Ausgrabungen

Archäologen entdecken Reste eines Mittelalter-Turms in Lebus

Der Burgberg in Lebus ist Archäologen schon lange ein Begriff.

- Seit den 30er-Jahren gab es auf der etwa 50 Meter hohen Anhöhe des einstigen Bischofssitzes nördlich von Frankfurt (Oder) immer wieder Grabungen. "Eigentlich dachten wir, im Laufe der Jahrzehnte alles durchforscht zu haben, aber der Burgberg bleibt spannend", sagt Brandenburgs Landesarchäologe Franz Schopper.

Dass die seit der Bronzezeit besiedelte Anhöhe nahe der Oder noch längst nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben hat, zeigte sich erst kürzlich: Bei Bauarbeiten für eine Wendeschleife auf dem Burgberg wurde eine aus Feldsteinen geschaffene Rundung entdeckt. Nähere Grabungen führten zu Fundament und Sockel eines mächtigen Turmes mit einem Durchmesser von elf Metern - eine kleine archäologische Sensation. Die Experten vermuten, dass der Turm aus dem 13. Jahrhundert stammt und zu einer Vorgängeranlage der Bischofsburg aus dem Spätmittelalter gehörte. "Wir gingen immer davon aus, dass die Burg drei Türme hatte, die vor allem der Befestigung dienten", sagt der Lebuser Heimatforscher Manfred Hunger und zeigt ein Modell, das im Heimatmuseum steht. Jetzt sind es vier Türme.

Auf die Reste dieses vermutlichen Wehrturmes in der Mitte des einstigen Burggeländes war zuvor nie jemand gestoßen, bestätigt Schopper, der die Funde als höchst bedeutsam für die Brandenburger Landesgeschichte einstuft.

Vermutlich sei das runde Feldstein-Bauwerk mit den dreieinhalb Meter dicken Mauern mindestens 20 Meter hoch gewesen. Das Innere des Turmrestes soll jedoch nicht näher untersucht werden. Vermutlich habe es dort einst nur Lagerräume gegeben.

Möglicherweise sei dort aber auch ein Kerker gewesen, mutmaßt hingegen Hobbyhistoriker Hunger. Er gibt zu bedenken, dass der Burgberg doch gerade erst wieder bewiesen habe, dass er für Überraschungen gut sei. Eile ist geboten, denn möglichst noch vor dem Winter sollen die Arbeiten auf dem Areal abgeschlossen sein. Bereits seit diesem Frühjahr werden auf dem Lebuser Burgberg Leitungen verlegt, Regenwasserkanäle gebaut, Zufahrten für die acht Grundstücke planiert - immer mit archäologischer Begleitung. Erst in sechs Metern Tiefe gibt es gewachsenen Boden, darüber liegen die Reste mehrer Burgen, die hier im Laufe der Jahrhunderte standen. Ein unsicherer Baugrund - Presslufthämmer, Rüttelplatten oder Rammen sind tabu. Im Zuge der Bauarbeiten kamen bereits Reste einer Zisterne, einer Brücke sowie Gewölbe zum Vorschein.

Sichtbar bleiben die Originalreste nicht, die Witterung würde sie in kürzester Zeit zersetzen, sagt Schopper. Stattdessen sollen erdfarbene kniehohe Stahlplatten die Umrisse der mittelalterlichen Burg nachzeichnen, so Landschaftsarchitekt Markus Thelen. Auch der jetzt entdeckte Turm soll so eine begrünte und mit Stahlplatten begrenzte Manschette bekommen.