juni 2013 erklärt, für die nächsten Jahre mindestens eine Million Euro für die Pflege der Gärten zur Verfügung zu stellen – oder es werde zum Saisonbeginn 2014 ein obligatorischer Parkeintritt eingeführt. „Wie hoch der sein wird, können wir nicht sagen. Wir warten erst mal die Entscheidung aus Potsdam ab“, so Dorgerloh.

Deutlich mehr Besucher

Im vergangenen Jahr kamen mehr Besucher in die Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg. Mehr als zwei Millionen Gäste habe man gezählt, das sei eine Steigerung um gut 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders viele Besucher habe die Ausstellung „Friederisiko“ angelockt. Insgesamt 350.000 Interessierte kamen dazu ins Neue Palais in Potsdam, wo die Schau aus Anlass des 300. Geburtstages von Friedrich II. präsentiert wurde.

In Berlin waren vor allem das Schloss Charlottenburg und der wiedereröffnete Neue Pavillon Besuchermagneten. Bis 2016 sollen die Arbeiten am Schloss Charlottenburg abgeschlossen sein. Dann strahlt es wieder, innen und außen.