Fluggesellschaften

Ludwigsfelde statt Kanaren

Ein Berliner erfuhr erst am Check-in-Schalter, dass sein Ticket nach der BER-Absage nicht umgebucht wurde. Das soll kein Einzelfall sein

- Klaus Wittke müsste jetzt eigentlich einen leichten Sonnenbrand haben. Er hätte schon unzählige spanische Tapas gegessen und wäre sicherlich am Strand im Liegestuhl eingeschlafen. Doch dieser Traum ist vor einer Woche am Schalter im Flughafen Schönefeld geplatzt. Dort erfuhr Klaus Wittke, dass sein Flug nach Teneriffa wegen der verschobenen Eröffnung des Flughafens BER storniert wurde. Nur mitgeteilt hätte ihm das weder der Reiseanbieter, die Fluggesellschaft oder der Veranstalter. "Das war eine ziemliche Enttäuschung für mich und meinen Partner", sagte Wittke.

Ursache ist das Chaos nach der im Mai abgesagten Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Viel wurde in den vergangenen Wochen über die Mängel am BER geschrieben, und wer möglicherweise die Schuld daran trägt. Politiker stritten um die Hunderte von Millionen Euro, die sie nun zusätzlich für den Flughafen bereitstellen müssen. Es ging um den Ruf der Hauptstadtregion und wie solch ein wichtiges Großprojekt in Deutschland scheitern konnte.

Das alles war für Klaus Wittke abstrakt und weit weg - bis es ihn selbst traf. "Berlin braucht zweifelsohne einen Großflughafen, aber was bei diesem Projekt alles schief läuft, ist einfach nur peinlich", sagte Wittke. Die Flughafengesellschaft hat zwar offiziell "keine Erkenntnisse darüber", wie häufig so etwas vorkommt. Auskunft darüber könnten nur die Airlines und Reiseveranstalter geben, so ein Sprecher. Laut Wittke waren die Mitarbeiter am Schalter erstaunt, wie ruhig er geblieben sei: "Sie sagten mir, dass so was häufig passieren würde."

Tatsächlich mussten die Fluggesellschaften nach der kurzfristigen Absage der für den 3. Juni geplanten BER-Eröffnung einen erheblichen Aufwand betreiben, um die BER-Tickets umzuschreiben. Allein die beiden größten Airlines am Standort, Air Berlin und Lufthansa, haben nach eigenen Angaben weit mehr als eine Million Passagiere über neue Zeiten und den richtigen Flughafen informieren müssen. Doch nicht bei allen Fluggesellschaften lief das offenbar reibungslos ab.

Klaus Wittke hatte jedenfalls schon im Januar 2012 für sich und seinen Partner die Reise auf die Kanaren gebucht. Beim Online-Reisenbüro Tropo-Tours fand der pensionierte Verwaltungsbeamte das Angebot für eine Woche in einem Hotel nur 400 Meter vom Strand entfernt für 1129 Euro. Flug, Übernachtung und Transfer waren im Preis für die Pauschalreise inbegriffen. "Das war ein günstiges Angebot, weil wir uns schon so früh für diese Reise entschieden hatten", sagt Wittke. Nach der abgesagten Eröffnung des BER habe er sich selbst beim Reiseanbieter erkundigt, was mit seinen Tickets passiert. Diese waren nämlich auf den Flughafen BER ausgestellt. Er schrieb im Juli eine Mail und bat darum, dass ihm die Flugdaten bestätigt werden. "Damals hat man mir versichert, dass der Flug vom alten Flughafen in Schönefeld aus geht, aber ansonsten alles gleich bleibt", sagt Wittke.

Vor zwei Wochen bekam er die Unterlagen mit dem Voucher für das Hotel und den Transfer zugeschickt. Um ganz sicher zu gehen, prüfte Wittke noch einmal den Flug auf der Internetseite des Flughafens. Alles war so, wie es ihm versichert worden war: Der Flug sollt am Sonntagmorgen zur angegebenen Uhrzeit von Schönefeld aus nach Teneriffa abheben.

Kein Hinweis auf Stornierung

Was Wittke nicht wusste: Die Fluggesellschaft Condor hatte seine beiden Tickets am 6. Juni storniert. Auf den Tickets ließ sich nicht einfach der Kennungscode BER gegen SXF für den alten Flughafen Schönefeld austauschen, so dass die Reise bei der Fluglinie neu gebucht werden musste. Zu dem Zeitpunkt gab es aber das günstige Angebot aus dem Januar nicht mehr. "Das könnte der Grund sein, warum unsere Reservierung herausgefallen ist", so Wittke. Die Airline will den Reiseveranstalter informiert haben. Ob das stimmt, weiß Wittke nicht. Bei ihm sei jedenfalls diese Information trotz Nachfrage nicht angekommen. Erst am Check-In-Schalter erfuhr Wittke, dass er die Badehose umsonst eingepackt hatte. Besonders ärgerlich findet er, dass auf besagtem Flug sogar noch Plätze frei waren. "Doch diese waren für einen anderen Reiseveranstalters reserviert", sagte er. Dort war am Sonntag um 9 Uhr morgens allerdings keiner zu erreichen. "Das entsprechende Reisebüro am Flughafen machte erst um elf Uhr auf", so der Pensionär aus Lankwitz.

Nun kämpft er darum, das Geld vom Anbieter zurück zu bekommen. Erst wollte ihn Tropo-Tours umbuchen und zwei Tage später für eine Woche fliegen lassen. "Doch das klappte mit dem Hotel nicht, da im Anschluss kein Zimmer mehr frei war", sagte Wittke. "Tropo-Tours wollte uns eigentlich einen Verrechnungsscheck schicken, um uns das Geld für die Reise zu erstatten", so Wittke. Doch nun stellt sich das Internet-Reisebüro aber plötzlich quer. Auf seine Nachfrage hin erfuhr Wittke, dass der Vorgang "noch in der Prüfung" sei.

Dabei hat laut Reiserechtsexpertin Eva Klaar von der Berliner Verbraucherzentrale Wittke das Recht ziemlich sicher auf seiner Seite. "Wenn ihm der Veranstalter bei einer Pauschalreise keine Beförderung ermöglicht, hat er die Reise vereitelt", so Klaar. "Der Betroffene hat dann möglicherweise sogar Anspruch auf einen Ersatz des Schadens, der ihm durch den entgangenen Urlaub entstanden ist." Grundsätzlich sei der Reiseveranstalter in der Pflicht, den Reisenden über eine Verlegung der Flüge vom BER nach Schönefeld zu informieren. "Wenn der Kunde die Reise nicht beim Veranstalter direkt, sondern bei einem Vermittler wie eben Tropo-Tours gebucht hat, stellt ihn das in dem Fall rechtlich nicht schlechter", sagte Klaar. Anstatt auf den Kanaren dem grauen Berliner November zu entgehen, muss Wittke nun mit Anwälten telefonieren. Er nimmt es gelassen. Und fährt zur Erholung in die Therme Ludwigsfelde.