14. Potsdamer Schlössernacht

Friedrichs Nacht

Gemütlich flaniert Justus von und zu vor dem Neuen Palais. Wallende rote Locken, gelber Gehrock - und eine Brille mit runden Gläsern.

- "Ohne würde ich ja nichts sehen", entschuldigt er den kleinen Fehler in seinem barocken Kostüm. Justus von und zu heißt eigentlich Michael Seidel, doch an diesem Abend ist er Zeremonienmeister bei der 14. Potsdamer Schlössernacht im Park Sanssouci, die sich um den 300. Geburtstag Friedrichs des Großen dreht. Im Takt seiner Schritte setzt Justus von und zu seinen Zeremonienmeisterstab auf den Boden.

"Damals hätten alle angefangen zu tanzen, wenn ich damit geklopft hätte", sagt er und lacht. Der Trubel, der um ihn herum herrscht, die vielen auf ihn gerichteten Digitalkameras, sind für den Schauspieler nichts Neues. "Darf ich Sie mir kurz schnappen", fragt ihn eine Frau mit kurzen, schwarzen Haaren. "Schnappen Sie mich ruhig", sagt Justus, lacht dröhnend und posiert gleich mit der ganzen Familie. Andere Besucher fragen ihn schlicht nach dem Weg. Ob zur Pferdescheune oder dem Heckentheater, geduldig weist ihnen der Zeremonienmeister die Richtung.

20 Meter entfernt drehen sich bereits ebenfalls prachtvoll kostümierte Männer und Frauen zum barocken Tanz, direkt daneben servieren einfach gekleidete Dienstkräfte Speisen aus der Zeit Friedrichs des Großen. Einer der Publikumsmagnete spielt sich auf einer Treppenbühne beim Eingang Mopke Süd ab: eine gespielte Friedrich-II.-Castingshow. Friedrichs "Ein jeder lebe nach seiner Façon" brachte das Schlössernacht-Team auf die ungewöhnliche Idee. Welche Façon hatte eigentlich Friedrich der Größe? Das wollten sie mit der "Façon" des 21. Jahrhunderts herausfinden: Castingshows werden immer populärer - warum also nicht auch eine Friedrich-II.-Castingshow stattfinden lassen? Mit dem Berliner Schauspielensemble Alles & Mehr wurde das kurzweilige Stück realisiert.

Ein Stück weiter drängen sich die Besucher um das Heckentheater. Hier steht "L'amore teatrale - ein opulenter Ausflug in die barocke Theaterkunst am Höfe" auf dem Programm. Bis weit nach Mitternacht dauert es, bis die letzten Takte barocker Musik verklungen sind. Dann steht der Höhepunkt der Nacht an: das spektakuläre Höhenfeuerwerk.