Umwelt

Die Rückkehr der Lachse

46.000 junge Fische werden im Norden von Brandenburg ausgesetzt. Dort sind die Lebensbedingungen gut

- Knapp 46.000 junge Lachse sind in dieser Woche in der Prignitz ausgesetzt worden. Die Aktion dient der Wiederansiedlung des Edelfisches in Brandenburg, wo er seit Mitte des 20. Jahrhunderts ausgestorben beziehungsweise verschollen war. Versuche, ihn im Nordwesten wieder heimisch zu machen, laufen seit 1999. Die Federführung liegt beim Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow, das gemeinsam mit dem Landesanglerverband die Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle in der Stepenitz betreibt.

Entlang dem Fluss zwischen Putlitz und Perleberg wurden die halbjährigen Junglachse von Booten und Lastwagen aus in die Freiheit entlassen. Die weitgehend naturbelassene und saubere Stepenitz bietet den Fischen gute Lebensbedingungen. "Der Besatz ist immer noch notwendig, weil die Zahl der Laichfische, die jährlich in die Stepenitz zurückkehren, nicht ausreicht, um den Bestand zu halten oder zu verbessern", sagte der Fischerei-Ingenieur Steffen Zahn vom Potsdamer Institut. Im Vergleich zu vielen anderen Flüssen Norddeutschlands ist die Stepenitz immer noch ein dynamisches Fließgewässer. Sie weist aufgrund ihrer erhalten gebliebenen Naturnähe und guten Wasserqualität einen sehr hohen Schutzwert auf. Wichtigste Nebengewässer sind Dömnitz, Kümmernitz, Sude, Panke, Freudenbach und Schlatbach. Insbesondere die Fischfauna zeichnet sich durch eine annähernd erhalten gebliebene und naturgemäße Artenvielfalt aus, wie sie in der Tiefland-Forellenregion zu finden ist. Zusätzlich zu den wiederangesiedelten Lachsen und Meerforellen kommen hier noch 35 weitere Fischarten vor, wie Bachforelle, Elritze, Groppe, Schmerle, Flussneunauge, Hasel, Gründling und Döbel.

Jährlich kommen im Schnitt 15 bis 20 Lachse zum Laichen in die Stepenitz zurück. Die Rückkehrerquote liegt damit bei etwa 0,3 Prozent. "Um einen gesicherten Bestand zu haben, brauchen wir aber mindestens drei Prozent Rückkehrer", erläuterte Zahn. Es lasse sich nicht sagen, wo die Lachse "verloren" gehen. Theoretisch könnten ihnen in den Weltmeeren Fischernetze oder hungrige Seehunde zum Verhängnis werden. Denkbar ist auch, dass sie in der Elbe beim Laichaufstieg in Fischernetzen enden.

"Wir haben auch schon ein gewisses Aufkommen an eigenem Nachwuchs", berichtete Zahn. Etwa zehn Prozent der Junglachse, die aus der Stepenitz abwandern, hätten hier das Licht der Welt erblickt. "Diese Fische haben eben keine Markierung und können so von den Besatzfischen unterschieden werden." Die jetzt ausgesetzten Jungfische stammen aus dem dänischen Fluss Skjern und waren dort in einer Zuchtanlage für Wildlachse aufgezogen worden.

Die jungen Lachse sind mit einem Schnitt an der Fettflosse markiert und werden im kommenden Frühjahr die Stepenitz in Richtung Nordsee verlassen. Wenn sie in zwei bis drei Jahren zum Laichen aus den Weltmeeren zurückkehren, können sie anhand des Flossenschnitts identifiziert werden. Der Lachs kam in Europa ursprünglich in den zum Atlantik mündenden Flüssen und Strömen vom Weißen Meer bis nach Nordportugal sowie auch in den Zuflüssen der Ostsee vor. Deutschland liegt im Zentrum des früheren Verbreitungsgebiets. Die Lachsbestände des Rheins und der Weser gehörten zu den größten weltweit. Aber auch an der Elbe und der Oder hatte der Lachsfang erhebliche wirtschaftliche Bedeutung und war noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine der Haupteinnahmequellen der dortigen Fischerei.

In Brandenburg gilt ein generelles Fangverbot für den Lachs. Die jüngste Lachs-Aussetzung kostete nach Angaben des Instituts für Binnenfischerei fast 37.000 Euro und wird aus Mitteln der Fischereiabgabe des Landes Brandenburg und den Mitgliedsbeiträgen der organisierten Angler finanziert.