Denkmalpflege

Wenn die historischen Orgeln nicht mehr gespielt werden

Es war wie ein kleines Wunder: Als die ersten Töne der Orgel erklangen, war die kleine Feldsteinkirche in Herzfelde (Uckermark) wieder komplett.

- "Nicht alle hatten geglaubt, dass das wirklich gelingt", erinnert sich Gabriele Förder-Hoff, Vorsitzende des Fördervereins für Kirchenmusik in der evangelischen Gemeinde Herzfelde. Mit einem Festgottesdienst im September vergangenen Jahres erhielt die Kirche ihr Herz zurück.

Der demografische Wandel macht auch den Kirchgemeinden zu schaffen. Es gibt weniger Mitglieder, Geld wird knapp für Restaurierung oder Sanierung von Dorfkirchen. Darunter leiden auch die Orgeln: Werden sie nicht gespielt, verstummen sie über kurz oder lang. Für die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist es aber nahezu unmöglich, sich um jede der etwa 1500 Orgeln in Brandenburg zu kümmern. Die meisten stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zu den ältesten Exemplaren gehört die Luckauer Orgel von 1673. Eine der zehn bedeutendsten Orgeln in Deutschland steht im Brandenburger Dom.

"Orgeln müssen gespielt werden, sonst rosten sie buchstäblich ein", sagt Landesmusikdirektor Gunter Kennel. Sie leiden vor allem unter Temperaturschwankungen. "Zu kalt ist schlecht, aber auch zu warm", sagt Kennel. Zahlreiche Gotteshäuser leisten sich inzwischen Heizungen. Dadurch könne das Holz austrocknen und reißen. "Zahlreiche Orgeln gingen bereits verloren", betont er. Bei der komplizierten Bauweise aus Manualen, Pedalen, Pfeifen, Ventilen, Bälgen und Gebläsen, das Ganze umhüllt von einem hölzernen Gehäuse, seien dann Spezialisten gefordert.

Kennel wünscht sich einen "Masterplan Orgeln". Wenn ein Instrument aus Sicht der Denkmalpflege schützenswert sei, könne das Land helfen. Sonst gebe es keine Finanztöpfe. Die Restaurierung einer Orgel könne schon mehre zehntausend Euro kosten. Bei den 1000 Instrumenten, die Hilfe brauchen, komme ein zweistelliger Millionenbetrag zustande.

Fördervereine sammeln Spenden

"Das Bewusstsein vor Ort ist groß", sagt Kennel. Vielerorts kümmerten sich Fördervereine darum und sammeln Spenden. In Herzfelde mussten knapp 80.000 Euro aufgebracht werden. Finanzielle Nöte der Gemeinden sorgen für ein weiteres Problem: Wer kann das Instrument spielen? Um den Nachwuchs sorgt sich Jörg Walter, Vorsitzender des Verbandes Evangelischer Kirchenmusiker in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (VKBO). "Wo es einen ausgebildeten Organisten gibt, können Kinder und Jugendliche begeistert werden", sagt Walter. Der Pfarrerin von Herzfelde, Rosemarie Penz, ging nach eigenen Worten das Herz über, als die Orgel in ihrer Kirche nach etwa 50 Jahren wieder erklang. "Sie bringt liebliche Töne aus den Holzpfeifen und klingt majestätisch durch die Metallpfeifen", sagt Penz. Dabei lasse es auch dem Gesang genug Raum und dränge sich nicht in den Vordergrund. Bei Konzerten kann es aber auch gut die Hauptrolle spielen.