Ausstellung

Hier wurde Geschichte geschrieben

Der prachtvolle Schreibtisch Friedrich II. galt lange als verschollen. Jetzt ist er frisch restauriert und wird ausgestellt

- Dienstag, 11 Uhr, in Potsdams Neuem Garten. Radfahrer durchqueren den Park, Gärtner widmen sich der Pflege der Blumen und Gehölze. Und abseits der Sehenswürdigkeiten Schloss Cecilienhof und Marmorpalais vollzieht sich in einem unscheinbaren Backsteingebäude hinter schweren Holztüren eine kleine Sensation: Der sogenannte Spindler-Schreibtisch, ein Luxusmöbel aus dem Besitz Friedrichs des Großen, wird zum ersten Mal nach seiner Restaurierung der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Sensation, weil das wertvolle Möbel seit dem Jahr 1945 als verschollen galt und erst 2007 im Katalog des Aktionshauses Christie's in Amsterdam von einem Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg wieder entdeckt wurde.

Was in der Zwischenzeit passiert war, kommt einer kleinen Odyssee gleich. 1944 wird der Schreibtisch aus dem Neuen Palais in das Herrenhaus Kospoda nach Thüringen ausgelagert, im Jahr darauf verschwindet er aus allen Aufzeichnungen.

Wahrscheinlich gelangt er daraufhin in das Geraer Stadtmuseum. Dort wird er zumindest viele Jahre später - in den 90ern - von einem Privatmann fälschlicherweise als beschlagnahmter Besitz erkannt und zurückgefordert. "Dieser Irrtum löste sich erst 2008 auf, als wir den Schreibtisch im Angebot des Auktionshauses sahen", sagt Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung. Mit einigem Stolz verkündet er denn auch am Dienstagvormittag den Abschluss der Sanierungsarbeiten.

Das edle Möbelstück ist mit vergoldeten Messingbeschlägen und Ebenholz verziert - ein Luxusgut, das zu Zeiten Friedrichs nur über lange Handelswege und damit zu sehr hohen Preisen nach Preußen eingeführt werden konnte. Besonders prächtig sind die in das Holz eingearbeiteten Marketerien. Das sind Einlegearbeiten aus anderen Hölzern, die kunstvoll zu Blumenranken gesteckt wurden und vor dem dunklen Ebenholzgrund gut zur Geltung kommen. "Diese Marketerien sind keine einfachen Muster, sondern stellen richtige Bilder in dreidimensionaler Bildqualität dar", sagt Restauratorin Susanne Alimoradian. "Die Farben sind mittlerweile etwas verblichen, ursprünglich waren sie quietschbunt."

Der Schreibtisch ist benannt nach seinem Erbauer, Heinrich Wilhelm Spindler aus Bayreuth, der gemeinsam mit seinem älteren Bruder vermutlich 1765 nach Potsdam kam, um dort in den folgenden Jahren mit zahlreichen künstlerisch hochwertigen Ausstattungsarbeiten in Friedrichs Neuem Palais betraut zu werden. Der Schreibtisch gehört nach einer Inventarliste des Jahres 1784 in das nördliche Schreibkabinett des Unteren Fürstenquartiers, das seit diesem Jahr wieder vollständig renoviert im Rahmen der Ausstellung "Friederisiko" besichtigt werden kann.

2008 fehlen die Schubkästen

Dass sich der Schreibtisch heute wieder in Potsdam befindet, ist also vor allem einem glücklichen Zufall zu verdanken. Allerdings befand sich das Möbel, das auf historischen Fotografien zwischen 1890 und 1918 noch unversehrt erhalten ist, im Jahr 2008 in einem schlechten Zustand. Die goldenen Beschläge waren mit einer schwarzen Schicht bedeckt, viele Ebenholzfurniere hatten sich vom Trägerholz gelöst. Auch die drei Schubkästen und der Seidensamtbezug der Schreibfläche fehlten komplett. "Wir haben zunächst gründlich nach historischen Darstellungen des Tisches gesucht, um die Restaurierung so authentisch wie möglich zu gestalten. Es wurden dann nur die Teile nachgebaut, die wir zu 100 Prozent präzise nachvollziehen konnten", erklärt die Restauratorin den Arbeitsprozess. Das bedeutet zum Beispiel, dass die ursprünglich aufwendig verzierten Schubkästen durch "einfache" Ebenholzschübe ersetzt wurden.

Die aufwendige Restaurierung konnte dank einer 65.000-Euro-Spende der Cornelsen Kulturstiftung verwirklicht werden. "Als ich 2008 ein Foto des Schreibtischs in desolatem Zustand sah, dachte ich mir: Den möchte ich restaurieren, koste es, was es wolle", sagt die Stifterin Ruth Cornelsen.

Ab dem 20. August wird der Schreibtisch in der Ausstellung "Friedrich und Potsdam - Die Erfindung (s)einer Stadt" im Potsdam-Museum am Alten Markt zu sehen sein. Im Frühjahr 2013 kehrt er an seinen ursprünglichen Platz im Neuen Palais zurück.