Sicherheit

Polizei will künstliche DNA gegen organisierte Kriminalität einsetzen

Langfinger könnten es bald schwer haben. Der zunehmende Einsatz künstlicher DNA (kDNA) dürfte sie abschrecken.

Die unscheinbare Flüssigkeit kann neuerdings auf Autos und Wertgegenstände gesprüht werden. In Pilotprojekten in den Ländern Brandenburg und Bremen wird kDNA seit einiger Zeit getestet. Es sieht so aus, als könnte diese Sicherheitstechnik flächendeckend in Deutschland eingesetzt werden.

Von den Behörden anderer Bundesländer gebe es immer mehr Anfragen, sagt Eckhard Strobel von der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder). Aber auch Großunternehmen investierten schon sechsstellige Beträge in künstliche DNA.

Strobel leitet das kDNA-Pilotprojekt in der Grenzregion zu Polen, wo es besonders viele Einbrüche und Fahrzeugdiebstähle gibt. Das Brandenburger Innenministerium musste zu Jahresbeginn drei Hundertschaften der Polizei zur Kriminalitätsbekämpfung schicken. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen 2007 blüht der Transit von Diebesgut. Die Kriminellen zerlegen Autos in Einzelteile und verkaufen sie auf dem Zubehörmarkt. Eine Rückverfolgung für Ermittler ist schwierig.

Wenn gestohlene Wertgegenstände dagegen mit künstlicher DNA besprüht sind, können sie wiedererkannt werden, etwa bei einer Polizeikontrolle. Denn mit der Flüssigkeit wird ein Code aufgetragen, der unter UV-Licht zum Vorschein kommt - und den rechtmäßigen Besitzer verrät. Aber Diebe werden schon vorher gewarnt: Mit Aufklebern, die auf kDNA-Gegenstände hinweisen.

In Frankfurt scheint die Abschreckung zu funktionieren. 800 "Home-Kits" mit künstlicher DNA wurden bislang an Haushalte ausgegeben. "Bislang ist alles, was markiert wurde, nicht angefasst worden", sagt Strobel. Auch eine aktuelle Studie des Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung und der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen zeigt, dass Kriminelle kDNA-besprühte Gegenstände eher meiden. Mit einer Zwischenbilanz tun sich die Sicherheitsbehörden trotzdem schwer. Ein Problem ist, dass es in der Kriminalitätsstatistik bislang keine großen Veränderungen gibt. Im Land Brandenburg seien bisher nur zwei Fälle bekannt, bei denen gestohlene Gegenstände durch die kDNA-Markierung dem Besitzer zugeordnet werden konnten, antwortete Innenminister Dietmar Woidke (SPD) jüngst auf eine parlamentarische Anfrage. Da der Einsatz von kDNA eine "recht junge Methode" sei, sei eine abschließende Einschätzung auch der präventiven Wirksamkeit verfrüht."