Investition

Die Werkstatt ist ausgebaut - aber die Züge fehlen noch

Ostdeutsche Eisenbahn investiert 5,6 Millionen Euro

Die private Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) hat am Dienstag ihre mit Millionenaufwand erweiterte Werkstatt in Eberswalde eröffnet. Der Ausbau war nötig, weil das Unternehmen ab Dezember einen Großauftrag im Bahnverkehr der Region übernimmt. Mit den zwei Regional-Expresslinien RE2 und RE4 wächst die Odeg nach eigenen Angaben zum größten privaten Bahnunternehmen Ostdeutschlands. In der Region schafft sie damit 160 zusätzliche Arbeitsplätze für Lokführer, Servicepersonal, Werkstattmitarbeiter und Verwaltungskräfte.

Allein in der nun erweiterten Hauptwerkstatt am Eberswalder Containerbahnhof wurden acht zusätzliche Fachleute eingestellt. Wann sie aber an den neuen Doppelstockzügen für die RE-Linien arbeiten können, ist weiter offen. Wie berichtet, sorgen Lieferengpässe und die noch ausstehende Zulassung dafür, dass die Odeg bisher erst einen von 16 bestellten Zügen zur Verfügung hat, ausschließlich für Test- und Schulungsfahrten.

5,6 Millionen Euro hat die Odig, die Instandhaltungs-Tochter der Ostdeutschen Eisenbahn, in den Ausbau der Werkstatt investiert. 13 Monate wurde gebaut, um die Halle von ursprünglich 1700 auf jetzt 4800 Quadratmeter Fläche wachsen zu lassen. Mit 152 Metern ist sie nun etwa 110 Meter länger als vorher. "Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass wir das in dieser Zeit geschafft haben", sagte Odeg-Chef Arnulf Schuchmann. Die größere Halle braucht sein Unternehmen, weil die neuen Züge deutlich länger sind als die bisherigen Fahrzeuge. Bislang fährt die Odeg in der Region nur mit kleinen Dieseltriebwagen auf mehreren Nebenstrecken. Als Gewinner einer Ausschreibung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) übernimmt die Privatbahn vom Fahrplanwechsel am 9. Dezember an auch den Betrieb auf den wichtigen Regionalexpress-Linien RE2 (Wismar-Berlin-Cottbus) und RE4 (Rathenow-Berlin-Jüterbog).

Züge noch ohne Zulassung

Vorgesehen sind dafür Doppelstock-Triebzüge vom Typ Kiss des Berliner Herstellers Stadler. Kernstück der neuen Werkstatt ist eine riesige mobile Hebebühne, die den mehr als 200 Tonnen schweren Stadler-Zug bis zu zwei Meter anheben kann. Für den Kiss musste der Schienenweg zur Werkstatthalle auch elektrifiziert werden. Den Strom liefert die Bahntochter DB Energie, die Odeg ließ dafür eigens eine rund einen Kilometer lange Oberleitung bauen. Während die Wartungs-Infrastruktur nun steht, geht das Warten auf die Züge weiter. Stadler kann nach eigenen Angaben bis Dezember von den bestellten 16 Zügen maximal elf ausliefern. Für den vollen Betrieb auf den RE-Linien würde die Odeg mindestens 13 Fahrzeuge benötigen. Grund für die Verzögerungen sollen nach Informationen der Berliner Morgenpost unter anderem Qualitätsprobleme bei den zugelieferten Drehgestellen sein. Zudem haben die Züge, die in Deutschland erstmals zum Einsatz kommen sollen, noch keine Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Weil damit klar ist, dass die Odeg zum Fahrplanwechsel nicht die volle Leistung erbringen kann, wurde jüngst bereits ein Ersatzkonzept vorgestellt. Es sieht vor, dass die Deutsche Bahn vorerst die Linie RE2 weiter betreibt. Auf der Linie RE4 wird die Odeg selber fahren, entweder mit den dann zugelassenen Kiss-Zügen oder mit gemieteten Fahrzeugen anderer Unternehmen. Inzwischen verdichten sich Hinweise, dass dann wohl City-Shuttle-Züge der österreichischen Staatsbahn ÖBB durch die Region rollen würden.

Nach Angaben des EBA stehen für die Zulassung der Stadler-Triebzüge noch Sicherheitsnachweise aus. "Sobald die Unterlagen entscheidungsreif vorliegen, wird auch das EBA seinen Beitrag leisten, damit die neuen Züge wie geplant eingesetzt werden können", sagte Behördensprecher Moritz Huckebrink. Nach Odeg-Angaben wurden die geforderten Dokumente hingegen bereits vom Hersteller eingereicht.