Ausstellung

Als im Oderbruch noch Tabak angebaut wurde

Neue Dauerausstellung erinnert an die vergessene Tradition in der Region

- Wie zum Trocknen aufgehängt wirken die meterlangen Girlanden aus braunen Blättern zwischen den alten hölzernen Deckenbalken des ehemaligen Salzhauses der Burg Beeskow. Doch die Tabakblätter hängen dort nicht, um getrocknet und dann weiterverarbeitet zu werden. Sie sind vielmehr Blickfang und Dekoration einer neuen Dauerausstellung mit dem Titel "Blauer Dunst", die ab sofort in Beeskow (Landkreis Oder-Spree) zu sehen ist.

Als Dauerleihgabe ist das private Tabakmuseum von Dieter Leber und Rosemarie Borgwardt dort eingezogen. Aufgebaut hatten der gebürtige Berliner und die Beeskowerin das Museum in den 90er-Jahren im Oderbruch-Örtchen Wuschewier. Dort hatte Leber ein 1757 erbautes Kolonistenhaus aus der Zeit der Trockenlegung des Oderbruchs unter dem Preußenkönig Friedrich II. gekauft. Mehrere hunderttausend Euro hatte er in die Sanierung des alten Hofes investiert. 2004 eröffnete er dort sein Tabakmuseum. Aus Alters- und Krankheitsgründen mussten beide vor anderthalb Jahren aufgeben, das mit Schilf gedeckte Fachwerkhaus in Wuschewier wurde verkauft.

Das Ausstellungsthema kommt nicht von ungefähr: Zum einen hat der Tabakanbau im Oderbruch und in der Uckermark Tradition seit die Hugenotten diese Kultur Mitte des 17. Jahrhunderts aus Frankreich mitbrachten und der Alte Fritz ihnen Land dafür zur Verfügung stellte. "Die Kolonialisierung des Landstrichs unter dem Preußenkönig hat mich interessiert und dazu gehörte auch der Tabakanbau", sagte Leber. Zum anderen hatte Rosemarie Borgwardt von ihrem Vater, dem Beeskower Zigarren-Händler Heinz Lange, eine umfangreiche, etwa 150 Einzelstücke umfassende Tabakpfeifen-Kollektion geerbt. Die Sammlerstücke aus Ton, Porzellan, Holz oder Knochen bildeten den Grundstock des späteren Tabakmuseums. Sie wurden 1994 und 2004 aber auch schon einmal auf der Burg Beeskow gezeigt. Mit riesiger Resonanz", erinnerte sich Burg-Mitarbeiterin Christina Geisler, "denn der Herr Lange war in Beeskow zu Lebzeiten geradezu legendär".

Noch heute würden sich viele an den zu DDR-Zeiten einzigen privaten Tabakwaren- und Pfeifen-Spezialladen in Beeskow erinnern, dessen inzwischen etwas vergilbtes Reklameschild mit der Aufschrift "Pfeifen, die ein Raucherherz erfreuen" auch in der aktuellen Schau zu sehen ist. 1949 hatte Kaufmann Lange sein Geschäft eröffnet und bis 1986 betrieben. Überliefert ist, dass er schon früh um sechs Uhr einen Stuhl mit Tabakwaren vor die Tür stellte - gegen eine "Kasse des Vertrauens", da erst ab sieben Uhr offiziell verkauft werden durfte.

Museumsmitarbeiterin Geisler freut sich über die nun dauerhafte Rückkehr der Langeschen Sammlung. "Das Tabakmuseum wird ein Besuchermagnet werden und ergänzt wunderbar unsere Ausstellung zur Beeskower Stadtgeschichte im Erdgeschoss des Salzhauses", sagte sie.

Insgesamt rund 10.000 Einzelexponate werden auf der Burg gezeigt. Das Spektrum der Exponate reicht vom nicht einmal daumengroßen Scherzartikel aus DDR-Zeiten - in Form eines Igels und "Raucher-Mäcki" genannt - bis hin zu einer fast zwei Meter langen Pfeife von 1880 mit handbemaltem Porzellan-Pfeifenkopf.

EU subventionierte den Anbau

Tabak und seine Ostbrandenburger Geschichte gehörten ins Museum, weil es den eigentlichen, professionellen Anbau in der Region kaum noch gibt, sind sich Leber und Geißler einig. Dabei würde das Oderbruch aufgrund seines milden Klimas, der hohen Luftfeuchtigkeit und der lehmig-sandigen Böden gute Bedingungen bieten. "Seit die Europäische Union den Anbau nicht mehr subventioniert lohnt sich diese aufwendige und auch körperlich schwere Handarbeit nicht mehr", sagte der 70-jährige Sammler aus Berlin. Zwei Drittel des Verkaufserlöses erhielten die Tabakbauern noch vor wenigen Jahren von der EU, nur ein Drittel vom eigentlichen Aufkäufer. Pro Hektar Anbaufläche mussten zunächst durchschnittlich 3000 Euro investiert werden, bevor überhaupt etwas geerntet und aufgefädelt werden konnte. Lediglich die charakteristischen Tabakscheunen, durch die der Wind zum Trocknen der Blätter pfiff, erinnern noch heute an diese Tradition.

Zum Rauchen animieren soll der "Blaue Dunst" auf der Burg Beeskow nicht, stellte Leber klar, der allerdings hin und wieder selbst eine gute Zigarre genießt. "Tabak stammt ursprünglich aus Amerika und galt selbst bei den Indianern als Heilpflanze", erzählte er. Fasziniert habe ihn die Entwicklung der Tabakwarenindustrie, die in der Schau anhand zahlreicher Exponate thematisiert wird. Beispielsweise anhand der fast 1500 unterschiedliche Zigaretten umfassenden Kollektion eines inzwischen verstorbenen Berliners, die er dem Tabakmuseum von Leber und Borgwardt einst vermacht hatte.

Geöffnet ist die Ausstellung "Blauer Dunst" Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 11 und 17 Uhr im Salzhaus der Burg Beeskow an der Frankfurter Straße 23. Der Eintritt in das Museum kostet 5 Euro.