Festung Küstrin

Ein Spaziergang auf den Spuren von Katte und Friedrich

Historischer Wall der Festung Küstrin wurde für umgerechnet zwei Millionen Euro saniert. In einer Bastion soll ein Museum entstehen

- Der 300. Geburtstag von Friedrich II. spielt auch im Nachbarland Polen eine Rolle. Die ehemalige Altstadt von Küstrin, die einst zu den schönsten Orten der Mark Brandenburg gehörte und heute Teil der polnischen Grenzstadt Kostrzyn ist, ist ein geschichtsträchtiges Pflaster und zieht jährlich 20.000 Besucher an. "Und das, obwohl wir dafür so gut wie keine Werbung machen", sagt Ryszard Skalba, Direktor des Küstriner Festungsmuseums. Viele der Besucher kommen nach Küstrin, weil der damalige Kronprinz Friedrich dort 1730 das wohl tragischste Erlebnis seiner Jugend hatte. Vom Schloss Küstrin - einem Teil der Festung - aus musste er miterleben, wie sein Freund Hans Hermann von Katte vom Scharfrichter enthauptet wurde.

Friedrichs despotischer Vater, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., hatte die Hinrichtung befohlen, weil Katte seinem Freund bei seinem Fluchtversuch nach England geholfen hatte. Die Flucht scheiterte, Friedrich wurde bis 1732 in Küstrin interniert.

Die Bewohner der einst so bedeutenden brandenburgischen Residenz und Garnison haben diese tragischen Ereignisse nicht vergessen, benannten 1929 den Wall zwischen den Bastionen "Philipp" und "Brandenburg" der Festung Küstrin nach Katte. Der "Katte-Wall" mit malerischem Blick auf die Oder war eine beliebte Promenade. Er wurde jedoch ebenso Opfer der massiven Kriegszerstörung wie der Rest des alten Küstrin. Im Frühjahr 1945 wurden die Altstadt und die sie umgebende preußische Festung mit ihren sechs Bastionen in Schutt und Asche gelegt.

Doch den "Katte-Wall" gibt es jetzt wieder. Denn in den vergangenen zwei Jahren wurde das Areal für umgerechnet zwei Millionen Euro, darunter ein Großteil EU-Mittel, umfassend saniert. Der Wall wurde wiederhergestellt, begrünt, mit Treppen und Bänken versehen, von denen aus sich wieder der Blick über die Oder genießen lässt. Zahlreiche Besucher aus Deutschland und Polen haben am Wochenende bereits Spaziergänge unternommen - anlässlich der traditionellen Küstriner Festungstage, begleitet vom Kanonendonner der Preußischen Artillerie Letschin.

Keine Helden-Verehrung

Doch spätestens an der Bastion "Philipp" ist Schluss mit Flanieren. Das Ziegelbauwerk wird zum Museum der Festung Küstrin umgestaltet. "Für den Innenausbau stehen weitere 300.000 Euro zur Verfügung. Im Sommer 2013 wollen wir fertig sein", erklärt Skalba. Von Preußen-Nostalgie will er in diesem Zusammenhang nichts hören, doch übergehen lasse sich die Geschichte nun mal nicht. "Friedrich II. wird bei uns nicht als Held verehrt, hat er doch zur Teilung Polens maßgeblich beigetragen", stellt er klar.

Diese Einstellung sei durchaus nachvollziehbar, sagen die Besucher Marta Hofmann-Ptak und Martin Tuch: "Polen wurde in seiner Geschichte immer durch irgendwen besetzt, geriet ständig zwischen die Fronten." Die Müncheberger sind erstmals auf dem 40 Hektar großen Areal der Küstriner Altstadt, die gern als "polnisches Pompej" bezeichnet wird, unterwegs.

"Es ist schon beeindruckend, diese Überreste einer ganzen Stadt zu sehen", sagt Hofmann-Ptak und lässt den Blick schweifen. Noch zu erkennen sind die alten, gepflasterten Straßenzüge, heute zweisprachig beschriftet. Von den Gebäuden, die sie einst säumten, sind nur noch Grundmauern, Teile von Säulen und Sockeln, geheimnisvolle Torbögen und Treppenstufen, die ins Nichts führen, erkennbar. Die Umrisse des einst so prunkvollen Renaissance-Schlosses lassen sich ebenso ausmachen wie die Fundamente der Küstriner Marienkirche, in deren Ruine ein großes Holzkreuz steht.

"Wir konzentrieren uns auf den Erhalt der historischen Substanz", sagt Museumsdirektor Skalba und zeigt auf die teilweise neu gemauerten Ziegelbastionen und Tore der früheren Festung. Träume vom Wiederaufbau des alten Küstrin, die seit den 90er-Jahren auch in der Kostrzyner Stadtverwaltung diskutiert wurden, erwiesen sich bisher als illusorisch.

Die Schlossreste waren sogar für einen Zloty zum Verkauf angeboten worden - allerdings vergeblich. "Wenn sich finanzkräftige Investoren für einen Wiederaufbau finden, sagen wir dazu nicht nein", meint Skalba jedoch. Allerdings muss er zugeben, dass es für eine Neubebauung nach wie vor keine ernst zu nehmenden Interessenten gibt. Lediglich am südlichen Rand des Areals ist schon vor Jahren ein Hotelkomplex mit Tankstelle, Wechselstube und Friseurladen entstanden.

Mittelalterliche Fundamente

Dass auf dem geschichtsträchtigen Gelände auch so genügend zu tun ist, zeigen jüngste Ausgrabungen nahe des "Katte-Walls". Freigelegt wurden mittelalterliche Feldsteinfundamente von den Anfängen des Festungsbaus und Ziegelgewölbe, die vermutlich einst zur Wasserregulierung im Festungsgraben gehörten. Um das Museum in den Kasematten der Bastion "Philipp" mit Leben zu erfüllen, werden noch Original-Exponate aus deutschen Zeiten gesucht, vor allem Produkte, die einst in Küstriner Betrieben hergestellt wurden. Die Feuerwehren Brandenburgs wurden beispielsweise früher mit Gerätschaften ausgestattet, die in der Festungsstadt produziert wurden.