Kunst

Mohnblumen, Schlösser, Alleen: Ein Minister, der jetzt malt

Ausstellung von Ex-Verkehrsminister Meyer in Potsdam

- Der frühere brandenburgische Bau- und Verkehrsminister Hartmut Meyer hat in seinem Ruhestand ein neues Hobby entdeckt: Er malt. Brandenburgs Alleen, die romantischen Schlösser des Landes, zarte Mohnblumen - oder die Weite des Oderbruchs. Der 69-Jährige lebt mit seiner Frau in Wriezen in Märkisch-Oderland.

Meyer malt selten in Öl, am liebsten mit Acrylfarben. "Das kommt meinem Temperament mehr entgegen", sagt er. "Ich möchte vorankommen und nicht stundenlang warten, bis die Farbe endlich trocken ist." Mal zieht sich der Ex-Minister gleich zwei Mal am Tag zum Malen zurück, mal pausiert er 14 Tage. Zwei Ateliers habe er, den Garten und den Keller, sagt Hartmut Meyer. Als er noch Minister in Potsdam war, malte er nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Dem damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) schenkte er zum 60. Geburtstag ein Ölbild von Schloss Rheinsberg, für Stolpes Nachfolger Matthias Platzeck brachte er die Glienicker Brücke als Symbol der deutschen Wiedervereinigung auf die Leinwand. Sie ist das Lieblingsmotiv des heutigen Ministerpräsidenten und SPD-Landeschefs. Platzeck ist in Potsdam ganz in der Nähe der Brücke aufgewachsen.

Von der SPD hat sich Hartmut Meyer mittlerweile distanziert. Er ist im Oktober 2009 aus der Partei ausgetreten - nachdem Platzeck den rot-roten Koalitionsvertrag mit zwei ehemaligen Stasi-Mitarbeitern unterschrieben hatte. Bereits seit dem Jahr 2003 ist der Diplom-Ingenieur nicht mehr Minister. An seinem 60. Geburtstag überraschte er die Gratulanten im Ministerium mit der Nachricht, dass er aufhören werde. "Es war nach zehn Jahren Ministeramt einfach Zeit für den Abschied", sagt er. Allerdings geriet Meyer wenig später massiv in die Kritik, weil er mit seiner privaten Beraterfirma Gutachtertätigkeiten für die Deutsche Bahn übernahm. Und das, nachdem sein Ministerium im Dezember 2002 mit der Deutschen Bahn einen langjährigen milliardenschweren Verkehrsvertrag abgeschlossen hatte. Es ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft, das Verfahren wurde aber eingestellt. Seit 31. Dezember vorigen Jahres ist Meyer nun im Ruhestand. Sein Beratungsunternehmen hat er aufgegeben.

Bilder bis Ende Oktober zu sehen

Derzeit stellt Meyer seine Bilder in Potsdam aus - zusammen mit Roland Korn, dem früheren Berliner Chefarchitekten in der DDR und mit der Malerin Hanne Pluns aus Neuhardenberg. Die Eröffnungsrede zur Ausstellung "Weite und Wege" hielt der früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe. Zu sehen sind die Bilder bis Ende Oktober im Haupttreppenhaus des Großen Waisenhauses, Lindenstraße 34a, 14467 Potsdam, Mo-Fr 7 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.