Warnstreik

Chaos im Berufsverkehr in Potsdam

Streik im Nahverkehr und Staus auf den Straßen

Mit einem knapp sechsstündigen Warnstreik hat die Gewerkschaft Ver.di am Freitagmorgen den öffentlichen Nahverkehr in Potsdam nahezu lahmgelegt. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich alle Bus- und Bahnfahrer in der Landeshauptstadt an dem Ausstand. Fahrgäste berichteten lediglich von vereinzelten Streikbrechern. Bestreikt wurde der Busverkehr auch in kleineren Städten im Potsdamer Umland, etwa in Beelitz und in Werder (Havel). Ver.di hatte alle Beschäftigten der städtischen Verkehrsbetriebe ViP, der Havelbus Verkehrsgesellschaft und der Beelitzer Verkehrs- und Servicegemeinschaft von drei Uhr an aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Nach Angaben von Ver.di-Verhandlungsführer Jens Gröger nahmen die Mitarbeiter gegen 8.45 Uhr die Arbeit wieder auf. Vor allem in Potsdam sorgte der Streik für ein Chaos im morgendlichen Berufsverkehr. Weil viele Pendler auf ihr Auto umstiegen, kam es zu langen Staus auf den Straßen.

Viele Nutzer von Bussen und Bahnen ärgerten sich vor allem, weil der Streik sie nahezu ohne Vorwarnung traf. Erst mit Beginn des Ausstands um drei Uhr informierte Ver.di die Bevölkerung offiziell über die geplante Aktion. Am Donnerstagabend hatte die Gewerkschaft die betroffenen Verkehrsunternehmen in Kenntnis gesetzt. Ver.di-Mann Gröger warb trotzdem um das Verständnis der Fahrgäste. „Wir wollen nicht die Kunden treffen, sondern Druck auf die Arbeitgeber machen“, sagte der Ver.di-Verhandlungsführer. Mit einer längeren Vorwarnfrist würde diese Wirkung aber verpuffen, weil die Arbeitgeber dann genügend Zeit hätten, einen Ersatzverkehr zu organisieren.

Der Kommunale Arbeitgeberverband, der die Verkehrsbetriebe in den Tarifverhandlungen für die etwa 3500 Beschäftigten vertritt, reagierte mit Unverständnis und verwies auf die laufenden Verhandlungen. „Es besteht überhaupt keine Not, Warnstreiks auf dem Rücken der Bevölkerung auszutragen“, sagte Geschäftsführer Klaus-Dieter Klapproth. Hintergrund des Streits sind die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft fordert rund sechs Prozent mehr Gehalt innerhalb eines Jahres, verbunden mit einer Arbeitszeitverkürzung. Die Arbeitgeber bieten bislang rund 9,8 Prozent mehr Lohn, allerdings bei einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren.