Ribbeckanwesen

Sparen im Schloss

Der Betrieb in Ribbeck ist ein Zuschussgeschäft. Neuer Geschäftsführer soll Insolvenz verhindern

- Es sollte das kulturtouristische Herzstück der Region werden: Schloss Ribbeck in Ribbeck im Havelland. Mit Millionenaufwand hat der Landkreis Havelland das Herrenhaus derer von Ribbeck saniert. Denn dank Theodor Fontane gehört das 500-Seelen-Dorf Ribbeck, heute ein Ortsteil von Nauen, zu den bekanntesten Gemeinden im Land Brandenburg. Fontanes Gedicht über den großzügigen Herrn von Ribbeck auf Ribbeck, der die Kinder des Ortes über seine Lebzeiten hinaus mit Birnen versorgt haben soll, steht noch heute auf den Lehrplänen der Berliner Schulen. Doch seit der Eröffnung im Jahr 2009 ist der Betrieb des Ribbeckschen Schlosses ein Zuschussgeschäft. Nun sieht der Landkreis als alleiniger Gesellschafter der Schloss Ribbeck GmbH sogar die Gefahr einer Insolvenz.

Gastronomie und Kultur

5,6 Millionen Euro haben der Umbau und die Instandsetzung des Ribbeckschen Herrenhauses gekostet. Mit einer Ausstellung über Dorf und Schloss Ribbeck, anspruchsvoller Gastronomie und hochkarätigen Kulturveranstaltungen sollte das historische Gebäude ein touristischer Leuchtturm für die Region westlich von Berlin sein. Weil Landrat Burkhard Schröder (SPD) die Zahlungsfähigkeit der Betreibergesellschaft gefährdet sah, zog er Ende vergangenen Jahres die Notbremse. Er entließ den Geschäftsführer der kreiseigenen Schloss Ribbeck GmbH, den Pianisten und Komponisten Friedrich Höricke, und ersetzte ihn durch einen Mann aus seiner Verwaltung. Robert Cardeneo, Chef des havelländischen Wirtschaftsamtes, ist bereits der vierte Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH seit ihrer Gründung im Jahr 2007.

Cardeneo hat Schloss Ribbeck nun einen strikten Sparkurs verordnet. Er entließ kurzfristig vier der zwölf Mitarbeiter im Schloss und änderte den Internetauftritt. Kulturveranstaltungen wurden zunächst gar nicht mehr angekündigt.

Ein sechsstelliger Betrag soll der Schloss GmbH fehlen. Kreissprecher Erik Nagel will das so nicht bestätigen. Der Landkreis Havelland bezuschusse Schloss Ribbeck ohnehin Jahr für Jahr mit 140.000 Euro. Schon 2011 musste der Kreis das Schloss über den vereinbarten Zuschuss hinaus mit weiteren 91.000 Euro alimentieren. Im September des zurückliegenden Jahres habe der inzwischen geschasste Geschäftsführer Friedrich Höricke der Kreisverwaltung nochmals mitgeteilt, dass das Geld auch 2012 nicht reichen werde. Landrat Schröder habe daraufhin reagieren müssen und Höricke abgesetzt. "Unsere Vorstellungen haben nicht mit der des Geschäftsführers übereingestimmt", erklärt Nagel den Rauswurf. Hörickes ambitioniertes Kulturprogramm sei nicht finanzierbar. "Wie hoch das Defizit genau ist, können wir derzeit noch nicht sagen", so Nagel. Fest stehe aber bereits, dass nicht - wie bisher immer vermutet - der Gastronomiebereich des Schlosses, sondern wohl der Kulturbetrieb für die Finanzmisere verantwortlich sei.

Museum und Restaurant im Schloss blieben aber weiter geöffnet, betont der Sprecher der Kreisverwaltung. Im Jahr 2013 werde es auch wieder Kulturveranstaltungen geben. "Es gibt da ja bereits geschlossene Verträge, die wir selbstverständlich auch einhalten werden." Inzwischen ist die Veranstaltungsrubrik auf der Internetseite (www.schlossribbeck.de) auch wieder freigeschaltet. Bisher ist das Angebot übersichtlich: Vor allem Konzerte im Rahmen der traditionellen Havelländischen Musikfestspiele stehen auf der Agenda, aber auch Gunther Emmerlich will mit der Semper House Band im legendenumwobenen Örtchen Ribbeck auftreten.

Ursprünglich hatte Friedrich Carl von Ribbeck, Ur-Ur-Enkel des letzten Schlossherren und direkter Nachfahre des generösen Hans-Georg von Ribbeck (1689-1759), das Herrenhaus seiner Familie nach der Wiedervereinigung zurückhaben wollen. Doch ein jahrelanger Rechtsstreit endete schließlich mit einem Vergleich: Friedrich Carl von Ribbeck verzichtete auf die Rückübertragung der Güter Ribbeck und Bagow, dafür erhielt er eine Entschädigung nach dem Einheitswert von 1935. Auf dem Gelände der früheren Gutsremise hat sich Friedrich Carl von Ribbeck ein Zweifamilienhaus gebaut - mit Blick auf die Kirche mit einer Nachpflanzung des legendären Birnbaums und das Schloss.

Inzwischen ist Friedrich von Ribbeck "heilfroh", dass er den Sitz seiner Ahnen nicht zurückerhalten hat. "Von meiner Rente könnte ich einen Verlust von 100.000 Euro nicht tragen", sagt der 73-Jährige. In der alten Brennerei verkauft der Ribbeck-Nachfahre Essig und Edelbrände, vor allem aus Birnen. Wie andere Geschäftsleute, die sich in Ribbeck engagieren, ist er darauf angewiesen, dass das Schloss Touristen mit attraktiven Angeboten in das Dorf zieht. Noch mache sich die Finanzmisere nicht konkret bemerkbar, im Winter gehe es in Ribbeck ohnehin eher ruhig zu, sagt von Ribbeck. Er hoffe sehr, dass der Landkreis die Betreibergesellschaft finanziell sanieren könne. "Der Landrat wird das schon richtig machen", gibt sich von Ribbeck zuversichtlich.

Grüne im Kreistag skeptisch

Die Opposition im Kreistag teilt seinen Optimismus allerdings nicht. Die Grünen sprechen von einer "Notoperation". Cardeneo habe den Kulturbetrieb im Schloss praktisch stillgelegt, so der Fraktionsvorsitzende Felix Doepner. Schloss Ribbeck müsse ein Anziehungspunkt bleiben. "Das konzeptlos wirkende Handeln des Landrats und des neuen Geschäftsführers dient dem ganz und gar nicht", findet Doepner. Kritik an der Arbeit des neuen Chefs lässt die Kreisverwaltung aber nicht gelten. Schloss Ribbeck müsse wirtschaftlich arbeiten, sagt Sprecher Nagel. Landrat Schröder werde Robert Cardeneo ein Jahr Zeit geben, um die Schloss-Gesellschaft finanziell zu sanieren.