Stadtplanung

Italienischer Palazzo für Potsdams altes Zentrum

Der Berliner Unternehmer Abris Lelbach wird das prachtvolle Palais Barberini wieder aufbauen. Es soll die Außenfront rekonstruiert werden

- Der Alte Markt, das war einmal das Zentrum des preußischen Arkadiens, der Vorraum der Macht. Der Soldatenkönig ließ dort seine Langen Kerls aufmarschieren, und im Schloss empfing er Exzellenzen aus den anderen deutschen Länderund Europas. Der Alte Markt war der Salon Potsdams, mit dem von Knobelsdorff entworfenem Schloss in der Mitte und den mondänen Stadthäusern drumherum. Während sich der Wiederaufbau der Hohenzollernresidenz für den Brandenburger Landtag als künftigem Nutzer verzögert, kündigt sich für dessen direktes Umfeld rascher Wandel an. Die westlich an das Schloss grenzende Brache kann nun bebaut werden. Nach Angaben von Jan Brunzlow, Sprecher der Landeshauptstadt, will der Berliner Unternehmer Abris Lelbach das sogenannte Palais Barberini an der Alten Fahrt wieder aufbauen.

Der Kaufvertrag für das Grundstück war am Mittwochabend von den Stadtverordneten gebilligt worden. Der Grundstückspreis wurde nicht veröffentlicht. Lelbach will, wie er der Berliner Morgenpost sagte, rund 23 Millionen in den Wiederaufbau des Gebäudes investieren. Er ist Inhaber des Elektroanlagenbauers Elpro, der auch Immobilien entwickelt. Der Baustart ist für 2013 geplant, spätestens im Frühjahr 2015 will Lelbach das Haus fertig stellen, und zwar in "möglichst hochwertiger Bauausführung".

Lelbach war in einem Auswahlverfahren 2011 ursprünglich Zweiter hinter der Potsdamer Hotelchefin Gertrud Schmack geworden. Weil sie jedoch nicht die Bedingungen des Kaufvertrags erfüllte, kam nun Lelbach zum Zuge. Der Unternehmer hat für den Wiederaufbau des Palais' den Berliner Architekten Bernd Albers engagiert. "Es ist eine große Herausforderung, in die Fußstapfen von solch namhaften Baumeistern wie Carl von Gontard oder Ludwig Persius zu treten, die dort wirkten", sagt Albers

Das Palais Barberini ist der "Leitbau" für die Wiederherstellung der Bebauung an der Alten Fahrt, einem Nebenarm der Havel. Die Fassade zum Alten Markt hin soll nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Bei den beiden Seitenflügeln gibt es größere Freiheiten. Lelbachs Konzept sieht im Erdgeschoss ein Restaurant vor. In den Seitenflügeln sollen Wohnungen sowie "Kunst und Kultur" untergebracht werden. Deshalb seien nun in den Seitenflügeln Ateliers geplant. Im Hofgarten mit Blick über die Alte Fahrt auf die Freundschaftsinsel könnte ein Springbrunnen installiert werden. Ein bisschen wie: vorne Rom und hinten Venedig.

Eine Aufwertung ist auch dringend nötig. Seit dem Ende der DDR war das Areal zunehmend verkommen. Die in ihrer Ära rund um die Nikolaikirche errichteten Hochschulbauten sehen heute abrissreif aus. Und die Gebäude westlich des Alten Marktes, an den Ufern der Alten Fahrt, wurden unter DDR-Regie nie wieder aufgebaut. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und danach abgerissen. Nur die Nikolaikirche, das Alte Rathaus und der unter Friedrich Wilhelm I. für die königlichen Pferde ausgebaute Marstall überstanden den Krieg und die Abrisswut der SED-Oberen. Von dem Schloss, das sie hatten sprengen lassen, war lange nichts mehr zu erkennen: keine Putte und kein Giebelrest, die auf die Hohenzollernresidenz hätten hinweisen können. Zu sehr war der DDR lange Zeit verhasst, was mit Preußen in Verbindung stand.

Neben dem Grundstück von Abris Lelbach sollen bald weitere Schmuckbauten entstehen: die Palazzi Pompei und Chiericati. "Nun kommt endlich wieder Leben in die alte Mitte Potsdams", schwärmt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).

Touristen stehen am Landtagsschloss, staunen und erahnen, dass der Alte Markt wieder so werden könnte, was er einst war: ein Ort des Lustwandelns, schmuckreicher Schaufassaden und der Macht, wenn auch nicht mehr der königlichen, sondern der der Republik. Das Palais Barberini entsteht an der neu angelegten Humboldtstraße entlang der Alten Fahrt mit einem fünfachsigen Mittelrisalit und zwei jeweils vierachsigen Flügelbauten. Mitte des 19. Jahrhunderts fügten Ludwig Persius und Ludwig Ferdinand Hesse die repräsentativen, zum Havelufer ausgerichteten Seitenflügel dazu.

Staunende Touristen

Der italienische Star-Architekt Franco Stella, nach dessen Plänen das Berliner Stadtschloss aufgebaut werden soll, hat an der Alten Fahrt an der künftigen Brauerstraße für die Stiftung von Abris Lelbach noch eine weitere Stadtvilla entworfen - in moderner Architektur, aber mit Referenzen an den großen italienischen Renaissancebaumeister Andrea Palladio, auf dessen Entwurf auch das bestehende Alte Rathaus zurückgeht. Entstehen sollen in der Stadtvilla überwiegend hochpreisige Wohnungen. Franco Stella hat sich dabei klar an den Vorlieben Friedrichs II. orientiert. Auch das Vorbild für ein Gebäude wenige Meter entfernt stammt aus Italien. Carl Christian Gontard orientierte sich für sein 1777 erbautes Haus am Palazzo Chiericati in Vicenza - ebenfalls von Palladio. Die Prinz von Preußen Grundbesitz AG will das Haus mit der Leitfassade mit Wohnungen, Einzelhandel und Gastronomie aufbauen. Unweit dessen soll der Palazzo Pompei mit Wohnungen und Gewerbe wieder erstehen. Er war 1754 nach dem gleichnamigen Vorbild in Verona entstanden. Potsdam setzt auf die schöne Form.