Neue Technik

Mit einem Sensor gegen den Wassermangel

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Andreas Gandzior und Georg-Stefan Russew

Hennigsdorfer Firma erfasst den Bedarf von Pflanzen per Chip

- Wasser ist ein knappes Gut. Umso wichtiger ist es, es effektiv einzusetzen. Dafür hat eine Hennigsdorfer Firma ein System entwickelt - und verbucht damit auch wirtschaftlichen Erfolg: Die Experten von Zim Plant Technology haben 2012 ihren Umsatz auf mehr als 600.000 Euro verdoppeln können. "Seit April 2011 sind es sogar knapp eine Million Euro", sagte Zim Plant-Geschäftsführer Simon Rüger. Mittlerweile verfügt das Start-up-Unternehmen aus Oberhavel über 200 Kunden auf fünf Kontinenten. "Wir können mit unseren 13 Mitarbeitern und dem jetzigen Auftragsvolumen eine schwarze Null schreiben", sagte Simon Rüger.

Die Forscher haben einen daumennagelgroßen Sensor entwickelt, der den Zellendruck in Pflanzenblättern misst. "Verlieren die Zellen Wasser, sinkt ihr Druck. Wir wissen so, wie durstig die Pflanzen sind, und bewässern nur, wenn es nötig ist", erklärte Rüger die Entwicklung. Sensordaten werden per Telemetrie an eine Verteilerstelle auf dem Feld geschickt, die diese Messwerte dann mit eigener Identifikationsnummer über Mobilfunk und Internet nach Deutschland sendet. In Hennigsdorf laufen die Daten in einem Rechenzentrum auf. Über einen Abgleich mit einer Datenbank wissen die Experten schnell, ob bewässert werden muss. "Per E-Mail bekommen die Landwirte dann ihre Handlungsanweisungen", so Rüger.

Zim Plant kann so in Echtzeit in Chile, Brasilien, Südafrika oder Australien agieren. "80 Prozent des Süßwasser-Aufkommens werden zur Bewässerung verwendet", sagte Rüger. Oftmals fließe viel zu viel Wasser auf die Felder. Auf der einen Seite verdunste das Wasser ungenutzt, auf der anderen Seite werden Böden auch noch versalzen, so dass diese wertlos für die Landwirtschaft werden. "Mit der Sensorlösung können 40 Prozent Trinkwasser eingespart werden. Zudem wird durch effektive Bewässerung auch noch der Ertrag gesteigert".

Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann zeigte sich beeindruckt. "Es ist sehr vernünftig, auf technische Hilfsmittel zurückzugreifen, die gut für Umwelt und Erträge sind." Dieter Murach von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde bescheinigt der Technologie großes Potenzial. "Wasser und Energie sind die großen Zukunftsthemen." Wenn die Nahrungsproduktion zum Beispiel in den Subtropen gesteigert werden soll, dann wird ein optimales Wassermanagement benötigt. "Zim Plant hat passende Antworten", meinte Murach.

Noch kann sich nicht jeder kleine Landwirt dieses Know-how leisten. Das Standard-System für ein 20-Hektar-Feld mit sechs Sensoren plus Fernüberwachung kostet nach Firmenangaben rund 6500 Euro pro Jahr. Wenn aber 40 Prozent Wasser eingespart werden können, rechnet sich die Technologie. "Der Markt ist da. Die Technik ist bestechend", bestätigte Alexander Gallrein von der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB). Nicht ohne Grund sei Zim Plant 2011 der Innovationspreis Berlin-Brandenburgs verliehen worden. "Neben der Innovation ist auch die Geschäftsidee prämiert worden", sagte Steffen Streu vom märkischen Wirtschaftsministerium. Im Zentrum stehe neben der Sensortechnik auch das Wissen der Hennigsdorfer Biotechniker.

Die Hennigsdorfer sind nicht die einzigen, die für ihre Ideen beziehungsweise die daraus entwickelten Produkte mit dem Innovationspreis ausgezeichnet wurden. Das Hasso-Plattner-Institut hat in Kooperation mit der Charité eine mobile Medizin-App namens "Hana Oncolyzer" entwickelt. Forscher und Mediziner werden durch diesen Datenmanager global miteinander verbunden und können jederzeit in den Heilungsprozess eines Patienten eingreifen. Alle anfallenden Daten werden in den "Hana Oncolyzer" übertragen, auch etwa fünf Jahre alte Krankenakten.

So können lebensnotwendige Chemotherapien deutlich schneller verordnet werden. "Allein im Bereich der Genomforschung fallen Datenmengen im mehrstelligen Terabyte-Bereich an", sagte Christian Regenbrecht von der Charité. "Dazu kommen aber noch Informationen aus dem täglichen Klinikbereich - Röntgenbefunde, OP-Berichte oder Daten aus dem administrativen Sektor." Im "Hana Oncolyzer" werden diese Daten nicht nur gebündelt, alle Informationen werden ebenfalls in wenigen Sekunden verarbeitet und analysiert. Das würde im Kampf gegen den Krebs helfen, heißt es.

Mehr Firmen, mehr Arbeitsplätze

Die Technologie- und Gründerzentren (TGZ) in Brandenburg konnten zum Jahresende eine erfreuliche Bilanz ziehen. Die bessere konjunkturelle Lage der Wirtschaft hat sich im Vermietungsstand der Zentren niedergeschlagen. Die 20 am Markt tätigen TGZ zur Unterstützung junger und innovativer Unternehmen hat ihr Vermietungsgeschäft um fünf Prozent gesteigert.

Die Auslastung hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 85 Prozent erhöht. In den Zentren sind aktuell 560 Unternehmen mit 3375 Mitarbeitern angesiedelt. Das sind 40 Firmen mehr als im Vorjahr, die Zahl der Arbeitsplätze ist um mehr als 300 gestiegen, meldet das Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten in Brandenburg.