Satzung

Das vergessene Gräberfeld von Georgenthal

Am 15. November verpasst die Gemeinde dem Ort eine Friedhofssatzung

- "Hier ruht in Frieden", steht auf vielen Grabsteinen auf dem kleinen Friedhof, der versteckt in einem Akazien-Wäldchen nahe der Bundessstraße 5 bei Georgenthal (Landkreis Märkisch-Oderland) liegt. Doch mit Ruhe und Frieden ist es vorbei, nachdem die Behörden Anfang des Jahres erstmals von dem vergessenen Gräberfeld erfuhren. Am 15. November will die Gemeinde Falkenhagen eine Friedhofssatzung für den Ortsteil Georgenthal beschließen. Danach gibt es befristete Grabstellen und Gebühren.

Mitten in Brandenburg gibt es diesen nur knapp 3000 Quadratmeter großen Friedhof, den die Anwohner quasi in Eigenregie geführt hatten - ohne bürokratische Satzung und lästige Gebührenordnung, aber eben auch ohne Friedhofsordnung und Gräberplan. Niemand weiß, wie viele Menschen hier begraben sind, welche Gräber noch genutzt werden. Einige sind eingeebnet, an anderen fehlen die Grabsteine. Die ältesten Inschriften stammen von 1840.

"Ich bin selbst überrascht, dass so etwas über Jahrzehnte funktioniert hat", gesteht die zuständige Amtsdirektorin von Seelow-Land, Roswitha Tiede. Erklären kann sie allerdings nicht, wie der vergessene Friedhof von Georgenthal der Verwaltung einfach so durchrutschen konnte. "Wir haben von Bestattungshäusern nie Anmeldungen von Beisetzungen dort bekommen, sind deshalb davon ausgegangen, dass es sich in dem Ortsteil um einen kirchlichen Friedhof handelt." Der zuständige Pfarrer Gottfried Hemmerling weist das weit von sich. "Der Georgenthaler Friedhof war noch nie kirchlich."

Gänzlich ahnungslos gibt sich der Bürgermeister der Gemeinde Falkenhagen, zu der der 30-Seelen-Ort an der B 5 gehört. Bernhard Fandrich ist vor Jahren erst aus Berlin zugereist. "Ich kannte den Friedhof nicht, dachte aus der Ferne immer, da sei halt nur ein Wäldchen."

Aber eines, das es in sich hat, wie sich im Zuge einer Umstellung in der Haushaltsführung herausstellte. Alle kommunalen Grundstücke wurden aufgelistet. Dabei stieß man zufällig auf den Friedhof. Die behördlichen Mühlen begannen zu mahlen. Zeitweise drohte dem kleinen Friedhof die Schließung, dann gab es die Idee eines Friedwaldes, die mangels Wirtschaftlichkeit wieder verworfen wurde.

Plötzlich kriminalisiert

"Die tun ja gerade so, als ob wir unsere Angehörigen hier einfach so verscharrt haben", empörten sich die Georgenthaler, die sich plötzlich kriminalisiert fühlten. Die Dörfler hatten die Beerdigungen privat organisiert, sich die jeweilige Grabstelle selbst ausgesucht. Das aber ist nach deutschem Recht verboten. "Ganz so wild war es ja doch nicht", schränkt Gemeindevertreter Matthias Schüler ein, "jeder, der einen Angehörigen begraben wollte, hat sich mit der Sterbeurkunde an ein Bestattungsinstitut gewandt." Das sei zu DDR-Zeiten noch ganz anders gewesen. "Da griffen zwei, drei Männer aus dem Ort zur Schaufel und hoben das Grab aus", erzählt Schüler. Damals hätten die Georgenthaler auch den Zaun gezogen und die kleine Leichenhalle gebaut.

Nun aber steht die Satzung. Zudem soll ein Pflegevertrag mit den Georgenthalern abgeschlossen werden. "Dadurch entfallen zusätzliche Bewirtschaftungs- und Pflegekosten, und so viel Arbeit ist das nicht", sagt der Georgenthaler Gemeindevertreter wie zur Beruhigung.

Verhehlen kann er allerdings nicht, dass die Georgenthaler lieber alles so gelassen hätten, wie es war. Schon allein wegen der Kosten. "Gepflegt haben wir unseren Friedhof schon immer in Eigenregie. Dass wir nun Gebühren für die Grabstelle zahlen müssen, schmeckt nicht jedem im Ort", sagt Schüler. Mit 125 Euro pro Erdbestattung oder 60 bis 90 Euro für ein Urnengrab hielten die sich aber noch in überschaubaren Grenzen, meint er.