Busverbindung

Grenzstreit über das Einheitslogo

Neue Dachmarke für die "Doppelstadt" Frankfurt-Slubice fällt bei den deutschen Bewohnern durch

- Die beiden Grenzstädte Frankfurt und Slubice bezeichnen sich gern als "Doppelstadt", treten so auch auf Messen und Präsentationen auf, sind zusammen im Tourismusverein der deutschen Kommune. Seit Kurzem haben die beiden Nachbarstädte sogar einen grenzüberschreitenden Linienbus, der zwischen dem Frankfurter Bahnhof in Deutschland und dem Slubicer Platz der Helden in Polen pendelt und Fahrgästen bei der Tour über die Stadtbrücke das Gefühl vermittelt, dass es eine Grenze hier gar nicht mehr gibt.

Das soll nun auch in einem neuen Symbol zum Ausdruck kommen. Mit einer Dachmarke wollen sich die Städte als Doppelstadt gemeinsam präsentieren. Doch gerade um dieses Symbol der Einheit gibt es Streit, Unterschiede werden sichtbar. Während es östlich der Oder keinerlei Widerspruch zum vorgelegten Entwurf eines beauftragten Werbebüros gab - weder von den Bürgern noch von den Stadtparlamentariern -, sieht das westlich des Grenzflusses ganz anders aus.

90.000 Euro Kosten

Vor allem in der Frankfurter Bevölkerung waren viele empört über das, was nach Ausschreibung und vier Workshops künftig als Markenzeichen gelten soll: zwei unregelmäßige Vierecke, untereinander und versetzt angeordnet. In dem oberen blauen Balken steht der Schriftzug "Frankfurt", in dem unteren grünen analog "Slubice". Wo die beiden Balken aneinanderstoßen, sollen sie die Oder symbolisieren. "Ohne Grenzen. Bez granic" heißt es unter den beiden Vierecken.

Als nichtssagend, beliebig und langweilig wird der Entwurf einer Berliner Werbeagentur von vielen kritisiert, die vor allem ein Alleinstellungsmerkmal vermissen. Logos in Blau und Grün gibt es in der Tat viele - die Städte Eberswalde, Brandenburg/Havel und Fürstenwalde führen sie bereits in ihren Marken. Andere kritisieren, es werde EU-Geld verschwendet. Immerhin 90.000 Euro hat die Entwicklung des Logos gekostet, das meiste Geld stammt aus Fördermitteln der Europäischen Union. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt da überhaupt nicht", hieß es wiederholt.

Frankfurter Werbeagenturen äußerten, sie hätten es besser machen können, seien aber quasi übergangen worden. Diesen Vorwurf lässt Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke so nicht gelten. Es habe eine Ausschreibung gegeben, bei der sich jeder hätte bewerben können. 18 Firmen hatten seinen Angaben nach Interesse gezeigt, die Hälfte reichte tatsächlich Unterlagen ein, drei schließlich hätten ihre Entwürfe vor einer deutsch-polnischen Jury präsentiert. Keiner davon griff offenbar die beiden bestehenden Wappen der Städte auf. Mit den Farben Rot und Weiß und ihrem Wappentier, einem Hahn, ähneln sich diese. Das hätte man nutzen sollen, monierten viele in der Diskussion.

In die seit Wochen anhaltende Kritik mischt sich zunehmend Häme. Da gibt es im Internet Anleitungen zum Selbstbau von Logos - "schnell und kostengünstig" - oder Witzeleien über die "Dachmarke mit Dachschaden".

Auch neue Logos werden ins Spiel gebracht - in Anspielung auf die hohe Grenzkriminalität beispielsweise ein gestohlenes Auto, das über die Stadtbrücke gen Osten rast, während Polizisten gerade ganz woanders hin schauen.

Wie sehr die emotionsgeladene Diskussion der Frankfurter auf Verwunderung in Slubice stößt, demonstrierten in dieser Woche die Kommunalparlamentarier der polnischen Grenzstadt, die zu einer gemeinsamen Sitzung mit ihren deutschen Kollegen ins Frankfurter Rathaus gekommen waren. Quasi der einzige Tagesordnungspunkt: der Beschluss über die gemeinsame Dachmarke.

Was nach einer kurzen Veranstaltung aussah, wurde zum Erstaunen der Polen ein stundenlanges Hin und Her. Dabei hatten es die Gäste aus Slubice tatsächlich kurz gemacht. Einstimmig sei man für den Entwurf der Berliner Werber, ließ man die Deutschen wissen. "Wir sollten die Mühen und aufgebrachten Gelder respektieren", hatte Piotr Kiedrowicz, Vorsitzender des Slubicer Stadtrates, den Frankfurter Kollegen noch mit auf den Weg gegeben. Ungeachtet dessen stritten diese dann aber ausführlich über Farben, Symbolik und Befindlichkeiten. Sogar ein gänzlich neuer Ideenwettbewerb wurde ins Gespräch gebracht.

Ein Kompromiss mit Oder-Bogen

Ein kleiner Kompromiss wurde schließlich doch noch gefunden. Der Logo-Entwurf wird durch einen überspannenden Bogen ergänzt, der die Stadtbrücke symbolisieren soll. Für viele Frankfurter gehört die Brücke, die Frankfurt und Slubice über die Oder hinweg verbindet, unbedingt in das Logo. Auf der Internetplattform der polnischen Grenzstadt wird die um den Bogen ergänzte Dachmarke bereits unübersehbar präsentiert. Auf der Frankfurter Webseite sucht man das Logo bisher vergeblich.