Töpfermarkt

Schlicht und schnörkellos

Töpfer Manfred Dannegger stellt Schüsseln und Krüge nach uralter Tradition her. Heute öffnet der 63-Jährige seine Werkstatt

- Bei Manfred Dannegger gibt es am ersten Adventswochenende Frisches aus dem Holzbrandofen. Allerdings: Wer dabei auf kulinarische Leckereien hofft, wird enttäuscht sein. Was der Groß Neuendorfer gemeinsam mit seinen Besuchern aus dem selbst gebauten, begehbaren Ofen holen wird, ist zwar dunkelbraun und glänzend, aber nicht essbar.

Dannegger gehört zu den letzten Töpfern in Deutschland, die sich auf die Herstellung von Braunzeug nach Bunzlauer Art verstehen. Der gebürtige Usedomer ist Autodidakt. Bis zum Jahr 1988 fuhr er zur See, dann sattelte er um auf "Bunzlauer Braunzeug", schlicht und schnörkellos, wie er selbst: Schüsseln, Tassen, Krüge, Schalen, Kannen. Der 63-Jährige macht "handwarme, frische Töppe", versteht sich als Handwerker - bodenständig, mit gutem Stil und sicherem Formgefühl. Vor sechs Jahren zog er ins Oderbruch, nachdem er per Zufall den alten Bauernhof mit dem 1830 erbauten Fachwerkhäuschen gleich hinter dem Flussdeich in Groß Neuendorf gefunden hatte.

Gefäße werden besonders dicht

An der Stelle des alten Stalls steht heute seine Werkstatt, deren Herzstück der selbstgebaute Holzbrandofen mit den charakteristischen beiden großen Feuerklappen ist. Durch die hohe Brenntemperatur sind seine Gefäße besonders dicht, absolut feuerfest und vertragen Temperaturwechsel hervorragend. Dieser hohe Gebrauchswert des Braunzeugs ist bei seinen Kunden beliebt. Darauf setzt Dannegger auch am ersten Advent. "Weihnachtsmärkte sind doch mittlerweile so austauschbar, es gibt nur wenige Sachen mit Substanz", sagt der Töpfer. Sein Advent am Holzbrandofen soll dazu schon eine Alternative sein - gemütlich, aber nicht langweilig.

"Es gibt keine der üblichen Weihnachtslieder-Beschallungen", stellt der Brandenburger klar. Dafür aber Lagerfeuer, warme Suppe, frisch gebackenen Kuchen, Plätzchen und Bretzeln sowie jede Menge Wissenswertes zum Braunzeug - vom Fachmann höchstpersönlich. "Wozu ich im Werkstattalltag nicht komme - dafür nehme ich mir an diesem Wochenende Zeit: Fragen zu beantworten - an der Töpferscheibe, am Tonschneider oder der Trommelmühle und eben am Ofen", sagt er. Neugierige Kunden, die den Weg in seine Werkstatt finden, erfahren beispielsweise, dass der Ofen erst einen Tag vor dem eigentlichen Brennen "warm laufen" muss, dass die Tonrohlinge nach dem Drehen auf der Töpferscheibe zunächst zehn bis zwölf Tage trocknen müssen und dabei sowie beim Brennen um bis zu 15 Prozent in ihren Ausmaßen schrumpfen. Viele Besucher, sagt Dannegger, würden sich gerade für die alten Formen des braunen Gebrauchsgeschirrs interessieren, das einst vor allem von Bauern benutzt wurde. "Insofern gibt es von mir gleich noch einen kulturhistorischen Exkurs, frei nach dem Motto: Aus Omas Küche", erzählt er schmunzelnd. Dannegger fühlt sich der Tradition und damit den alten Formen verpflichtet. Vasen wird man in seiner Braunzeug-Kollektion vergeblich suchen. "Die Bauern brauchten so was nicht, hatten ihre Blumen ja im Vorgarten", sagt der 63-Jährige. Dafür hat er - passend zur kalten Jahreszeit - Vogelfutterglocken im Angebot.

Wenn Dannegger am ersten Adventswochenende Besucher empfängt, hat er einen dreitägigen Brennmarathon hinter sich. Das 22-stündige Brennen des auf der Scheibe gedrehten, roh mit Lehm und Feldspat glasierten Geschirrs ist eine Wissenschaft für sich. Und die beginnt bereits bei der Auswahl des richtigen Feuerholzes. "Pappel und Weide sind dazu nicht geeignet, der Quarzgehalt ihrer Asche verdirbt die natürlichen Ausschmelzungen der Glasur", erzählt der Töpfer, dessen Angaben nach der Ofen binnen kürzester Zeit auf hohe Temperaturen um 1300 Grad gebracht werden muss. "Eiche und Buche bräuchten dafür zu lange - ideal sind hingegen Kiefer und Fichte."

Um die Schönheit der Glasur zu erhöhen, wird in der letzten Brennphase Linden- oder Kastanienholz ins Feuer gelegt. "Damit die Aschepartikel schmelzen, braucht man diese hohen Temperaturen und eine ganz besondere Befeuerungstechnik", sagt Dannegger.

Selbst das Wetter spielt eine Rolle

Jeder Brand ist anders, sagt er, auch das Wetter spiele eine entscheidende Rolle. "Nebel-Witterung" wie derzeit sei ideal, da die Verbrennungs-Luft sehr feucht werde, was den Glanz der Glasur erhöhe. "Um diesen Effekt zu erzielen, muss ich bei heißem Sommerwetter Wasser in die Aschekästen gießen", erzählt der Groß Neuendorfer, der seinen Töpferofen etwa zehnmal im Jahr anheizt.

Dass er mit seinem speziellen Advents-Angebot auf gute Resonanz stoßen wird, davon ist der 63-Jährige überzeugt. "Die Leute besinnen sich wieder auf Dinge, die entschleunigt sind - fernab des hektischen Alltags." Die Töpferei sei dafür ein ideales Beispiel: "Hast ist dabei schädlich, denn die Dinge brauchen ihre Zeit." Der Brennprozess müsse sich über 20 Stunden hinziehen, sonst würden die Töpfe Blasen bekommen. "Der Ofen gibt die Zeit und den Takt vor."

Wer den ungewöhnlichen Werkstattbesuch bei Dannegger am heutigen Sonntag - geöffnet ist am ersten Advent von 11 bis 18 Uhr - verpasst haben sollte, der kann den Groß Neuendorfer Töpfer und sein Bunzlauer Braunzeug am dritten Adventswochenende auf dem Weihnachtsmarkt im Ofenkachelmuseum Velten besuchen. Telefonisch ist der Töpfer unter Tel. 03 34 78/386 68 zu erreichen.