Gedenken

Grundschule in Gatow trauert um Julian B.

Gedenkfeier nach dem tödlichen Familiendrama

- Die Schüler und Lehrer der Grundschule am Windmühlenweg in Gatow haben sich am Freitag in einer Gedenkveranstaltung an den von seinem Vater getöteten sechsjährigen Julian B. erinnert. Am Vormittag versammelten sie sich in der Aula der Schule, die nur wenige Gehminuten von dem Haus entfernt liegt, wo Julian mit seiner Familie gelebt hatte. Die Direktorin Maria Baring hielt eine kurze Traueransprache, dann standen alle Schüler und Lehrer auf, um dem Erstklässler in einem Moment des Schweigens zu gedenken. Die Schüler seien betroffen und zugleich sehr diszipliniert gewesen, sagte Schulleiterin Baring. "Sie verstehen nicht, was passiert ist, denn das kann man doch gar nicht verstehen."

Noch vor zwei Wochen hatte Kristian B., der Vater von Julian, mit seiner Familie und mit Gästen die Einschulung seines Sohnes gefeiert. Eine Woche später erstickte der 69-Jährige seine 28 Jahre alte Frau Kathrin, Julian und dessen drei Jahre jüngeren Bruder Fabian. Kristian B. hat sich laut Polizei gesorgt, für seine Familie finanziell nicht mehr aufkommen zu können. Seine knapp ein Jahr alte Tochter legte er in der Babyklappe des Waldkrankenhauses Spandau ab, bevor er sich selbst erstickte. Nach der Gedenkfeier am Freitag haben die Mitschüler von Julian einen "Wunschbaum" aufgestellt und mit Zetteln geschmückt. "Ich habe dich zwar nur wenig gekannt, aber es ist traurig, dass du nicht mehr zur Schule gehen kannst", hat ein Schüler geschrieben. Wegen des Regens konnte der Baum noch nicht auf dem Schulhof eingepflanzt werden. Die Schulleitung hat zudem einen Raum der Stille eingerichtet, wo die Kinder in eine Art Kondolenzbuch aus losen Blättern schreiben oder malen können. Die kleine, elf Monate alte Schwester von Julian, Leonie, wollen die Großeltern aufnehmen. Das Jugendamt prüft noch, ob sie als Pflegeeltern in Betracht kommen.