Untersuchungsausschuss

V-Mann soll enge Kontakte zur NSU gehabt haben

Ministerium bestreitet schleppende Information

- Ein V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes soll tiefer in die Affäre um die rechtsextremistische Terrorzelle NSU verstrickt gewesen sein als bislang bekannt. Der V-Mann mit dem Decknamen "Piatto" sei im unmittelbaren Unterstützerkreis der NSU im sächsischen Chemnitz aktiv gewesen, als deren Mitglieder 1998 untertauchten, berichten die "Potsdamer Neueste Nachrichten".

Die Terrorzelle lebte mehr als ein Jahrzehnt unentdeckt von den Sicherheitsbehörden im Untergrund und wird bundesweit für zehn Morde verantwortlich gemacht. Ihr gehörten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe an. Das Trio flog im November 2011 auf. Bei der Aufklärung sind zahlreiche Pannen von Ermittlungsbehörden bekannt geworden. Bislang habe Brandenburg im Gegensatz zu anderen Ländern keine Verfehlungen der Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit der Mordserie der NSU festgestellt, schreibt die Zeitung. Jetzt jedoch sehe der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags weiteren Aufklärungsbedarf.

"Piatto" habe dem Verfassungsschutz im Jahr 1998 nicht nur Informationen darüber geliefert, dass ein Skinhead-Trio aus zwei Männern und einer Frau untertauchen wolle und vom Chef des braunen Netzwerks "Blood & Honour" in Sachsen mit Waffen für einen Überfall ausgerüstet werden solle. Er habe dem Verfassungsschutz auch mitgeteilt, dass die Betreiberin eines Vertriebs für rechte Szeneartikel der Frau im Trio ihren Pass zur Flucht geben wolle. Im Frühjahr 1999 sei "Piatto" von der Geschäftsfrau angestellt worden. Er sei damit im direkten Helferkreis der NSU beschäftigt gewesen, habe aber keine weiteren Informationen über das Terrortrio geliefert.

Die Obfrau der Linken im Bundestags-Untersuchungsausschuss, Petra Pau, forderte Aufklärung vom Innenministerium. "Entweder der Verfassungsschutz wusste mehr oder der V-Mann hat ein doppeltes Spiel gespielt", sagte Pau dem Blatt. Im Ausschuss herrsche Unzufriedenheit über die Zuarbeiten Brandenburgs. Das Land liefere nur schleppend Unterlagen an den Ausschuss. Der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, sagte dazu: "Ich weise den Vorwurf zurück, dass Brandenburg dem NSU-Untersuchungsausschuss nur schleppend zuarbeiten würde. Tatsache ist, dass Brandenburg bislang allen Beweisanträgen fristgerecht nachgekommen ist." In Bezug auf "Piatto" bleibe es bei der Einschätzung, wonach Brandenburg seinerzeit alle relevanten Informationen an die zuständigen Dienststellen anderer Bundesländer und des Bundes weitergeleitet hat.