Verkehr

Mit dem Ersatzbus in den Urlaub an die Ostsee

Für Bauarbeiten sperrt die Bahn die Strecke von Berlin nach Rostock für mehr als sieben Monate. Danach können die Züge schneller fahren

Bahnreisen von Berlin nach Rostock werden von Montag an zur Geduldsprobe. Auf gleich drei Abschnitten wird die Strecke bis zum 26. April 2013 für Bauarbeiten voll gesperrt. Die Folge: Der direkte Bahnverkehr zwischen Berlin und Rostock wird für mehr als sieben Monate faktisch eingestellt. Die aus Süden kommenden Züge der wichtigsten Ostseelinie, des Regionalexpress RE5, enden bereits am Bahnhof Gesundbrunnen. Erst ab Neustrelitz fährt der RE5 wieder, allerdings nur nach Stralsund. Lediglich der Warnemünde-Express und wenige RE5-Züge fahren auf einer Umleitungsstrecke von Berlin über Schwerin nach Rostock. Andere Regionallinien wie die RB12, RB20 und die RB54 werden ebenfalls verkürzt oder fahren auf anderen Strecken. Umgeleitet wird auch der Güter- und Fernverkehr, darunter auch die private InterConnex-Linie von Leipzig über Berlin nach Warnemünde. Nicht betroffen ist die zweite Ostseelinie der Deutschen Bahn, der RE3 von Berlin über Angermünde nach Stralsund.

Reisende müssen jedoch auf den meisten Verbindungen an die Ostsee auf Ersatzbusse umsteigen. Freitags, sonnabends und sonntags verbindet eine Express-Buslinie den Berliner Hauptbahnhof auf direkter Strecke über die Autobahn mit Rostock. Mehrere Ersatzlinien sorgen für die Anbindung der kleinen Stationen auf der Strecke.

Umsteigeknoten Birkenwerder

Der Bahnhof Birkenwerder wird in den kommenden Monaten zum Hauptumsteigeknoten zwischen Berlin und Rostock. Hier endet und beginnt die Ersatzbuslinie B, die das Berliner Umland mit Neustrelitz verbindet und in Nassenheide, Löwenberg, Gransee, Dannenwalde und Fürstenberg (Havel) hält. Von Berlin nach Birkenwerder kommen Fahrgäste unter anderem mit zusätzlichen Pendelzügen. Sie fahren stündlich vom Berliner Hauptbahnhof über Gesundbrunnen nach Birkenwerder. Dabei können die Reisenden besonderen Luxus - etwa Ledersitze in der 1. Klasse - genießen. Die Bahn setzt auf der Shuttle-Strecke nämlich die neuen fünfteiligen Triebwagen vom Typ "Talent 2" ein, die eigentlich schon seit Anfang Juni zum neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld fahren sollten.

Eines haben jedoch alle Umleitungs- und Ersatzverbindungen gemeinsam. Die Fahrgäste müssen deutlich mehr Zeit einplanen. Der Express-Bus ist mit geplanten drei Stunden Fahrzeit beispielweise 30 Minuten langsamer als die Regionalzüge. Außerdem sind nicht alle Busse behindertengerecht, und auch Fahrräder können nicht transportiert werden.

"Da gibt es nichts zu beschönigen, die Beeinträchtigungen sind groß", sagte Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), bei der Vorstellung des Bauvorhabens. Zugleich sei es aber "bautechnisch am sinnvollsten" den Ausbau während der Vollsperrung zügig abzuschließen, anstatt noch jahrelang an den Gleisen zu arbeiten.

Verschärft wird die Situation für die Bahnreisenden durch die hohe Kampfmittelbelastung in Oranienburg. Das gesamte Bahnhofsumfeld, so stellte ein Gutachten im Frühjahr fest, muss auf Bomben und Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht und gegebenenfalls geräumt werden. Laut dem Gutachten werden in Oranienburg noch mehr als 300 Blindgänger vermutet. Laut Schätzungen sollen allein im Bereich der Bahnanlagen noch etwa 20 Bomben oder Granaten im Boden liegen. Der gesamte Bahnhof wird daher von Montag an für den Regional- und Fernverkehr gesperrt. Nur die S-Bahnen der Linie S1 können noch planmäßig fahren.

Weniger als zwei Stunden Fahrzeit

Nach der monatelangen Sperrung soll für die Fahrgäste dann aber vieles besser werden, versprechen die Deutsche Bahn und der VBB. Ende kommenden Jahres sollen die Fahrzeiten der Bahn durch den Ausbau der Strecke erstmals konkurrenzfähig zum Auto sein. Ab Dezember 2013 soll die Fahrt von Berlin nach Rostock mit Fernverkehrszügen weniger als zwei Stunden dauern.

Für 850 Millionen Euro baut die Deutsche Bahn seit 2005 an dem fast 200 Kilometer langen Schienenstrang zwischen Hauptstadt und Ostsee. Finanziert wird das Großprojekt von der Europäischen Union, dem Bund und der Bahn. Mit maximal 160 Kilometern pro Stunde sollen die Züge künftig fahren. Bisher liegt das Tempolimit bei 120 Stundenkilometern. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) erhofft sich dadurch auch mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf der vor allem im Sommer vielgenutzten Strecke. Zuletzt fuhren dort teilweise nur 85 Prozent aller Züge pünktlich. Auf 95 Prozent oder mehr soll die Pünktlichkeitsquote künftig steigen.

Profitieren von dem Ausbau soll auch der Güterverkehr von und zu den Ostseehäfen. Künftig können auch schwere Güterzüge mit bis zu 25 Tonnen Achslast die Strecke befahren.

Einschränkungen im Regionalverkehr der Deutschen Bahn gibt es an den kommenden beiden Wochenenden auch zwischen Erkner und Frankfurt (Oder). Weil die Deutsche Bahn an den Oberleitungen der wichtigen Ost-West-Strecke arbeitet, fallen die Regionalexpress-Züge der Linie RE1 in den Nächten zu Sonnabend und Sonntag, jeweils von 19.30 bis 5 Uhr aus. Fahrgäste müssen in dieser Zeit auf Ersatzbusse umsteigen, die nach Angaben der Bahn aber deutlich länger unterwegs sind.

Am Montag fallen wegen Gleisbauarbeiten außerdem von 7.15 Uhr bis 23 Uhr mehrere Züge der Regionalexpress-Linie RE7 zwischen Berlin-Schönefeld Flughafen und Rangsdorf aus. Auch sie werden durch Busse ersetzt, wie die Bahn am Dienstag mitteilte.