Straßenverkehr

Weniger Tote und Verletzte

Innenminister stellt Unfallstatistik vor und gibt keine Entwarnung. Weil die Zahlen immer noch zu hoch sind

Auf Brandenburgs Straßen sind im vergangenen Jahr weniger Menschen getötet worden als 2011. Auch gab es weniger Verletzte. Obwohl sich damit ein jahrelanger Trend fortsetzt, liegt die Mark bei den Verkehrstoten bundesweit immer noch im Spitzenfeld. „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, sagte Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) bei der Vorstellung der Unfallbilanz 2012 am Freitag in Potsdam. In Brandenburg ereignete sich rechnerisch alle 6,5 Minuten ein Verkehrsunfall. Alle 51 Minuten wurde ein Mensch im Straßenverkehr verletzt, an fast jedem zweiten Tag starb ein Verkehrsteilnehmer an den Folgen eines Unfalls. Im vergangenen Jahr krachte es auf den märkischen Straßen 80.654 Mal – das war in etwa so oft wie im Jahr davor. Gezählt wurden 80 Unfälle weniger. Die Zahl der Verkehrstoten sank um 21 von 187 auf 166, die der Verletzten verringerte sich leicht um 38 auf 10.287.

Besorgniserregend ist laut Innenminister Woidke, dass es verstärkt zu schweren Unfällen auf den Autobahnen und auf den von Bäumen gesäumten Landstraßen komme. „Auto- und Lkw-Fahrer sind immer noch zu oft viel zu schnell unterwegs“, sagte Woidke. 52 Menschen mussten im vergangenen Jahr sterben, und 1710 wurden verletzt – allein deshalb, weil zu schnell gefahren wurde. Mit 1208 Geschwindigkeitsunfällen (2011: 1025), zwölf Toten (acht) und 380 Verletzten (339) gab es prozentual jeweils zweistellige Anstiege. Vor allem auf der Autobahn 10, also dem Berliner Ring, und der A 13 von Berlin nach Dresden nehme die Raserei zu, so Woidke.

Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) kündigte daher Konsequenzen an. „Ich werde prüfen lassen, ob zum Beispiel auf der A 13 ein Tempolimit und Überholverbote geschaffen werden“, sagte Vogelsänger bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

Beide Minister wollen „alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Häufigkeit der sogenannten Baumunfälle zu vermindern“. „Wir sind hier noch nicht weitergekommen, die Zahlen sind alarmierend“, räumte Innenminister Woidke ein. 2012 fuhren 1983 Autofahrer gegen einen Baum. „Wir zählten 20 Baumunfälle mehr als im Jahr davor“, so Woidke. Die Zahl der Verletzten stieg um 134 auf 1066 an, die Zahl der Toten bei Baumunfällen blieb mit 67 (68 im Jahr davor) sehr hoch. Über zehn Prozent aller Verletzten und sogar mehr als 40 Prozent aller Verkehrstoten im Land waren die Folge eines Aufpralls an einen Baum. „Wir werden den Kontrolldruck weiter erhöhen“, kündigte Woidke an. Die Fahrer müssten mit verstärkten Tempokontrollen rechnen. Der Innenminister hob die Bedeutung der Prävention hervor. Sie gehe mit einer wirkungsvollen Verkehrsüberwachung einher. Zudem unterstrich er: „Die Polizei wird bei der Verkehrsprävention auch künftig ein wichtiger Ansprechpartner sein.“

Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert hingegen scharf, dass Rot-Rot bei der Vorbeugung sparen will. Die Polizeireform sieht Einschnitte bei der Beratung vor, Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Schuster, sagte der Berliner Morgenpost: „In diesem Bereich zu sparen ist unverantwortlich und kontraproduktiv.“ Prävention sei wichtige Aufgabe der Polizei. Schon vor Jahren sei in diesem Bereich schleichend Personal abgebaut worden, kritisiert Schuster. „Die Kolleginnen und Kollegen, die für die Verkehrserziehung mit den Puppenbühnen durchs Land reisen, könnten 24 Stunden am Tag arbeiten, so groß ist das Interesse“, schildert Schuster.

Die Puppenbühnen sollen sukzessive abgeschafft werden. „Bisher waren für die Präventionsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden 120 hauptamtliche Kollegen zuständig. Sie sollen bis zum Jahr 2018 auf 50 reduziert werden“, so Schuster. In diesen Bereich fällt indes nicht nur die Verkehrserziehung, sondern auch die Drogenprävention. Die Landesverkehrswacht warnt ebenfalls vor den geplanten massiven Einschnitten bei der Präventionsarbeit der Polizei. „Sie wird flächendeckend nicht mehr möglich“, bedauert der Präsident der Landesverkehrswacht, Jürgen Maresch. „Das ist ein verheerendes Signal“, sagt der Linke-Landtagsabgeordnete.

Innenminister Dietmar Woidke hingegen verweist auf mögliche neue Modelle. „Um Schüler, Senioren, Lkw-Fahrer und all die anderen Zielgruppen zu erreichen, brauchen wir deren eigenes Engagement und Ideen.“