Landesliste

Zwei Frauen, ein Sitz

Die Ex-CDU-Chefin Saskia Ludwig tritt zur Bundestagswahl 2013 gegen Katherina Reiche an

- Zwei Kandidatinnen, nur eine kann siegen. Am 19. Oktober wird sich die politische Zukunft der CDU-Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche und der kürzlich als CDU-Landes- und Fraktionschefin zurückgetretenen Saskia Ludwig entscheiden. Der Kreisvorstand Potsdam-Mittelmark hat Ludwig am Dienstagabend mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen nominiert. Reiche ist erneut von der Potsdamer CDU vorgeschlagen worden. Etwa 1000 Unionsmitglieder dürfen somit am Freitag nächster Woche darüber abstimmen, welche von den beiden Politikerinnen für den Wahlkreis 61 - Potsdam, Potsdam-Mittelmark und Teile von Teltow-Fläming - ab Herbst 2013 in den Bundestag einziehen soll. Gewöhnlich nehmen an einer Wahlversammlung lediglich 250 Mitglieder teil.

Katherina Reiche gibt sich gelassen, zumindest nach außen. Sie sagt: "Ich setze auf das Vertrauen der Mitglieder in meine Arbeit". Doch für die 39-Jährige ist Ludwigs Kampfkandidatur durchaus gefährlich. Anders als die Potsdamer CDU-Chefin Reiche dürfte Saskia Ludwig als Kreischefin des weitaus größeren Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark selbst nach ihrem Sturz als Landesvorsitzende über eine mächtige Hausmacht verfügen. Katherina Reiche hingegen ist als Potsdamer Kreischefin in den eigenen Reihen umstritten. Sie sei zu wenig in Potsdam präsent, heißt es. Zumal sie seit Jahren in Luckenwalde wohnt. Die Diplomchemikerin sitzt seit 1998 im Bundestag - und das mit Erfolg. Bundesweit bekannt wurde sie, nachdem der damalige Kanzlerkandidat Edmund Stoiber die junge Ostdeutsche im Bundestagswahlkampf 2002 in sein Kompetenzteam holte. Reiche machte danach Karriere. 2002 wurde sie stellvertretende Fraktionschefin, seit Oktober 2009 ist sie parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Sie hat also einiges zu verlieren.

Suche nach politischer Zukunft

Auch für ihre Herausfordererin Saskia Ludwig steht viel auf dem Spiel. Die 44-Jährige hatte ebenfalls eine beachtenswerte Karriere hingelegt. Doch diese endete kürzlich jäh: Nach der Rückkehr aus der Babypause drängte die Mehrheit der Landtagsfraktion die CDU-Fraktions- und Landeschefin Anfang September zum Rücktritt. Zu groß war der Unmut über Ludwigs politischen Kurs geworden. Viele fühlten sich nicht mehr von ihr als Vorsitzender vertreten. Sie warfen ihr vor, die CDU mit ihren radikalen Positionen immer mehr in die Isolation zu treiben und eine Rückkehr in die Regierung in absehbarer Zeit unmöglich zu machen. Den endgültigen Bruch brachte ein nicht abgesprochener Namensartikel in der rechtspopulistischen Wochenzeitung "Junge Freiheit". Saskia Ludwig, die bis zu ihrer Heirat Funk hieß, hatte die Landespartei im Juni 2009 übernommen. Seit April 2010 führte sie die Landtagsfraktion an.

Bereits kurz nach ihrem Sturz als Landeschefin wurde darüber spekuliert, dass sie nun in den Bundestag streben könnte. Doch die meisten in der Partei hofften, dass nicht schon wieder ein Machtkampf in der CDU ausbricht. Selbst die Mitglieder des bislang loyalen Kreisvorstandes sind keineswegs alle glücklich über ihre Ambitionen. Andererseits herrscht in der Partei auch Verständnis darüber, dass Ludwig die Chance ergreift, sich eine neue politische Zukunft aufzubauen. Einige sähen sie lieber in Berlin als weiterhin in der Landtagsfraktion. Denn bequem, das war Saskia Ludwig noch nie. Sollten die Mitglieder sie am 19. Oktober nominieren, kann sie wohl mit Unterstützung rechnen. Denn ihr einen aussichtslosen Platz auf der CDU-Landesliste zuzuweisen, nachdem sie demokratisch nominiert ist, gilt als nahezu ausgeschlossen.

Bei der vorigen Bundestagswahl führte Katherina Reiche die Landesliste als Spitzenkandidatin an. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird erwogen, dieses Mal wie schon 2005 mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen (Elbe-Elster) als Spitzenkandidat anzutreten. Sollte sich Ludwig bei der Nominierung durchsetzen, könnte sie auf der Landesliste später mit Platz 2 oder 3 rechnen. Als sicher gelten die ersten vier Plätze. Alle Bundestagskandidaten sollen bis Januar 2013 aufgestellt sein. Dann will der Landesvorstand einen Vorschlag für die Landes-Delegiertenversammlung erarbeiten. Beschlossen werden soll die Liste im Frühjahr. Derzeit sitzen neben Reiche und Stübgen im Bundestag Andrea Voßhoff (Havelland), Jens Köppen (Uckermark) und Hans-Georg von der Marwitz (Märkisch-Oderland/Barnim). Einzig Stübgen war 2009 von den Wählern direkt gewählt worden. Am kommenden Montag kommt Bundeskanzlerin und CDU-Bundeschefin Angela Merkel nach Potsdam - zu einer Regionalkonferenz.

Guten Kontakt zu Merkel

Sie weiß nur allzu gut um die Dauer-Machtkämpfe in der märkischen CDU. Im November 1991 hatte Merkel hier selbst als Landeschefin kandidiert. Als Bonner Frauenministerin sollte sie den Aufstieg des Parteilinken Ulf Fink an die Spitze der CDU Brandenburgs verhindern. Doch Berlins Ex-Sozialsenator Fink setzte sich gegen die Pfarrerstochter aus Templin durch. Die Partei hat inzwischen neun Landesvorsitzende verschlissen, zwei weitere führten die CDU kommissarisch. Katherina Reiche wird ein guter Draht zur Kanzlerin nachgesagt. Ihre Gegenspielerin Saskia Ludwig hingegen ist eine von Merkels schärfsten Kritikerinnen. Ludwig gehört mit Ex-Landeschef Jörg Schönbohm dem "Berliner Kreis" an - ein Zusammenschluss von CDU und CSU-Abgeordneten, die ein konservativeres Profil der Partei fordern. Merkel wird bei der Regionalkonferenz kaum Stellung im neuesten Machtkampf beziehen. Vermutlich hebt sie Reiches Arbeit im Bundestag und in der Regierung aber doch hervor.