Wohnungsnot

Starker Zuzug treibt die Mietpreise in Potsdam in die Höhe

Ein Quadratmeter kostet durchschnittlich 5,74 Euro netto kalt

- Potsdam glänzt: Mit einer Arbeitslosenquote von jüngst 7,7 Prozent ist Brandenburgs Landeshauptstadt Primus im Ost-Vergleich. Wie bundesweit kaum eine andere Stadt zieht die Preußenresidenz neue Einwohner an - allein im vergangenen Jahr waren es 10.115. Die Liste Reicher und Prominenter an der Havel ist lang, zu den bekanntesten zählen Software-Milliardär Hasso Plattner, TV-Moderator Günther Jauch und Modedesigner Wolfgang Joop. Die Schattenseite: Wohnraum wird knapp, die Preise steigen - und die soziale Kluft wird größer.

"Inzwischen sind die Mieten einen Tick höher als in Berlin", sagt David Eberhart vom Verband Berliner-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Nach dem aktuellen Mietspiegel für die rund 157.000 Einwohner zählende Stadt liegt die Durchschnittsmiete bei 5,74 Euro netto kalt pro Quadratmeter - gegenüber 2010 ein Anstieg von 7,7 Prozent. Insbesondere Single-Wohnungen werden immer teurer, in diesem Segment haben die Mieten um 23,2 Prozent angezogen.

Der Leerstand liegt nach Angaben der Stadtverwaltung inzwischen unter einem Prozent. Nach Schätzungen des Verbandes werden in Potsdam in den kommenden acht Jahren etwa 10.000 neue Wohnungen benötigt, davon rund 7500 Mietwohnungen. Potsdams Stadtentwicklungskonzept geht bislang von etwa 1000 Wohnungen aus, die bis 2025 jährlich neu geschaffen werden müssen. Derzeit gibt es knapp 85.000 Wohnungen, über 40 Prozent davon gehören Genossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen.

Vor allem sozial Schwache bekommen die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt zu spüren: "Es gibt einen Trend zur zunehmenden Obdachlosigkeit", sagt die örtliche Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Angela Basekow. Das Potsdamer Obdachlosenheim mit 125 Plätzen ist voll, auch das Familienhaus ist ausgebucht und beherbergt je 25 Erwachsene und Kinder. Wer mit der Miete im Rückstand ist, wird laut Basekow konsequenter und schneller als früher vor die Tür gesetzt. "Es muss wieder sozialen Wohnungsbau geben", sagt sie und fordert eine Wiederbelebung von Förderprogrammen.

Laut einer Studie der Initiative "Impulse für den Wohnungsbau" vom vergangenen Februar ist die Wohnungsnot in Deutschland zurückgekehrt. Die Autoren empfehlen unter anderem Hilfsprogramme für Regionen mit akutem Wohnungsmangel. "Entweder wir machen mehr Obdachlosenheime auf - oder wir fördern den sozialen Wohnungsbau", meint Basekow lakonisch.

Lediglich 605 Sozialwohnungen gibt es derzeit nach Angaben der Stadtverwaltung in Potsdam. Mit etwa 30 Millionen Euro bezuschusst die Stadt Einwohner, die ihre Miete nicht aus eigener Kraft aufbringen können. "Das sind sechs Prozent des gesamten Haushaltes", so Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).

Damit Mieten bezahlbar bleiben, will der SPD-Politiker zumindest bei den städtischen Wohnungen Grenzen setzen. Rückendeckung gab es im August von der Stadtverordnetenversammlung: Als Gesellschafter der Pro Potsdam soll Jakobs dafür sorgen, dass ab Oktober 2012 beispielsweise bei Weitervermietung der Preis maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf.