Fernsehen

Mord im Spreewald

ARD und ZDF nutzen die Wasserlandschaft als Kulisse. Am Montag wird "Eine tödliche Legende" ausgestrahlt

- Der Spreewald dient immer häufiger als Filmkulisse. Schon vor hundert Jahren hat die verzweigte Lagunenlandschaft Drehbuchautoren als Ort für Krimis gereizt. Bereits 1911 flimmerte der Stummfilm "Der fremde Vogel" mit Asta Nielsen, der eine Liebestragödie im Spreewald erzählt, über die Leinwand. Das ZDF hat diese Tradition ebenfalls vor Jahren aufgegriffen und zeigt nun am kommenden Montag mit "Eine tödliche Legende" den vierten Spreewaldkrimi.

In dem Werk geht Christian Redl wieder als Kommissar Thorsten Krüger auf Spurensuche, um Verstrickungen um ungeklärte Besitzverhältnisse in der untergegangenen DDR während der turbulenten Wendezeit aufzuklären. Regisseur Torsten C. Fischer nutzte die Möglichkeiten im Spreewald, um den sich viele Mythen und Legenden ranken, darunter die vom Schlangenkönig. Zu den Schauspielern gehören Muriel Baumeister, Rüdiger Vogler, Ludwig Blochberger und Rolf Hoppe. Eine Premiere in der Heimat erlebte "Eine tödliche Legende" bereits im August. Am Ort seiner Entstehung, in Lübbenau, stand der jetzige "Fernsehfilm der Woche" bereits bei den Filmnächten am Großen Hafen auf dem Programm. Auch ältere Spreewaldkrimis aus der ZDF-Reihe hatten die Organisatoren des Filmfests für das Freiluftkino am Rande des Lübbenauer Hafenbeckens gebucht.

In seiner Reihe von Montagskrimis sendete das ZDF bereits drei Filme, die im Spreewald spielten. Zuletzt lief "Die Tränen der Fische" auf den Bildschirmen. Davor waren "Das Geheimnis im Moor" und "Der Tote im Spreewald" Fernsehfilme der Woche. Auch die ARD entdeckte den Spreewald als Filmparadies und schickte in der Krimireihe "Polizeiruf 110" im April 2012 den Streifen "Die Gurkenkönigin" ins Rennen. Darin klären Kriminalhauptkommissarin Tamara Rusch (Sophie Rois) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) den Mord an der Lübbenauer Gurkenkönigin auf. Es war eine der letzten Rollen von Susanne Lothar, die im Juli dieses Jahres mit 51 Jahren verstarb.

Touristen am Tatort

Ein wichtiger Drehort in dem neuen Film "Eine tödliche Legende" war das Schloss Lübbenau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, wo Kommissar Krüger gleich in zwei Todesfällen ermittelt. Diese Handlung lehnt sich auch an die Geschichte der Grafen zu Lynar an. Die Familie hatte 1991 das von den Nazis 1944 wegen Widerstandes gegen Hitler enteignete Schloss in Lübbenau zurückerhalten und zu einem Hotel ausgebaut. Während der Dreharbeiten wohnten im Schloss auch Team-Mitglieder und Schauspieler. Hotelleiterin Birgit Tanner konnte den Film bereits im August bei den Filmnächten im Hafen sehen und war beeindruckt.

Auch in der Spreewaldgemeinde Burg quartieren sich manchmal der Drehstab und Schauspieler ein. Außerdem müssen Drehgenehmigungen beim Ordnungsamt eingeholt und Straßen abgesperrt werden. "Das bringt uns Geld in die Kasse", berichtet Kerstin Möbes von der Amtsverwaltung. Und auch der Tourismus profitiert davon. "Die ZDF-Krimis haben dem Spreewald bundesweit Aufmerksamkeit gebracht", sagt Andrea Trogisch von der Spreewald-Touristeninformation in Lübbenau. "Manche Touristen wollen sich vor Ort die Schauplätze der Filme ansehen, so wie kürzlich eine pensionierte Lehrerin aus Niedersachsen", erzählt Trogisch.

Aber nicht alle Einheimischen und Gäste seien begeistert von den Spreewaldkrimis. "Die Landschaft und die Handlung werden oft zu düster dargestellt", gibt Trogisch die Meinung von Touristen wieder, die sie teilt. Sie fügt hinzu: "Bloß gut, dass es auch Dokumentarberichte über die Schönheiten des Spreewaldes gibt." Wie viele andere ist sie schon auf den fünften Spreewaldkrimi mit dem Titel "Phönix" gespannt. Er wurde bereits abgedreht und soll im Fernsehen 2013 zu sehen sein.

Der Spreewald, dieses riesige Gespinst aus kleinen Kanänlen, ist aber nicht nur Filmkulisse. An diesem Wochenende feiert das Lagunendorf Lehde bei Lübbenau wieder das Kahnfest. Höhepunkt ist der traditionelle Korso mit etwa 40 Kähnen, wie die Vorsitzende des Fördervereins, Manuela Filko, ankündigte. Die Rundfahrt um die Insel zeigt das Leben der rund 150 Einwohner in verschiedenen Jahreszeiten. Den Abschluss bildet ein Schaubild mit allen Kähnen in Hafen des Gasthauses "Zum fröhlichen Hecht".

Außerdem stehen bei der 21. Auflage des Festes Einbaum-Wettfahrten auf dem Programm, der alte Feuerwehrkahn wird vorgeführt, und die Besucher können beim historischen Schaudreschen zuschauen. Auch andere spreewaldtypische Handwerke werden vorgestellt. Alle Höfe sind festlich geschmückt. Die Einwohner präsentieren sich in traditionellen Spreewaldtrachten. Die Veranstalter erwarten etwa mehrere tausend Menschen. Schon am Sonnabend kamen viele Besucher nach Lehde.