Verkehrsunfall

Zwei Schwerverletzte durch Geisterfahrer auf der B 101

Bundesstraße war bei Großbeeren in Richtung Berlin mehr als vier Stunden lang gesperrt

- Bei einem Verkehrsunfall mit einem Geisterfahrer sind bei Großbeeren (Teltow-Fläming) zwei Menschen schwer verletzt worden. Ein 22-jähriger Berliner war am Donnerstagabend in falscher Richtung auf die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 101 gefahren, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Schon nach wenigen hundert Metern stieß er kurz nach 20 Uhr mit seinem BMW frontal mit einem entgegenkommenden Audi eines 45-Jährigen zusammen. Beide Fahrer wurden schwer verletzt in Kliniken gebracht. Der Unfallverursacher war in seinem Wagen eingeklemmt und kam mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus.

Die B 101 war Richtung Berlin viereinhalb Stunden lang gesperrt. Warum der 22-Jährige als Geisterfahrer unterwegs war, ist laut Polizei noch unklar. Eine Blutprobe soll klären, ob er eventuell betrunken war. Dem Vernehmen nach war er ohne Licht bei Dunkelheit unterwegs. Einen eindeutigen Hinweis auf einen Suizidversuch gebe es allerdings nicht, so die Polizei. Die B 101 ist an der Unfallstelle vierspurig ausgebaut. Die Fahrbahnen sind durch eine Mittelleitplanke getrennt.

Erst am vorigen Sonntag hatte in Süddeutschland eine Kollision mit einem Geisterfahrer bei dichtem Nebel sechs Menschenleben gefordert. Ein 20-jähriger Geisterfahrer hatte auf der A5 bei Offenburg (Baden-Württemberg) fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Der Mann rammte mit seinem BMW ein Sammeltaxi. Laut Obduktion hatte er 1,9 Promille Alkohol im Blut. Vier Wochen zuvor war ein 24-Jähriger auf der A 46 bei Meschede (Nordrhein-Westfalen) in Selbstmordabsicht frontal auf einen Pkw gefahren, in dem vier Menschen ums Leben kamen.

Nach den jüngsten Tragödien fordern einige Verkehrspolitiker, der Gefährdung durch Geisterfahrer mit dem Einsatz von in die Fahrbahn von Zufahrten eingelassenen Radkrallen zu begegnen. Sobald ein Auto in die falsche Richtung fährt, werden die Reifen von scharfen Messern zerstört. Andreas Hölzel vom Verkehrsclub ADAC sagt dazu: "Das ist ein zu hoher baulicher Aufwand, zu teuer und steht in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr durch Falschfahrer." In Bayern läuft derzeit ein Pilotprojekt mit großen neongelben Warntafeln, die an 23 Anschlussstellen von drei Autobahnen und acht Parkplätzen installiert wurden.

Eine Auswertung des ADAC hat im Jahr 2009 ergeben, dass Geisterfahrer meist männlich und oft älter als 65 Jahre (45 Prozent) sind. Zudem seien der Studie zufolge oft Alkohol oder Drogen im Spiel. Andreas Hölzel sagte am Freitag, Falschfahrten seien statistisch gesehen ein marginales Problem - obwohl sich die Fälle zuletzt häuften. Im analysierten Zeitraum von Dezember 2008 bis Dezember 2009 wurden 66 Unfälle nach Geisterfahrten gezählt, die 20 Tote und 86 Verletzte forderten. Wie viele Geisterfahrten es in diesem Zeitraum insgesamt gab, ist jedoch nicht klar. Bei einer Auswertung von Presseberichten zählte der ADAC 147 solcher Irrfahrten. Die Zahl der Warnungen im Rundfunk lag dagegen bei 2800.