Klimawandel

Ein Fünfjähriger aus der Uckermark reist um die Welt

Yann Steinland hat den Folgen des Klimawandels nachgespürt

- Aus der Uckermark einmal um die Welt und wieder zurück. Diese Reise hat die im uckermärkischen Ringenwalde lebende Künstlerin und Autorin Agnes Gramming-Steinland vor zwei Jahren mit ihrem damals fünfjährigen Sohn Yann unternommen und darüber zwölf Bücher geschrieben, von denen sechs vor wenigen Wochen veröffentlicht wurden, sechs weitere sollen folgen.

Es sind Bildbände, die ihren fünfjährigen Sohn auf Tour zeigen - gemeinsam mit Schneeziegen, Robben und Seelöwen im Gletschereis von Alaska, mit Kängurus und Koalas im australischen Regenwald, mit Krokodilen (natürlich mit gehörigem Abstand) in den geheimnisvollen Sümpfen der Everglades in Florida oder bei den Nilpferden, Zebras, Straußen und Antilopen in der Serengeti in Tansania.

Kindern Abenteuer vermitteln

Die Bücher beschreiben die Entdeckungsreisen und Abenteuer des "Biotologen" Yann und sind eine für Kinder geschriebene Entdeckungsreise durch die vom Klimawandel gefährdeten Landschaften und Schutzgebiete der Welt. Vier mal sechs Wochen war Gramming-Steinland mit dem Fünfjährigen unterwegs. Der fand das spannend. Denn für Yann ist klar: Später möchte er Wissenschaftler, genauer gesagt, Dinoforscher werden. Er spielt gern mit Dinosauriern, Piraten und Cars, streift aber auch gerne durch die Wälder und Moore der Uckermark. Zum Team gehörte auch ihr bereits erwachsener Sohn Jim Gramming, der die Reisen fotografisch dokumentierte. Der Impuls, der Agnes Gramming-Steinland zu der Weltreise trieb, war ihre Unzufriedenheit mit der Bildband-Reiseliteratur für Kinder, die sie als zu langweilig und zu didaktisch empfand. "Yann liebt Bildbände über ferne Länder über alles, aber jedes Mal, wenn ich ihm daraus vorlas, stellte sich schnell Langeweile ein: Hier leben so und so viele Tierarten, die Elefanten werden so und so viel Meter lang - unter derart trocken vermittelten Zahlen kann sich ein Kind doch gar nichts vorstellen", sagt Gramming-Steinland.

"Man muss den Kindern Abenteuer vermitteln, sie emotional gewinnen. Und so habe ich beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und mein Kind gleich mit auf diese Reise zu nehmen", fügt sie hinzu. Schnell war für sie auch klar, dass sie sich den vom Klimawandel bedrohten Zonen der Erde widmen würde, "so kann sehr früh das Bewusstsein dafür entwickelt werden, wie wichtig es ist, sich für den Erhalt und Schutz der Natur einzusetzen", ist sie überzeugt.

Ein drastisches Beispiel für sie: die Nebelwälder in Costa Rica. "Uns haben die Leute dort erzählt, dass sie jetzt oft auch die Sonne scheinen sehen und ihre Wäsche draußen im Freien trocknen können. Das war früher nie möglich, weil es dort immer Nebel gab." Für Gramming-Steinland ein Indiz, dass sich die Lebensbedingungen für Flora und Fauna bereits jetzt dramatisch ändern.

Um die Bücher veröffentlichen zu können, hat die Autorin einen eigenen Verlag - Tlele-books - gegründet. "Tlele stammt aus einer nordamerikanischen Indianersprache und heißt Schmetterling", sagt sie. Die Bücher erzählen in langen, mit sparsamen Texten versehenen Bildstrecken die Abenteuer, die der kleine Forscher Yann auf seinen Reisen quer durch die Welt erlebt.

Am Ende eines jeden Bandes steht ein kurzes Glossar, in dem die besuchte Region noch einmal beschrieben wird: Geografie, Beschaffenheit des Ökosystems, Flora und Fauna sowie das Maß der Umweltgefährdung und Möglichkeiten ihres Schutzes. Die Eltern können es nutzen, um gegebenenfalls mit den Kindern darüber zu sprechen.

Die Uckermark nicht vergessen

Bei all ihren Weltreisen haben Yann und seine Mutter ihre uckermärkische Heimat und deren Gefährdung durch den Klimawandel nicht vergessen. Band zwölf führt den Biotologen in die Sümpfe der Region, wo er gemeinsam mit den Bibern wertvolle Moorlandschaften rettet.

Agnes Gramming-Steinland hat der Weg von Darmstadt über Berlin, Spanien und Kanada in die Uckermark geführt, wo sie seit 1993 lebt. Als gelernte Pantomimin und Tänzerin hat sie lange Jahre am Kunstinstitut Baja als Tanzlehrerin gearbeitet. Weitere wichtige Stationen waren die Innengestaltung der Naturtherme Templin, des Schwimmbades BAFF in Eberswalde und die Gestaltung des Feriendomizils Alter Garten. Mitte der 90er-Jahre hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael Steinberg das Nabu-Informationszentrum Blumberger Mühle aufgebaut. Seit 1999 arbeiten die beiden für die brandenburgischen Landesgartenschauen in Eberswalde 2002, Rathenow 2006, Oranienburg 2009 und Prenzlau 2013.

Mehr zu den Bildbänden können Sie auf dem Blog unter www.biotologeYann.wordpress.com erfahren.