DDR

Ansturm von Ex-Heimkindern auf Opferfonds

1000 Betroffene meldeten sich bei Beratungsstelle

- Die Brandenburger Anlaufstelle für ehemalige DDR-Heimkinder in Potsdam hat seit der Eröffnung am 1. Juli bereits mehr als 1000 Anfragen verzeichnet. Betreut werden derzeit 815 Ratsuchende, die zu DDR-Zeiten in einem Heim lebten, sagte die Brandenburgische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, am Donnerstag. "Bisher wurden 60 umfassende persönliche Beratungsgespräche geführt und 25 Vereinbarungen über einmalige Rentenersatzleistungen und individuelle Hilfen abgeschlossen."

Ein Ende sei nicht in Sicht. "Termine werden derzeit bereits für Februar 2014 vergeben", sagte Martin Gollner, einer der derzeit zwei Berater. Allerdings würden eilige Anfragen, wie etwa die Hilfe bei einer Suche nach einer beruflichen Qualifizierung, vorgezogen. Nach Schätzungen der Beratungsstelle wurden in Brandenburg zwischen 1949 und 1990 etwa 75.000 Kinder und Jugendliche in Heime der DDR-Jugendhilfe eingewiesen, viele seien dort misshandelt worden. Viele ehemalige Heimkinder erhielten keine Bildung oder auch keine Ausbildung. In allen ostdeutschen Bundesländern hatten am 1. Juli Anlaufstellen für frühere DDR-Heimkinder ihre Arbeit aufgenommen. Zu den Aufgaben gehören Gespräch über Heimerfahrungen, die Unterstützung bei Akteneinsicht sowie die Vermittlung von individuellen Hilfen aus dem im Frühjahr aufgelegten "Fonds Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 bis 1990". Ein rechtlicher Anspruch auf Hilfen bestehe nicht. Der Bund und die ostdeutschen Länder haben dafür 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für Brandenburg stehen jährlich für Personal und Sachausgaben 128.800 Euro zur Verfügung. Ein dritter Berater werde angesichts des Ansturms demnächst die Arbeit aufnehmen, sagte Ulrike Poppe.

"Viele ehemalige Heimkinder in der DDR leiden unter körperlichen und psychischen Folgen", sagte Beraterin Birgit Schmelz. "Viele haben das Bedürfnis, die Heimerfahrung aufzuarbeiten", so Birgit Schmelz. "Sie wissen nicht, warum sie in ein Heim gekommen sind. Sie wissen nicht, wer ihre Eltern sind und in welchem Heim sie untergebracht waren." Die Beratungsstelle helfe bei der "Biografiearbeit", aber auch materiell. So würden Fahrtkosten zu Therapien oder der Eigenanteil für den Zahnersatz übernommen.